Lactarius hepaticus

Leberbrauner Milchling

Plowr. 1905
Familie: Russulaceae
© Dieter Gewalt
hepaticus = leberbraun

Es gibt eine recht große Anzahl brauner Milchlinge, die infolgedessen nicht immer leicht auseinanderzuhalten sind. Eine gewisse Vorsortierung kann man aufgrund ihres Vorkommens im Laub- oder Nadelwald treffen. In Nadelwäldern der Tiefebenen sind es vor allem diese Arten:

Lactarius camphoratus = Kampfer-Milchling: Milch unveränderlich wässrig weiß, Geschmack mild, Geruch jung nach Blattwanzen, später oder beim Trocknen nach Maggi oder Liebstöckel, überwiegend bei Fichten, aber auch im Laubwald vorkommend, in höheren Lagen häufiger

Lactarius fuscus = Dunkler Duft-Milchling: Milch weißlich, Geschmack scharf, Geruch nach Kokosflocken, überwiegend bei Fichten

Lactarius hepaticus = Leberbrauner Milchling: Milch weiß, nach wenigen Minuten gelb verfärbend, Geschmack bitter, evtl. etwas schärflich, überwiegend bei Kiefern

Lactarius rufus = Rotbrauner Milchling: Milch unveränderlich weiß, Geschmack scharf, Geruch unauffällig, überwiegend bei Fichten, aber auch bei Kiefern

Da in der Rhein-Main-Ebene die Kiefer gegenüber der Fichte die dominierende Baumart ist, kann man hier folgende Vorgehensweise empfehlen: Zuerst an der Unterseite des Hutes riechen, dann die Milchfarbe bzw. deren Farbveränderung prüfen und schließlich die Geschmacksprobe machen.

In Mischwäldern mit eingestreuten Kiefern (seltener Fichten) muss natürlich auch auf die typischerweise in Laubwäldern wachsenden braunen Milchlinge geachtet werden, in erster Linie auf den Süßlichen Milchling Lactarius subdulcis (Milch unveränderlich weißlich, Geschmack mild bis leicht bitterlich, Geruch schwach nach Blattwanzen). Es könnte sich auch mal eine Art der kollinen oder noch höherer Lagen ins Flachland verirren und man kann natürlich auch nicht ausschließen, einmal einer der ganz seltenen Arten zu begegnen. In solchen Fällen kann dann nur noch das Mikroskop weiterhelfen.

Für den Leberbraunen Milchling spricht übrigens auch die späte Erscheinungszeit. Er wird nicht umsonst auch Später Milchling genannt. Ich habe ihn schon oft und massenhaft im November und Dezember gefunden, auch nach Nachtfrösten und dann steifgefroren oder mit einer dünnen Eisschicht in der leicht vertieften Hutmitte, in der sich ein unscheinbares Buckelchen befinden kann. Wenn man solche gefrorenen Pilze etwas unsanft berührt, zerbrechen sie wie dünnes Glas.

Über Bestand und Bedrohung der Art in Baden-Württemberg schrieb German J. Krieglsteiner:

Infolge N-Überlastung regional stark zurückgehende Bestände.”

… und stufte sie als G3 (gefährdet) ein. In den von mir hauptsächlich beobachteten Kiefernwäldern konnte ich noch keine rückläufige Tendenz feststellen.

Auflistung brauner Milchlinge (Lactarius)*
Name Ökologie Milchsaft Farbe Milchsaft Geschmack Geruch Häufigkeit
L. acris
Rosaanlaufender M.
auf Kalk, bei Buchen weiß, wird sofort rosa scharf unauffällig selten
L. basidiosanguineus
Orangeblättriger M.
in Nadelwäldern weiß, evtl. etwas gilbend mild, bald bitterlich Blattwanzen selten
L. camphoratus
Kampfer-M.
bei Buchen und Fichten weiß mild, bald bitter Kampfer, Maggi ziemlich häufig
L. fuligunosus
Rußfarbener M.
bei Buchen und Hasel weiß mild, bald scharf unauffällig bis fruchtig selten
L. fuscus
Dunkler Duft-M.
bei Nadelbäumen weiß mild, bald scharf Kokosflocken nicht häufig
L. hepaticus
Leberbrauner M.
bei Kiefern weiß mild unauffällig mäßig häufig
L. obscuratus
Erlen-M.
bei Erlen weiß mild unauffällig mäßig häufig
L. quietus
Eichen-M.
bei Eichen hellgelb mild Blattwanzen sehr häufig
L. rufus
Rotbrauner M.
bei Nadelbäumen weiß scharf harzig häufig
L. serifluus
Wässriger M.
bei Eichen wässrig mild Blattwanzen mäßig häufig
L. subdulcis
Süßlicher M.
bei Buchen weiß mild, bald bitter leicht nach Blattwanzen sehr häufig
L. volemus
Milchbrätling
Mischwald höhere Lagen weiß mild Heringslake selten

* enthält Arten, die im Rhein-Main-Gebiet häufig oder gelegentlich vorkommen. Nicht enthalten sind ausgesprochen seltene Arten, die hier noch nicht nachgewiesen wurden. Zu beachten ist auch die Farbvariabilität vieler Pilze, also auch der Milchlinge. Als gelblich oder rötlich beschriebene Arten könnten auch mal als bräunlich interpretiert werden. Sie sind nicht in dieser Auflistung enthalten. Farbänderungen der austretenden Milch können am besten mit einem Papiertaschentuch verifiziert werden.

Weiterführende Literatur:

Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben, von Dieter Gewalt.
Zuletzt aktualisiert am 19. Dezember 2020