Leccinum quercinum

Eichenrotkappe

Pilát 1974
Familie: Boletaceae
© Dieter Gewalt
Leccinum aurantiacum
quercinum = bei Eichen

Die Rotkappen gehören wie die graubraunhütigen Birkenpilze zu den Raufußröhrlingen, die sich durch strenge Wirtstreue auszeichnen. Die jeweiligen Begleitbäume sind also eine wichtige Bestimmungshilfe. Wenn eine Rotkappe genau zwischen einer Birke und einer Eiche steht, könnte es eine Birken- oder Eichenrotkappe sein. Dann müssen Merkmale wie Farbe der Stielflöckchen und Verfärbung im Stielfleisch zur Artbestimmung herangezogen werden, was oft schwierig ist, zumal sich diese Merkmale während der Entwicklung von jung zu alt beträchtlich verändern können. Selbst in ihren mikroskopischen Merkmalen, z. B. Sporengrößen, unterscheiden sie sich kaum.

Alle Rotkappenarten gelten als ausgezeichnete Speisepilze.

Eichenrotkappen haben orange- bis ziegelrote, bisweilen auch kastanienbraune Hutfarben. Die Röhren sind weißlich bis ockerfarben, dunkeln im Alter und wölben sich dann polsterförmig vor. Der Stiel ist auf hellem Grund rotbräunlich beflockt, färbt auf Druck blaugrünlich bis rötlich, das weiße Fleisch ist im Anschnitt zuerst rötend, verfärbt dann violettgrau bis schwärzlich.

Wie der Name bereits vermuten lässt, ist die Eichenrotkappe ein Eichenbegleiter. Sie gilt als selten, wird als gefährdete Art (RL 3) in Roten Listen geführt und darf daher nicht gesammelt werden. Ich habe in einemEichenwald in der Rhein-Main-Ebene, in denen sie vorkommt, oft über viele Jahre hinweg reichliche, manchmal sogar massenhafte Vorkommen beobachtet.

In Mitteleuropa kommen je nach Artauffassung drei oder fünf Rotkappen vor:

Leccinum aurantiacum = Espenrotkappe
Leccinum piceum = Fichtenrotkappe
Leccinum quercinum = Eichenrotkappe
Leccinum versipelle = Birken- oder Heiderotkappe
Leccinum vulpinum = Fuchs- oder Kiefernrotkappe

Ob Eichen- und Espenrotkappe (Leccinum aurantiacum) eine oder zwei Arten sind, darüber streiten Mykologen seit Jahrzehnten. Ich kann sie jedenfalls ungeachtet ihrer jeweiligen Begleitbäume recht gut auseinanderhalten. So hat die Espenrotkappe jung fast weiße Stielflöckchen, was bei der Eichenrotkappe nicht der Fall ist. Unterschiedliche Auffassungen werden auch bei den Nadelwald-Rotkappen vertreten. Die Fichtenrotkappe (Leccinum piceum) wird von manchen Autoren als gute Art anerkannt, von anderen als Varietät zur Fuchs- oder Kiefernrotkappe (Leccinum vulpinum) gestellt.

Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben, von Dieter Gewalt.
Zuletzt aktualisiert am 21. Januar 2021