Psathyrella prona
Gemeiner Wegrand-Mürbling
Psathyrella prona ist eine häufige Mürblingsart, zumindest da, wo mikroskopierende Pilzfreunde unterwegs sind, die sich auch nicht scheuen, schwierige varietäten- und formenreiche Funde sorgfältig zu untersuchen. Wir haben es also mit einer plastischen Pilzart zu tun, die einige Auffälligkeiten gemeinsam hat: sie lieben Wuchsorte an Wegrändern und haben im Verhältnis zu ihren geringen Hutgrößen ausgesprochen lange Stiele.
Die glockigen Hüte, die kaum einmal flach ausgebreitet sind, messen selten mehr als 1,5 bis 2 mm Durchmesser. Sie sind hygrophan, matt, fast bis zur Mitte gerieft, feucht rötlich grau- bis schwarzbraun, trocken eher ockerbeige. Die bauchigen Lamellen sind ausgebuchtet am Stiel angewachsen, jung weißlich, später durch ausfallendes Sporenpulver dunkler. Die Lamellenschneiden können einen rötlichen Beiton haben. Die schlanken, sehr dünnen Stiele können bis zu 7 cm lang werden und sind vor allem an der Spitze weiß beflockt. Das dünne Fleisch ist blass, Geschmack mild, Geruch unauffällig mehlig. Die Sporenpulverfarbe ist schwarz mit Violettstich.
Mikromerkmale: Die 4-, selten auch 2-sporigen Basidien sind keulig und messen 20 – 40 x 10 – 15 µm, die spindeligen bis flaschenförmigen Cheilozystiden 20 – 60 x 5 – 15 µm. Die Sporen sind elliptisch, glatt, mit Keimporus; Maße 11 – 18 x 5 – 8,5 µm.
Arten der Gattung Psathyrella (Mürblinge, Zärtlinge) sind durch meist zarte, zerbrechliche Fruchtkörper gekennzeichnet, es gibt aber auch einige größere kompaktere Arten wie das Medusenhaupt Psathyrella caput-medusae, den Langstieligen Faserling Psathyrella cotonea, den Baumwoll-Mürbling Psathyrella gossypina, den Fleckenden Faserling Psathyrella maculata, den Weißflockigen Faserling Psathyrella olympiana und den Schokoladenbraunen Mürbling Psathyrella sacchariolens, von denen die meisten inzwischen in andere oder neue Gattungen transferiert worden sind.
Anhang: Fundbericht von Matthias Dondl:
Funddaten: 10.08.2011; MTB 7934-3-4-1, 600 m; Leutstetten, Sonnenberg Süd, Buchenwald, am Straßenrand auf Erde mit Laubstreu; gesellig (3 Fk)
Hut: 2,2-2,5 cm breit, kegelig bis glockig, trocken, glatt, matt, auffallend blass graubraun bis cremegrau, zur Hälfte fein durchscheinend gerieft, hygrophan, vom Scheitel her cremefarben bis cremegrau ausblassend; Velum spärlich, nur jung am Hutrand und am Stiel einige Flocken; Stiel: bis 8 x 0,3 cm, zylindrisch, basal gleichdick und in der Laubstreu verankert, nicht wurzelnd, fein faserig, oben bereift, sonst spärlich mit Velumflocken besetzt, weiß; Lamellen: aufsteigend und breit angewachsen, gedrängt, mittelgrau bis dunkelgrau; Schneiden weißflockig, nicht rötlich unterlegt; Fleisch: cremefarben, im Stiel fast weiß; Geruch: pilzig; Mikromerkmale vom Exsikkat: HDS: Cutis; LS: steril, von utriformen bis subzylindrischen (selten breit fusoiden) Cheilozystiden dominiert (sehr dicht stehend), diese ca. 32-42 x 9-13; Parazystiden unauffällig eingebaut; Pleurozystiden: keine beobachtet; Basidien: 4-sporig, ca. 22-24 x 12-13; mit Schnallen; Lamellentrama fast hyalin; Sporen: lateral schlank ellipsoid, ab und zu mit leichter subapikulärer Depression, frontal am Apex etwas verbreitert (minimal submitraförmig), KP meist abgeschrägt, ca. 1,5-2 breit, minimal abgeplattet, Maße: lateral: 12,6 x 6,6 (11,5-13 x 6,5-7), Q=1,90, frontal: 12,6 x 6,9 (12-13 x 6,5-7,5), Q=1,83; gesamt 11,5-13 x 6,5-7,5 x 6,5-7
Weiterführende Literatur:
- Breitenbach & Kränzlin: Pilze der Schweiz Band 4, Nr. 351
- German J. Krieglsteiner (Hrsg): Die Großpilze Baden-Württembergs Band 5, Seite 636 – 637
- Ewald Gerhard: Der große Pilzführer für unterwegs, Seite 368
- Rudolf Winkler, Gaby Keller: Pilze Mitteleuropas, Seite 500 (10.3.36)