Lactarius aspideus
Blasser Violett-Milchling
Diesen in Mitteleuropa sehr seltenen Milchling zu finden, dürfte für jeden Pilzfreund ein glücklich machendes Erlebnis sein. Deutlich häufiger ist er zum Beispiel in Skandinavien. Er wächst bei Weiden und Erlen, bevorzugt an Gewässer- und Moorrändern. Funde in solchen speziellen ökologischen Nischen dürften in Verbindung mit der für Milchlinge geringen Fruchtkörpergröße Verwechslungen mit anderen violettmilchenden Lactarius-Arten ausschließen. Er wird auch Hellgelber Violettmilchling oder Schildmilchling genannt.
Gemäß Rote Liste gefährdeter Pilze (F. Dämmrich et al. 2016) gilt für Lactarius aspideus der Gefährdungsgrad RL 2 (stark gefährdet), was aufgrund von Trockenlegungen und fortschreitender Klimaerwärmung in Zukunft noch kritischer werden dürfte.
Seine blass gelblichen bis ockergelben, ungezonten, jung flach gewölbten, später abgeflachten bis mittig etwas vertieften Hüte erreichen Durchmesser von 2 bis 5 cm. Sie sind oft auch verbogen, die Huthaut ist feucht schmierig, trocken klebrig, die Hutränder vor allem jung ± eingerollt. Die blass gelben Lamellen sind nahezu gerade bis leicht herablaufend am Stiel angewachsen und geben bei Verletzung Tröpfchen weißlicher Milch ab, die sich allmählich trüb graulila, zuletzt ockerbräunlich verfärbt. Die 3 bis 7 cm langen und 0,5 bis 1,5 cm dicken, oft etwas verbogenen Stiele sind annähernd hutfarben, bei Verletzung und auf Druck ebenfalls violett verfärbend, im Alter hohl werdend. Das relativ dünne, ziemlich brüchige weißliche Fleisch verfärbt sich im Anschnitt lila-violett. Violette Verfärbungen sind, egal wo am Pilz, im Laufe der Zeit rückläufig, Fruchtkörper dann auch zunehmend bräunlicher werdend. Geruch obstig, Geschmack anfangs mild, bald etwas bitter bis schärflich. Rose-Marie Dähncke hat den Geruch als „schwach nach Stachelbeerkompott“ bezeichnet. Das Sporenpulver ist blass cremefarben.
Mikromerkmale:
Basidien zylindrisch bis schwach keulig, 35 - 50 x 8 - 11 µm, vier-, selten auch zweisporig; Sporen breit elliptisch, fast vollständig netzig ornamentiert, 7 - 9,5 x 6 - 7,5 µm; Pleuro- und Cheilozystiden schlank spindelig, 40 - 70 x 7 - 10 µm; Hutdeckschicht aus dünnen, verflochtenen, im oberen Bereich aufgerichteten Hyphen; ohne Schnallen (wie alle Milchlinge).
Für Speisezwecke kommt der Blasse Violett-Milchling wegen seines bitteren Geschmacks nicht in Frage. Ähnlich aber deutlich stärker violett verfärbend ist der ebenfalls seltene Hellgelbe Violett-Milchling Lactarius flavidus, der jedoch auf kalk- und tonhaltigen Böden bei Eichen und Hainbuchen vorkommt. Seine Fruchtkörper sind etwas größer, seine Sporen weniger ornamentiert. Er wird heute von den meisten Autoren nicht mehr als eigene Art anerkannt und als var. flavidus zu Lactarius aspideus gestellt.
Weiterführende Literatur:
- Jacob Heilmann-Clausen, Annemieke Verbeken & Jan Vesterholt: The genus Lactarius, Seite 96 - 97
- German J. Krieglsteiner (Hrsg.): Die Großpilze Baden-Württembergs, Band 2, Seite 363
- Karin Montag: Der Tintling, Heft 56, Pilzportät Nr. 100
- Michael - Hennig - Kreisel: Handbuch für Pilzfreunde Band V, Nr. 14a, Seite 150
- Svengunnar Ryman / Ingmar Holmåsen: Pilze, Seite 559
- Rose-Marie & Sabine Maria Dähncke: 700 Pilze in Farbfotos, Seite 526
- Rudolf Winkler / Gaby Keller: Pilze Mitteleuropas, Seite 758 (15.2.15)
- https://de.wikipedia.org/wiki/Blasser_Violett-Milchling