Helvella crispa

Herbstlorchel

(Scop.) Fr. 1822
Familie: Helvellaceae
© Dieter Gewalt
crispa = kraus, gekräuselt

Auf einem weißen, längs gerippten, vielfach gefurchten oder gekammerten Stiel sitzt ein zipfeliges, lappiges, teils hirnartig gewundenes Hütchen, das wie der Stiel gefärbt sein kann oder auch grau bis beigefarben und an den Rändern nicht mit dem Stiel verwachsen ist. Das Fleisch ist weiß, im Hut zerbrechlich, im Stiel eher knorpelig zäh, ohne besonderen Geruch und Geschmack.

Die Herbstlorchel fällt oft durch abenteuerliche Gestalten auf

Die Herbstlorchel ist in unseren Wäldern ein typischer Wegrandpilz, weit verbreitet und wohl nirgendwo selten. Man findet sie ab Spätsommer bis zu den ersten Frösten. Ähnlich geformte Fruchtkörper bildet die kleinere ebenfalls recht häufige Grubenlorchel (Helvella lacunosa), die aber grau bis schwarz gefärbt ist und ebenfalls gern an Wegrändern wächst. Die unter dem Namen Lorchel bekannten Arten (nicht mit Morcheln zu verwechseln!), stehen in den Gattungen Gyromitra und Helvella.

Die Frage nach der Essbarkeit wird unterschiedlich bewertet. Die meisten Pilzbuchautoren bezeichnen die Herbstlorchel als essbar - unter der Voraussetzung, dass man sie ausreichend erhitzt. Aber das gilt für fast alle Speisepilze. Da die Herbstlorchel kaum Eigengeschmack hat sondern eher wegen ihrer Konsistenz ähnlich dem Judasohr (China-Morchel, Mu-err) in Gerichten verwendet wird, wäre vorheriges Abkochen keine den Geschmackswert beeinträchtigende Vorsichtsmaßnahme. In einem meiner ersten Pilzbücher (Haas - Gossner: Pilze Mitteleuropas 1964) heißt es:

Man darf diesen Pilz trotz seiner zählichen Beschaffenheit als angenehm aromatischen Speisepilz bezeichnen. Besonders solchen Pilzessern wird er willkommen sein, die auf eine Pilzkost Wert legen, an der auch etwas zu beißen ist.”

Bei 123pilze wird dagegen die gesamte Gattung Helvella als giftig oder giftverdächtig eingestuft, was ich für übertrieben und unrealistisch halte.

In Scheibchen geschnitte Stiele der Herbstlorchel: kleine Kunstwerke der Natur

Ich verwende die Stiele gelegentlich in dünne Scheibchen geschnitten und weiß nicht nur ihren festen Biss zu schätzen, sondern auch den optischen Reiz, den ihr spezielles Aussehen einem Mischpilzgericht verleihen.

Ältere Pilzbücher verwenden für die Darstellung von Pilzen Aquarelle, die im Vergleich mit Fotografien oft eine bessere Aussagekraft haben. Hier eine Illustration von Gabriele Gossner (in: Hans Haas - Pilze Mitteleuropas, 1964)

Weiterführende Literatur:

Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben, von Dieter Gewalt.
Zuletzt aktualisiert am 5. Dezember 2020