Cortinarius uliginosus
Kupferroter Moorhautkopf
Anfang August 2025 fand ich im flächenhaften Naturdenkmal „Erlenbruch“ nahe der Gemeinde Karlsbad am nördlichen Schwarzwaldrand etwa zwanzig Exemplare des Kupferroten Moorhautkopfs (Cortinarius uliginosus), eines schlanken, rotbraunhütigen Haarschleierlings mit deutlich rot überfasertem Stiel. In diesem auf 320 mNN gelegenen Gebiet haben wir einen stark sumpfigen, bei Regen überschwemmten Boden. Begleitbäume des Fundes waren Schwarzerlen, Weiden, Zitterpappeln und Hainbuchen. Am Rand des Gebietes wachsen außerdem Fichten. Ich erinnere mich noch deutlich an meine abenteuerliche Ausrüstung in diesem tiefsumpfigen, mückenverseuchten Areal: hohe Gummistiefel, doppelte lange Hose, dicke Jacke mit Kapuze, Mückennetz, Fingerhandschuhe und, um beim Niederknien zum Fotografieren trocken zu bleiben, eine große Plastiktüte! Die Rote Liste Deutschland (2016) führt die Art in der Kategorie V (Vorwarnstufe).
Fruchtkörper schlank. Hut 20-60 mm, anfangs konisch oder glockig, später gewölbt, schließlich ausgebreitet, dann meist mit stumpfem Buckel, feinfaserig, rot- bis kupferbraun, Rand meist eingerollt, im jungen Zustand von rotem Velum überfasert. Lamellen jung nicht sehr hell gelb bis zitrin, dichtstehend, stark mit Lamelletten untermischt, nicht gegabelt. Stiel lang zylindrisch, alt oft teilweise hohl, gelblich, vom roten Velum fast gänzlich überfasert oder umgürtet. Fleisch lamellenfarben, in der Stielbasis dunkler. Geruch unauffällig.
Mikromerkmale: Sporen ellipsoid, warzig, 7,3 – 9,5 x 4,7 – 5,7 µm (21 Sporen gemessen)
Makrochemische Farbreaktionen: Dermocyben wie unser Cortinarius uliginosus zeichnen sich durch sogenannte Anthrachinon-Farbstoffe aus. Diese sind unlöslich in Wasser, jedoch löslich in Ethylalkohol. Drückt man einen Fruchtkörper zwischen zwei mit Spiritus getränkte Papiertaschentücher, ergeben sich arttypische Farbabdrücke für Hutoberfläche, Stieloberfläche, Lamellen und Fleisch. Setzt man diese Farbabdrücke anschließend Ammoniakdämpfen aus, ergeben sich Farbumschläge, auch wiederum charakteristisch für jede Art. Der Abdruck mit Spiritus sowie der Umschlag mit Ammoniak-Dämpfen ergeben für Cortinarius uliginosus folgende Farben:
Hutoberfläche leuchtend orange => dunkel purpurviolett
Lamellen kräftig rotorange bis ziegelorange => dunkel purpurviolett
Stieloberfläche orangebraun => dunkel purpurviolett
Fleisch hellorange, gelborange => dunkel purpurviolett
Die Anthrachinon-Farbstoffe können, zusätzlich zu den anderen Merkmalen, zur Artabgrenung innerhalb der Sektion Dermocybe herangezogen werden („Anthrachinon-Profile“).
Der Kupferrote Moorhautkopf geht eine Symbiose überwiegend mit Weiden, aber auch mit Erlen und Rotbuchen ein und wächst auf lehmigen, zeitweise überschwemmten Böden in Moor- und Sumpfgebieten, gern zwischen Torfmoosen. Erstaunlicherweise ist er auf nahezu allen deutschen Nordseeinseln verbreitet. In Skandinavien, wo die Hautköpfe besonders stark verbreitet sind, werden sie auch zum Färben von Wolle benutzt.
Die Hautköpfe (Untergattung Dermocybe) werden aktuell, d. h. aus Sicht der „modernen Skandinavier“ (Brandrud, Melot, Niskanen, etc.), aber auch aus molekulargenetischer Sicht, der Untergattung Cortinarius innerhalb der Großgattung Cortinarius zugeordnet. Unter den Hautköpfen sind keine essbaren Arten bekannt, einige sind tödlich (!) giftig.
Weiterführende Literatur:
- T. E. Brandrud et al. Flora Photographica I – V, D49, D50
- Breitenbach & Kränzlin: Pilze der Schweiz Band 5 , Nr. 166
- German J. Krieglsteiner, Andreas Gminder (Hrsg): Die Großpilze Baden-Württembergs Band 5, Seite 28 - 29
- Rudolf Winkler, Gaby Keller: Pilze Mitteleuropas, Seite 660 (14.2.13)
- M. Moser: Die Gattung Dermocybe, Schweizerische Zeitschrift f. Pilzkunde Nr.52, Seite 97 – 107
- K. Tegler: Leitfaden zum Färben von Pilzen (DGfM – Deutsche Ges. f. Mykologie e.V.)