Boletus rhodopurpureus
Purpur-Röhrling
Der Purpur-Röhrling ist ein in Deutschland äußerst selten vorkommender Pilz, der in sehr wärmebegünstigten Lagen unter Laubbäumen wie Eichen und Rotbuchen wächst. Er fruktifiziert relativ früh im Jahr, etwa von Mai bis August. Vor Ort ist die Art oft mit dem Falschen Satansröhrling Boletus (Imperator) legaliae, dem Schwarzhütigen Steinpilz Boletus aereus und dem Blauenden Königsröhrling Boletus (Butyriboletus) pseudoregius vergesellschaftet. Die Rote Liste (2016) führt ihn in der Kategorie R (äußerst gefährdet).
Makromerkmale:
Fruchtkörper klobig, dickfleischig, „schwergewichtig“, sehr groß werdend. Hut polsterförmig, bis zu 25 cm im Durchmesser, anfangs kugelig oder halbkugelig, später gewölbt, schließlich flach gewölbt. Huthaut nicht abziehbar, bei feuchtem Wetter leicht klebrig, trocken matt, körnig, runzelig und bisweilen leicht grubig, anfangs rosa, später rot bis dunkel purpurrot. Bisweilen erscheinen die Fruchtkörper gänzlich hellgelb mit rosa Flecken in der Mitte (forma xanthopurpureus) und fruktifizieren auch in unmittelbarer Nähe der typischen Formen. Hutrand unregelmäßig, dick und über das Hymenophor hinausragend. Röhren 7 – 12 mm lang, fein, gedrängt stehend und angewachsen, gelb, beim Anschnitt rasch dunkelblau verfärbend. Poren fein, von Anfang an orangerot bis blutrot, sich bei Druck intensiv und rasch dunkelblau verfärbernd. Stiel 6 – 90 x 3,5 – 6 (8) cm, sehr kräftig, gedrungen, bei jungen Exemplaren übertrifft der Stieldurchmesser bisweilen den des Hutes, gelb, orange bis rot, bei Berührung oder Druck dunkelblau verfärbend; mit nicht sehr deutlichem, rotem Netzmuster, das auf den oberen Stielteil beschränkt ist. Fleisch fest, sehr dick, im Anschnitt leuchtend gelb, sich jedoch rasch gleichmäßig dunkelblau verfärbend. Geschmack leicht säuerlich, Geruch schwach.
Mikromerkmale:
Sporen 11,8 – 13,6 x 5,1 – 5,7 µm, Mittelwert = 12,5 x 5,2 µm, Q = 2,3 – 2,7, mittleres Volumen = 140 µm³; spindelförmig bis elliptisch, glatt, dickwandig, mit Tröpfchen. Sporenabwurf olivbraun. Basidien 25 – 35 x 8 – 10 µm, keulig, viersporig, Septen ohne Schnallen. Zystiden 35 – 55 x 6,5 – 11 µm, spindelförmig, mit aufgesetztem Spitzchen (mucronat), guttuliert. Caulozystiden 35 – 60 x 8,5 – 15 µm, spindelförmig, amphorenförmig. Huthaut (Pileipellis) ein Trichoderm aus verflochtenen, zylindrischen, septierten Hyphen ohne Schnallen, Endzellen aufrecht, lang zylindrisch, mit abgerundeter oder leicht keuliger Spitze, 36 – 60 × 3,5 – 6,5 µm.
Abgrenzung zu Boletus (Imperator) luteocupreus = Gelbhütiger Purpur-Röhrling:
Gemäß Uwe Winkler zeigt Boletus luteocupreus meist deutliche Gelbtöne im Hut und ein wesentlich deutlicheres, oft tiefrotes Stielnetz . Bei Boletus rhodopurpureus fällt das Netz undeutlicher bzw. feiner aus. Beide Arten blauen extrem stark. Jung sind die Röhren karminrot - und speziell bei B. luteocupreus immer noch etwas dunkler als bei B. rhodopurpureus, der außerdem dazu neigt, gelbe Poren zu bekommen. Seine Hutoberfläche ist rauer bzw. uneben, während B. luteocupreus einen eher glatten Hut besitzt.
Abgrenzung zu Boletus (Imperator) torosus = Ochsenröhrling:
Boletus torosus unterscheidet sich von B. rhodopurpureus vor allem durch lange gelb bleibende Poren. Außerdem ist sein Hut zunächst meist gold- bis ockergelb oder leicht grünlich getönt, dabei oft recht hell und blass. Bald wird er rötlich fleckig und durch äußere Einflüsse schwarzblau. Durch ein Zusammenspiel all dieser Töne kann er auch bunt aussehen. Bald wird er jedoch „schmutzig“.
Weiterführende Literatur:
- Dämmrich et al.: Rote Liste der Großpilze und vorläufige Gesamtartenliste der Ständer- und Schlauchpilze (Basidiomycota und Ascomycota) Deutschlands, Seite 52
- Kibby, G.: British Boletes, Seite 20 & Fig. 44
- Klofac, W. & Krisai-Greilhuber, I: Schlüssel Boletales mir röhrigem Hymenophor, Seite 194 - 197
- Lässöe, T. & Petersen, J.: Fungi of Temperate Europe, Volume 1, Seite 778 & 807
- Miksik, M. et al.: European Boletes, Volume 1, Seite 262 - 281
- Munos, J.A.: Boletus s.l. Fungi Europaei Vol 2: Seite 390 - 398 & Tabla 11, Tabla 12
- Noordeloos ME: Imperator rhodopurpureus, Flora Agaricina Neerlandica, Volume 7: Seite 112 - 113
- Breitenbach & Kränzlin: Pilze der Schweiz, Band 3, Nr 18
- German J. Krieglsteiner (Hrsg.): Die Großpilze Baden-Württembergs, Band 2, Seite 219 – 221
- Ewald Gerhardt: Der große BLV Pilzführer für ungterwegs, Seite 470
- Rudolf Winkler / Gaby Keller: Pilze Mitteleuropas, Seite 162, (3.2.32)
- https://de.wikipedia.org/wiki/Imperator_(Pilze)
- https://de.wikipedia.org/wiki/Blaufleckender_Purpur-R%C3%B6hrling