Agaricus urinascens

Großsporiger Riesenchampignon

(Jul. Schäff. & F.H. Møller) Singer 1951
Familie:
© Bernd Miggel
Synonym: Agaricus macrosporus
urinascens = Uringeruch entwickelnd

Dies ist nicht nur der größte aller Champignons sondern auch der mit den größten Sporen! Gefunden habe ich dieses allein stehende Prachtexemplar im September 2026 während einer Kartierungsexkursion im Naturschutzgebiet „Mistwiesen“ im nördlichen Schwarzwald auf einer vertrockneten Wiese nach dem trockensten und heißesten Sommer in Europa seit Beginn der Wetteraufzeichungen. Die Rote Liste gefährdeter Großpilze Deutschlands führt den Großsporigen Riesenchampignon in der Kategorie G (Gefährdung unbekannten Ausmaßes).

Unser Fundstück hatte einen Hutdurchmesser von 18 cm und war damit gemessen an den möglichen Höchstwerten ein Zwerg. Dieser Champignon kann 35, selten sogar bis zu 50 cm Hutdurchmesser erreichen. Unser Exemplar hatte einen flach ausgebreiteten Hut mit flachem Buckel und eingerolltem Rand, war weißlich und eingewachsen schuppig. Die dichtstehenden braunen Lamellen hatten hellere glatte Schneiden und reichten nicht bis zum Stiel. Dieser war stämmig, leicht keulenförmig, enghohl, mit 12 cm Länge kürzer als der Hutdurchmesser und 4 cm dick. Stiele können aber durchaus bis zu 18 cm lang und 5 cm dick werden. Oberhalb des Rings sind sie glatt, unterhalb schuppig. Der derbe hängende Ring hat eine glatte Ober- und eine zahnradartig gefranste Unterseite. Das Fleisch war weiß, weder gilbend noch rötend, im Schnitt bräunend. Der Geruch des gefundenen Pilzes wurde von den Teilnehmern an der Exkursion mit angenehm bis unangenehm recht unterschied beurteilt (urinanscens = Uringeruch entwickelnd!). Junge Exemplare sollen angenehm anisartig riechen.
Mit KOH 20% zeigte sich auf der oberen Stielhälfte eine sehr schwache gelbliche Reaktion. Die Schäffer’sche Kreuzreaktion verlief negativ, kann lt. Literatur aber auch positiv ausfallen.

Sporen

Mikroskopische Merkmale:
Basidien keulig, 4-sporig. Sporen braun, zylindrisch, oval oder mandelförmig, glatt, dickwandig, ohne apikale Verdünnung; nach eigener Messung auf Basis von 24 repräsentativen Sporen 9 - 11 x 6 - 6,8 µm, Schlankheitsgrad Q 155 - 1,62, Volumen 200 - 220 µm³.

Verwechslungsmöglichkeiten mit Champignonarten mit mehr als 20 cm Hutdurchmesser:
Der Riesenchampignon Agaricus augustus unterscheidet sich schon durch seinen braunschuppigen Hut. Auch sind die Sporen im Mittel mit 8 x 5 µm kleiner.
Der Große Anischampignon Agaricus macrocarpus besitzt zwar ebenfalls eine weiße Hutoberfläche, die allerdings nicht grob schuppig sondern seidig matt ist und auf Druck chromgelb verfärbt. Er riecht zudem deutlich anisartig, und seine Sporen sind kleiner.

Der Großsporige Riesenchampignon wie auch die beiden genannten verwechselbaren Arten sind essbar.

Weiterführende Literatur:

  • Breitenbach & Kränzlin: Pilze der Schweiz, Band 4, Nr. 183
  • Marcel Bon: Pareys Buch der Pilze, Seite 278 - 279
  • Ewald Gerhardt: Der große BLV-Pilzführer für unterwegs, Seite 68
  • German J. Krieglsteiner & Andreas Gminder (Hrsg.): Die Großpilze Baden-Württembergs, Band 5, Seite 528 – 529
  • Erhard Ludwig: Pilzkompendium Band 2, Nr. 99.44
  • Rudolf Winkler / Gaby Keller: Pilze Mitteleuropas, Seite 448, (9.1.36)
Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben, von Bernd Miggel.
Zuletzt aktualisiert am 20. September 2026