Tricholoma basirubens
Rosafüßiger Erdritterling
Vorwort:
Unsere Pilzporträts richten sich an alle, die Interesse an Pilzen und am Sammeln haben und sind deshalb allgemeinverständlich formuliert. Die Mykologie befasst sich allerdings auch mit wissenschaftlicher Erforschung und Klärung komplizierterer Zusammenhänge, die für den Amateur nicht immer verständlich und auch nicht von praktischem Nutzen sind. Solche Fundkorb-Beiträge sind mit diesem Vorwort gekennzeichnet.
Beim Rosafüßigen Erdritterling (Tricholoma basirubens) handelt es sich um einen seltenen, mittelgroßer Ritterling mit grau bis schwarz beschupptem Hut, weißem, grau befasertem Stiel und rötender Stielbasis. Eine Art thermophiler Laubwälder, die eine Mykorrhiza mit Rotbuchen und Eichen eingeht und dabei Kalkböden bevorzugt. In der Roten Liste der Großpilze Deutschlands (2016) findet man ihn unter Tricholoma orirubens var. basirubens in der Gefährdungskategorie D (Daten unzureichend).
Merkmalbeschreibung z.T. in Anlehnung an CHRISTENSEN et al. 2013
Makroskopische Merkmale:
Hut bis 9 cm, in Ausnahmefällen bis 12 cm breit, anfangs konvex, später flach ausgebreitet, gerne mit gewelltem Rand; Oberfläche jung filzig, bald in bräunliche bis schwarze Schuppen aufreißend, die zum Rand hin spärlicher und undeutlicher ausfallen; äußerster Rand glatt bis filzig. Lamellen weiß bis grauweiß, niemals rötend, ausgebuchtet angewachsen, stark mit Lamelletten untermischt, nicht gegabelt; Schneide gleichfarben und glatt. Stiel zylindrisch bis keulig, weiß bis blass grau, fein graubraun bis grau gepunktet, beschuppt oder befasert; Basis bei vielen Exemplaren grell rosa gefleckt; Basalmyzel weiß. Fleisch weiß bis graulich; Geruch und Geschmack nach Mehl (geschnittener Gurke).
Mikroskopische Merkmale:
Sporen breit ellipsoid, dünnwandig, glatt. Populationsgrenzen (die angegebenen Intervalle geben den statistisch geschätzten Streubereich der Sporenpopulation an): Lpg x Bpg = 4.6 - 7.6 x 3.2 - 6.0 µm, Qpg = 1.0 - 1.8. Mittelwerte: Lmw x Bmw = 5,5 - 6,5 x 3,9 - 5,2 µm, Qmw = 1,26 - 1,52.
Verwandtschaftliche Beziehungen:
Tricholoma basirubens gehört zur Sektion Atrosquamosa, deren Mitglieder sich durch folgende Eigenschaften charakterisieren lassen: Hut grau bis nahezu schwarz, dicht schuppig; Fleisch im Schnitt entweder nach Mehl (geschnittene Gurke) oder wie gemahlener schwarzer Pfeffer (geschnittenes Haselwurz-Rhizom) riechend.
Die Sektion gliedert sich in folgende fünf Arten: Tricholoma atrosquamosum, Tricholoma basirubens, Tricholoma olivaceotinctum, Tricholoma orirubens und Tricholoma squarrulosum. Die DNA-Analyse ergibt das folgende Phylogramm:
Um den Grad der Verwandtschaft zwischen zwei beliebigen Arten aus obiger Grafik zu ermitteln, addiere man die Längen der waagerechten Äste auf ihrem direkten Weg von der einen zur anderen Art. Je kürzer der Summenwert, desto stärker verwandt sind die Arten miteinander und umgekehrt.
Abgrenzungen:
Die Mittelwerte (die angegebenen Intervalle geben den statistisch geschätzten Bereich an, in dem der tatsächliche Mittelwert der Sporenpopulation liegt) von Länge, Breite und Schlankheitsgrad Lmw, Bmw, Qmw lassen sich zur Artabgrenzung oft besser verwenden als die Populationsgrenzen Lpg, Bpg, Qpg. Dies kommt z.B. auch bei der nachfolgenden Gegenüberstellung zum Tragen, bei der sich die Populationsgrenzen überschneiden würden, so dass eine saubere Abgrenzung auf Grund der Populationsgrenzen der Sporenmaße nicht möglich wäre.
Rosafüßiger Erdritterling Tricholoma basirubens: Geruch nach Mehl; Stielbasis grell rosa fleckend; Basalmyzel weiß; Sporen Lmw x Bmw 5,5 - 6,5 x 3,9 - 5,2 µm, Qmw 1,26 - 1,52.
Rötender Erdritterling Tricholoma orirubens: Geruch nach Mehl; Stielbasis blaugrün fleckend; Basismyzel gelb; Sporen kleiner als die von T. basirubens: Lmw x Bmw 4,6 - 5,6 x 3,7 - 4,5 µm, Qmw 1,22 - 1,43.
Schwarzschuppiger Erdritterling Tricholoma atrosquamosum: Geruch pfeffrig; Stielbasis ungefleckt; Basalmyzel weiß; Sporen schmaler als die von T. basirubens: Lmw x Bmw 5,0 - 5,8 x 3,5 - 4,1 µm, Qmw 1,33 - 1,65.
Weiterführende Literatur:
- M. Christensen, J. Heilmann-Clausen: The genus Tricholoma. Fungi of Northern Europe, Vol. 4, Seite 140 - 141 R. Galli: Tricolomi: Seite 128 - 129
- R. Galli: Tricolomi: Seite 128 - 129
- A. Gminder & G. Saar: Ergänzungen zur Großpilzflora von Baden-Württemberg, Teil 1: Andreas 19, Seite 209 - 210 & Abb. 8b
- E. Ludwig: Pilzkompendium Band 3, Nr. 123.26C
- A. Riva: Tricholoma (Fr.) Staude, Fungi Europei, Vol. 3, Nr. 23
- Rudolf Winkler / Gaby Keller: Pilze Mitteleuropas, Seite 243 (5.1.62)