Scutellinia trechispora

Sternsporiger Schildborstling

(Berk. & Broome) Lambotte 1887
Familie: Pyrenomataceae
© Dieter Gewalt
trechispora = rausporig
Foto: Dr. Matthias Theiß

Schildborstlinge sind Ascomyzeten in der Familie der Pyrenomataceae, was wörtlich übersetzt „Feuerkissenverwandte“ heißt. Es gibt weltweit etwa 125 Arten, die auf allen Kontinenten verbreitet sind. Sie fruktifizieren auf toten organischen Substraten verschiedenster Art wie Holz oder Humus, in feuchten Wäldern oder auch an schattigen Bach- und Teichufern. Sie erscheinen meist gesellig, oft auch zusammengedrängt, weniger häufig auch einzeln.

12.07.2023, Weißach am Tegernsee (2 Fotos von Christian Weinkötz)

Scutellinia trechispora gehört zu den häufigeren Schildborstlingen, die in allen Bundesländern nachgewiesen sind. Ihre recht kleinen Fruchtkörper sind 0,2 bis 1 cm groß, jung becher-, später flach scheibenförmig. Die Farbskala reicht von orange- bis blutrot, was sehr schön auf den Fotos von Dr. Matthias Theiß und Christian Weinkötz zum Ausdruck kommt. Auffallend sind vor allem die dunklen aufrecht stehenden Randhaare, die bis zu 1,8 mm lang sein können.

Asci mit 8 Sporen - - Sporen (2 Mikrofotos von Christian Weinkötz) - - Carotinoide in den Paraphysen (Foto: Hermine Lotz-Winter)

Die 200 bis 320 µm langen Asci sind 8-sporig, die runden Sporen haben Durchmesser von 16 – 18 µm mit isolierten, konischen und an der Spitze vielfach abgestutzten Stacheln. Diese sind 240 - 1200 µm lang und 20 – 35 µm dick. Die Pigmente der Scutellinia-Arten sind Carotinoide und in den Paraphysen lokalisiert.

Um die ca. 30 in Deutschland nachgewiesenen Scutellinia-Arten sicher unterscheiden und bestimmen zu können, ist neben spezieller Literatur vor allem das Mikroskop unerlässlich. Erläuternde Anmerkung von Hermine Lotz-Winter:

Im Fall von Scutellinia trechispora führt die Merkmalskombination „sehr lange Randhaare und runde Sporen mit isolierten, langen, oben meist abgestutzten Stacheln“ schnell zur Bestimmung. Kleinere morphologische Unterschiede in der Ornamentation der Sporen haben zu der Vermutung geführt, dass es sich um zwei oder drei unterschiedliche Arten handeln könnte. Das konnte in molekularen Studien jedoch bis jetzt nicht bestätigt werden.“

Weitere Scutellina-Arten im Fundkorb sind:
Scutellina crinita = Bewimperter Schildborstling, Sumpfschildborstling
Scutellina scutellata = Gemeiner Schildborstling

Weiterführende Literatur:

  • Angelini P, Bistocchi G, Arcangeli A, Venanzoni R, Rubini A (2022): Molecular phylogenetic assessment of the genus Scutellinia (Pezizales Pyronemataceae). Plant Biosystems 1–11. DOI: 10.1080/11263504.2022.209886
  • Huijser H (2020) The genus Scutellinia (Cooke) Lamb. in the Netherlands. Eigenverlag Henk Huijser
  • Jeannerot B (2019) European key to the genus Scutellinia. Ascomycete.org 11:297–308. DOI:10.25664/ART-0287
  • Michael – Hennig – Kreisel: Handbuch für Pilzfreunde II: Nr. 250 (Seite 397 + 430)
  • Rudolf Winkler / Gaby Keller: Pilze Mitteleuropas, Seite 813 (16.6.12)
  • https://www.mycologen.nl/downloads/Brochure%20Wimperzwam%202020.pdf
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Schildborstlinge
Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben, von Dieter Gewalt.
Zuletzt aktualisiert am 21. Juni 2026