Sarcodontia setosa

Krustenförmiger Stachelbart

(Pers.) Donk 1952
Familie: Familie: Meruliaceae
© Dieter Gewalt
Synonym: Sarcodontia crocea
Synonym: Sarcodontia crocea
Foto: Wikipedia (Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication)

Mit dem Krustenförmigen Stachelbart stellt Fundkorb.de einen ganz besonderen Pilz vor. Zum einen handelt es sich um die weltweit einzige Art der Gattung Sarcodontia. Zum anderen ist sie kinderleicht an ihrem Vorkommen an alten absterbenden Apfelbäumen zu erkennen. Bedauerlicherweise ist sie so selten geworden, dass kaum noch jemand sie zu sehen bekommt. Es ist nicht auszuschließen, dass der Pilz selbst an diesem dramatischen Rückgang beteiligt ist. Als Wundparasit verursacht er eine aggressive Weißfäule, die den Pilzpartner (also den Baum) zum Absterben bringt. Dennoch dürfte der Mensch der entscheidende Verursacher sein, indem er der Natur ihren natürlichen Verlauf verweigert. In Obstbaumplantagen und -gärten werden ältere Apfelbäume entfernt, sobald sie keine lohnenden Erträge mehr liefern und damit wird dem Apfelbaum-Stachelbart, wie der Pilz auch genannt wird, seine Existenzgrundlage entzogen. Wo alte Apfelbäume noch stehen bleiben dürfen, könnte man ihn in Spalten und Höhlungen am Stamm finden. Ich kann mich noch gut erinnern, ihn während der 1980er Jahre mehrfach gesehen zu haben.

Unser Foto zeigt sein typisches Erscheinungsbild auf der Rinde und in einer Stammhöhlung eines alten Apfelbaums. Er gehört jedoch nicht zu den eigentlichen Stachelbärten (Gattung Hericium), wie man aufgrund seines deutschen Namens vermuten könnte. Der Fruchtkörper wächst komplett resupinat und ist mit dicht stehenden bis zu 1,5 cm langen, gelblichen, abwärts gerichteten Stacheln besetzt. Diese sind von wachsartiger Konsistenz und färben sich im Alter weinrötlich bis orangebräunlich.

Mit der Merkmalskombination

gelbliche Stacheln + Vorkommen an alten, absterbenden Apfelbäumen”

ist Sarcodontia setosa so gut wie unverwechselbar. Bemerkenswerte mikroskopische Merkmale sind kleine breitelliptische Sporen mit einem Tropfen und den Maßen 3 – 5 x 2,5 – 4 µm sowie vielgestaltige Sklerozysten in der Trama.

Am ähnlichsten ist der Dickstachelige Schwammporling Spongipellis pachyodon, der vor allen an Eichen, Buchen und anderen Laubbäumen zu finden ist und deutlich abstehende Hutkanten ausbildet. Seine Stacheln können ± abgeplattet sein.

Aus den zuvor genannten Gründen ist der Krustenförmige Stachelbart extrem selten geworden. Ich habe ihn seit mindestens 30 Jahren nicht mehr beobachtet, obwohl er mir zuvor mehrfach im Rhein-Main-Gebiet aufgefallen war. Es wäre also sinnvoll, nach alten absterbenden Apfelbäumen Ausschau zu halten, an denen er ganzjährig vorkommen könnte. Ich bitte alle Fundkorb-Besucher, mich über eventuelle Funde zu informieren (Mail an dgewalt@web.de oder 0176 2295 3310)

Weiterführende Literatur:

  • Breitenbach & Kränzlin: Pilze der Schweiz, Band 2, Nr. 179
  • German J. Krieglsteiner (Hrsg.): Die Großpilze Baden-Württembergs, Band 1, Seite 310 – 311
  • Rudolf Winkler / Gaby Keller: Pilze Mitteleuropas, Seite 77, (1.3.42)
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Streuobstwiese
Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben, von Dieter Gewalt.
Zuletzt aktualisiert am 12. Juni 2026