Omphalotus olearius

Leuchtender Ölbaumpilz

(DC.) Singer 1948
Familie: Omphalotaceae
© Dieter Gewalt
olearius = zum Ölbaum gehörend
02.10.2003 TK 5915.1.2 Wiesbaden, Park „Unter den Eichen“, am Stammgrund und an Stümpfen von Quercus

In den Mittelmeerländern ist der wärmeliebende Ölbaumpilz eine häufige Art, könnte sich aber auch bei uns aufgrund der Klimaerwärmung bald weiter ausbreiten. Vorerst darf jedoch ein Fund dieses prächtigen Exoten in Deutschland noch als mykologisches Highlight gewertet werden. Die meisten Pilzfreunde haben ihn noch nie zu Gesicht bekommen und auch ich habe Jahrzehnte warten müssen, bis er mir von Thomas Lehr an einem ganz besonderen Standort gezeigt wurde. Es handelt sich um das Parkgelände “Unter den Eichen” im wärmebegünstigten Wiesbaden, in dem auch seltene Dickröhrlinge und der Kaiserling vorkommen. Wie der Name schon verrät, ist der Hauptwirt unseres Pilzes der Ölbaum, an dem er meist dichtgedrängt in vielhütigen Büscheln erscheint. In Mitteleuropa wird er vor allem an Eichen gefunden, ist aber auch von Kastanie, Apfel, Buche u. a. berichtet worden. Da wir den Pilz nur bei Tageslicht gesehen haben, konnten wir eine seiner bemerkenswertesten Eigenschaften leider nicht beobachten. Omphalotus olearius soll bei Dunkelheit leuchten – ein Phänomen, das als Bioluminiszenz bekannt ist.

Bioluminiszenz - der Ölbaumpilz leuchtet im Dunklen (Foto links: Wikipedia)

Wer das Glück hat, den Ölbaumpilz einmal zu finden, sollte nicht nur aus Artenschutzgründen die Finger von ihm lassen. Er ist giftig; sein Wirkstoff Illudin verursacht Übelkeit mit Erbrechen und andere Nebenwirkungen. Todesfälle sind nicht bekannt. Dass er, wie in manchen Pilzbüchern zu lesen, mit dem Pfifferling verwechselt werden könnte, halte ich kaum für nachvollziehbar, aber bei Leuten, die Champignons nicht von Knollenblätterpilzen unterscheiden können, muss man wohl mit allem rechnen.

Der Ölbaumpilz wechselte schon mehrmals seine Familienzugehörigkeit. Er wurde den Trichterlingen und Seitlingen zugeordnet, manche Mykologen wollten ihn zu den Ritterlingen und sogar schon zu den Kremplingen und damit in die Nähe der Röhrlinge stellen. Laut Index fungorum steht er zur Zeit in der Familie Omphalotaceae.

Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben, von Dieter Gewalt.
Zuletzt aktualisiert am 3. Oktober 2021