Mycena fagetorum

Buchen-Helmling

(Fr.) Gillet 1876
Familie: Mycenaceae
© Dieter Gewalt
fagetorum = in Buchenwäldern
Alle Fotos von Matthias Dondl

Gefunden wurde diese nur lückig in Deutschland verbreitete Art im Alpenvorland bei Taubenberg (Landkreis Miesbach) unter Buchen und Fichten. Hunderte Fruchtkörper wuchsen hier in der Laub- und Nadelstreu, die meisten auf Buchenblättern. Leider wird der Buchenhelmling in der gängigen Literatur kaum erwähnt und Informationen sind oft widersprüchlich. An der Schönheit der Helmlinge kann man sich erfreuen, ihre Bestimmung kann sich mitunter schwierig gestalten.

Mikrofoto rechts: Sporen in Kongorot

Die graubräunlichen, jung stumpf kegeligen, später abgeflachten aufhellenden Hüte erreichen Durchmesser von 1 - 3 cm. Sie sind auffallend bis fast zur dunkleren Mitte gestreift, wobei die Streifen das Muster der Lamellen abbilden. Die meist blass rosafarbenen, seltener graubräunlichen, schmalen Lamellen sind mit einem Zähnchen am Stiel angewachsen, das sich im Alter halsbandartig ablöst. Ein markantes Merkmal sind die Stiele, die oft (aber nicht immer!) an ihrer Basis knieartig geknickt sind und dem Pilz zu dem daher auch irreführenden Namen „Geknickter Helmling“ verholfen haben. Die Stielbasis kann weißstriegelig bekleidet sein. Das extrem dünne Fleisch ist geruchlos oder leicht mehlig bis rettichartig. Das Sporenpulver ist weiß.

Mikromerkmale: siehe Anhang

Mycena fagetorum muss als seltene Art gelten, die bevorzugt auf faulenden Buchenblättern wächst und dann oft sogar in größerer Anzahl erscheint. Erscheinungszeit ist September bis Dezember, die Art ist aber auch schon im Mai gefunden worden.


Anhang: Beschreibung des abgebildeten Fundes von Matthias Dondl

Mit Gröger geschlüsselt. Im Feld besteht Verwechslungsgefahr mit M. flavescens, die aber viel stärker nach Radi riecht und auch im Habitus etwas anders ist. Mikroskopisch sind die sehr schlanken Sporen sehr auffällig. Funddaten: 08.10.2008; MTB 8136-3-4-2, 740 m, Warngau, Taubenberg, Steingraben; unter großer Buche und Fichte, auf gemischter Laub- und Nadelstreu, vor allem im Buchenlaub, aber auch auf Nadeln und Reisig wurzelnd; gesellig (Hunderte!); vergesellschaftet mit Mycena zephirus; Hut: bis gut 3 cm breit, konvex, schwach bebuckelt, bis zum Scheitel durchscheinend gerieft und etwas rillig, leicht schmierig, am Scheitel olivgrau, zum Rand hin heller cremefarben, hygrophan (werden beim Trocknen kalkweiß); Stiel: bis 5 x 0,25 cm, glatt, etwas glasig und schwach durchscheinend quergenattert, hellgrau, zur Basis hin etwas dunkler grau, fein weißlich bereift bis beflockt; Lamellen: ausgebuchtet angewachsen und mit Zahn herablaufend, mäßig gedrängt bis entfernt (ca. 22 erreichen den Stiel), am Grund queraderig, grauweißlich, Schneiden glatt und gleichfarben (nie gelb!); Fleisch: wässerig grau; Geruch: deutlich nach Radi; Lamellentrama: deutlich dextrinoid (violettbraun in Melzer); Stielrinde: Zellen schmal, am Rand meist mit igeligen Verzweigungen und bisweilen auch größeren, zystidenartigen Auswüchsen; Cheilozystiden: meist keulig mit fingrigen, igeligen, lappigen oder auch koralligen Verzweigungen, insgesamt irregulär, polymorph und sehr schwer zu beobachten (auch in Kongo schlecht zu sehen, an der Schneide kaum hervorragend, sondern ins Hymenium eingebettet), Schnallen vorhanden, z.B. 35x20, 27x12, 30x10, 28x10, 24x8; Pleurozystiden: keine beobachtet; Kaulozystiden: -; HDS: Epicutis dünn, aus schmalen, ca. 2-5 µm breiten Hyphen mit starken, geweihförmigen bis koralligen Verzweigungen, Pigment unauffällig; Schnallen vorhanden; Basidien: 4-sporig, z.B. 31x6, 32x7, mit Basalschnallen; Sporen: schwach bis mäßig amyloid, schmal ellipsoid bis subzylindrisch, 8,3 x 3,9 (7-9,5 x 3,5-4,5), Q=2,11 (1,88-2,43), 20 Sp. gemessen; Bestimmung: Schlüssel in Robich und Gröger führen in die Sektion Mycena und dort bleibt nur M. fagetorum. Abweichend zu den Beschreibungen ist der Rettichgeruch

Weiterführende Literatur:

  • Erhard Ludwig: Pilzkompendium Band 3, Nr. 116/103, Seite 744
  • German J. Krieglsteiner (Hrsg.): Die Großpilze Baden-Württembergs, Band 3, Seite 445
  • Rudolf Winkler / Gaby Keller: Pilze Mitteleuropas, Seite 347 (5.20.42)
Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben, von Dieter Gewalt.
Zuletzt aktualisiert am 26. September 2026