Lactarius zonarioides

Montaner Zonenmilchling

Kühner & Romagn. 1953
Familie: Russulaceae
© Bernd Miggel
zonarioides = fast gezont

Vorwort: Unsere Pilzporträts richten sich an alle, die Interesse an Pilzen und am Sammeln haben und sind deshalb allgemeinverständlich formuliert. Die Mykologie befasst sich allerdings auch mit wissenschaftlicher Erforschung und Klärung komplizierterer Zusammenhänge, die für den Amateur nicht immer verständlich und auch nicht von praktischem Nutzen sind. Solche Fundkorb-Beiträge sind mit diesem Vorwort gekennzeichnet.

Im Folgenden wird der Fund einer kleinsporigen Population des Nadelwald-Zonenmilchlings (Lactarius zonarioides) beschrieben.

Fruchtkörper mit typisch rosa Farbeinschlag (Foto: Peter Reil)

Alljährlich findet sich in einem feuchten Kalk-Bergnadelwald bei Dottenweiler im Mittleren Schwarzwald eine kleinsporige Population des Montanen Zonenmilchlings (Lactarius zonarioides) ein, die ich hier beschreiben möchte. Die Population geht hier eine Symbiose mit Fichten und Tannen ein. In der Roten Liste der Großpilzarten Deutschlands (2016) wird Lactarius zonarioides in der Kategorie G (Gefährdung unbekannten Ausmaßes) geführt.

Zwei Exemplare ohne rosa Farbeinschlag (Foto: Bernd Miggel)

Merkmale des Fundes:
Hut gelblich, oft mit charakteristisch rosa Farbeinschlag, bis knapp über 120 mm im Durchmesser, stabil, meist konzentrisch gezont, glatt, schon jung ausgebreitet und mittig leicht vertieft, alt trichterförmig, bei Feuchtigkeit klebrig, Oberfläche eingewachsen filzig. Stiel kurz, fest, zylindrisch, meist cremefarben, mitunter bräunlichgelb oder rotbraun gefleckt. Lamellen blass, bis 6 mm breit, bogenförmig, in Stielnähe oft ungleichmäßig gekräuselt-gewellt, nur wenig gegabelt, vom Rand her stark mit Lamelletten untermischt, Schneide glatt, gleichfarben mit der Fläche. Fleisch weiß, im Stiel voll, Milch weiß, unverändert, Geruch fruchtig, Geschmack von Fleisch und Milch scharf.

2 Fotos von Bernd Miggel - Abbildung rechts: KOH-Reaktion auf dem Stielfleisch (links) und der Oberfläche (rechts)
Gekräuselte (links) und stark untermischte Lamellen am Hutrand (rechts) -- 2 Fotos von Bernd Miggel

Hymenialzystiden (nach Peter Reil):
Zystiden SV-positiv, spindelförmig, schmal, oft verbogen, nach oben zugespitzt, oft mit ein oder zwei aufgesetzten Köpfchen, Pleurozystiden sehr zahlreich, 38 - 53 x 5 - 7,5 µm, Makrozystiden vorhanden, besonders am Lamellengrund, 72 - 91 x 5 - 7,5 µm. Lamellenschneide steril. Basidien 2- und 4-sporig.

Hymenialschicht mit 2- und 4-sporigen Basidien, Präparat in NH3-Kongorot. Foto: Bernd Miggel

Sporen breitellipsoid, warzig-gratig-teilnetzig; Ornamentation bin 0,7 µm hoch und stark amyloid; Hilarfleck nicht amyloid.
Bei einer Stichprobe von 30 repräsentativen Sporen ergaben sich:
Populationsgrenzen (die angegebenen Intervalle geben den statistisch geschätzten Streubereich der Sporenpopulation an) von Länge und Breite: Lpg x Bpg = 6,6 - 8,6 x 5,7 - 7,4 µm.
Mittelwerte (die angegebenen Intervalle geben den statistisch geschätzten Bereich an, in dem der tatsächliche Mittelwert der Sporenpopulation liegt) von Länge und Breite: Lmw x Bmw = 7,4 - 7,8 x 6,4 - 6,7 µm, vom Schlankheitsgrad: Qmw = 1,14 - 1,18, vom Volumen: Vmw = 160 - 185 µm³.

Sporen in Melzers Reagenz, Abb. links: Hilarfleck nicht amyloid (2 Mikrofotos: Bernd Miggel)

REM-Scans zeigen die Sporen-Ornamentation wesentlich deutlicher:

REM-Scans von fünf Sporen (2 Fotos von Stefan Diller)

Die Huthaut ist eine Ixokutis, wobei die obersten ca. 100 µm sich als stark gelatinös mit lockerer Hyphenstruktur zeigen. Die darunter liegende Hyphenschicht ist dichter und weniger stark verschleimt:

14 - 20 µm dicker Querschnitt der Huthaut, gefärbt in H2O-Kongorot. Foto: Bernd Miggel

Systematik:
Nach HEILMAN-CLAUSEN et al. 1998 gehört die hier beschriebene Population innerhalb der Gattung Lactarius in die Sektion Zonarii, Subsektion Zonarii, deren Arten durch folgende Merkmale charakterisiert sind: Hut mittelgroß bis groß, klebrig bis schleimig, konzentrisch gezont, mit mehr oder weniger gelblichen Farben. Stiel oft grubig. Milch unverändert weiß. Sporen warzig-gratig, Kalkboden.

Unterschiede des hier beschriebenen Fundes zu den anderen Arten der Subsektion Zonarii:
Der in der Literatur beschriebene Lactarius zonarioides (Bergnadelwald-Zonenmilchling) ist in der Morphologie und im Habitat quasi identisch, besitzt jedoch deulich größere Sporen. Er wächst ebenfalls im Nadelwald (Fichten, Tannen).
Lactarius zonarius (Zonen-Milchling): Seine Sporen sind zwar vergleichbar klein, jedoch besitzt seine Hutfarbe keinen rosa Farbeinschlag. Außerdem wächst er im Laubwald (Eichen).
Lactarius acerrimus (Queradriger Milchling): Hutfarbe gelb, nie mit rosa Farbeinschlag, Lamellen meist stark queradrig verbunden, oft ungleichmäßig stark gewellt, Basidien 2-sporig, Sporen wesentlich größer, Laubwald (Eichen).
Lactarius evosmus (Blasser Zonenmilchling): Hutfarbe gelb, selten auch mit leicht rosalichen Tönen, Sporen vergleichbar groß, Laubwald (Eichen, Pappeln).

DNA: Die hier beschriebene Population wurde zweimal sequenziert, und zwar wurde die sogen. ITS-Region (ITS = Internal Transcribed Spaces) untersucht. Hier die zugehörigen Zugriffsnummern:
UDB07672811_TUF140518 (Fund von 2021)
UDB07685122_TUF143817 (Fund von 2025)
Beide Sequenzen lieferten im Datenbankvergleich (NCBI GenBank und UNITE) eine Basen-Übereinstimmung (Identity) von 99,5% mit Lactarius zonarioides und 98% mit Lactarius zonarius.
Aus „DNA-Sicht“ weisen die oben angegebenen 99,5% unseren Fund eindeutig als Lactarius zonarioides aus, während die 98% für eine enge Verwandtschaft mit Lactarius zonarius sprechen.

Weiterführende Literatur:

  • BASSO, T. (1999): Lactarius Pers.: 358 - 370
  • GRÖGER, F. (2014): Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa, Teil 2: 472
  • HEILMAN-CLAUSEN J. et al. (1998): The Genus Lactarius: 130 - 133
  • Kränzlin, F. (2005): Pilze der Schweiz, Band 6 Russulaceae
Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben, von Bernd Miggel.
Zuletzt aktualisiert am 1. Oktober 2026