Geoglossum fallax

Täuschende Erdzunge

E.J. Durand 1908
Familie: Geoglossaceae
© Dieter Gewalt & Bernd Miggel
fallax = täuschend

Erdzungen der Gattung Geoglossum sind anhand ihrer Form, ihrer holzigen Konsistenz und schwarzen Farbe leicht zu erkennen, die einzelnen Arten sicher zu unterscheiden ist dagegen (fast) nur mikroskopisch möglich. Es handelt sich um ziemlich seltene Pilze, die zu den Ascomyzeten gehören und ihre Sporen in sogenannten Schläuchen (Asci) bilden. Sie bevorzugen offene Standorte wie flach gehaltene moosige Grasflächen oder Heidelandschaften, auf denen sie dann allerdings in sehr großer Anzahl erscheinen können. Es soll auch vorkommen, dass nahe beieinander oder miteinander vermischt mehr als nur eine Art gefunden wird.

Bei der Täuschenden Erdzunge können vor allem Mikromerkmale irreführend sein. So variieren zum Beispiel Sporenmaße und Anzahl der Septen abhängig vom Alter der Fruchtkörper in extrem weiter Bandbreite. Die Sporen können 40 x 4 µm, aber auch 110 x 6 µm messen, sie können 1 - 2 mal oder gar nicht, aber auch 13-fach septiert sein und somit unterschiedliche Arten “vortäuschen”, was schon manchen mikroskopierenden Pilzkenner zur Verzweiflung gebracht haben mag. Dabei kann gerade die Täuschende Erdzunge ein Merkmal besitzen, an dem sie schon mit bloßem Auge zu erkennen ist: die Stiele sind mit feinen, spitzen Wärzchen besetzt (auf der nachfolgenden Abbildung gut zu erkennen). Diese Bekleidung kann allerdings so schwach ausgeprägt sein, dass sie leicht zu übersehen ist oder bei älteren Fruchtkörpern fehlt.

Drei der höchst unterschiedlich geformten Fruchtkörper haben eine deutlich erkennbare Beschuppung mit feinen Wätzchen am Stiel
Oft können mehrere Fruchtkörper miteinander verwachsen sein (links und rechts im Bild)

Die Täuschende Erdzunge ist in jungem Zustand braun, wird allmählich schwarz und erreicht eine Höhe von bis zu 6 cm. Der Kopfbereich ist der fertile Teil des Fruchtkörpers. Er ist meist flach spatelförmig zusammengedrückt und wird bis zu 5 mm breit. Sind zwei Exemplare miteinander verwachsen, ist der Kopfbereich oft breiter. Der Stiel ist der sterile Teil des Fruchtkörpers.

Mikroskopische Merkmale (alle Mikrofotos von Bernd Miggel):
Die Asci der Täuschenden Erdzunge sind biseriat bis multiseriat, d. h. die Sporen sind zwei- oder mehrreihig im Ascus angeordnet. Bei der Bestimmung kommt es aber vor allem auf die Sporen an: Sie sind bräunlich gefärbt und bis zu 110 µm lang. Außerdem besitzen reife Sporen bis zu 13 Septen. Beim hier untersuchten Fund hatten die Sporen bis zu zehn Septen.

Abb. links: Die reifen Asci sind 8-fach septiert; im unscharfen Hintergrund sind auch unreife ohne oder mit weniger Septen zu vermuten. Präparat in SDS-Kongorot -- Abb. rechts: Einzelspore mit 10 Septen

Die Paraphysen spielen bei allen Erdzungenarten eine entscheidende Rolle. Bei der Täuschenden Erdzunge kommen sehr unterschiedliche Formen vor. So gibt es zylindrische, kopfige, Krückstock-förmige mit Scharnierzelle, abgerundet Hockeyschläger-förmige, Bischofsstab-förmig eingerollte und andere Kopfformen. Es kommt sogar vor, dass ein Fruchtkörper eine bestimmte Form stark bevorzugt. Bei den kopfigen Formen hat die apikale Zelle 5 - 10 µm, der Halsbereich 2 - 4 µm Durchmesser.

Abb. links: Zylinderförmige bis kopfige Paraphysen -- Abb. rechts: eine Krückstock-ähnliche und mehrere gerundete Paraphysen
Zwei Krückstock-ähnliche Formen mit Scharnierzelle sowie eine gerundete Form

Verwechslungsmöglichkeiten:
Grundsätzlich mit allen in Mitteleuropa vorkommenden Erdzungen (lt. Verbreitungsatlas 1993 in Deutschland West 10 nachgewiesene Arten).
Bei der Trockenen Erdzunge Geoglossumm cookeanum sind die Sporen kürzer und besitzen weniger Septen. Nach LEHR haben sie im reifen Zustand fast immer sieben Septen und messen 60-85 x 5,4-6,8 µm. Außerdem besitzen die Paraphysen oft perlschnurartige Zellstränge
Beachtet man lediglich Form und Farbe der Fruchtkörper, sind auch Verwechslungen mit Arten der Gattungen Trichoglossum, Thuemenidium, Microglossum, aber auch mit Holzkeulen (an Totholz wachsend) oder der Zungen-Kernkeule Cordyceps ophioglossoides (auf Hirschtrüffeln parasitierend) möglich.

Funddaten der hier abgebildeten Kollektion:
Am 18. und 21.11.2021 auf kurz gehaltener z. T. moosiger Rasenfläche im Campus Heusenstamm (Landkreis Offenbach) TK 5918.2.4 (leg. Dieter Gewalt, det. Bernd Miggel)

Weiterführende Literatur:

  • BENKERT, D. (1976): Bemerkenswerte Ascomyceten der DDR II. Die Gattungen Geoglossum und Trichoglossum in der DDR. – Myk. Mitt.-Blatt, 20. Jg. 1976, Heft 3: 47-92
  • KASPAREK, F. (1996): Die Täuschende Erdzunge. – Der Tintling Jg. 1996, Heft 3: 17-18
  • KRIEGLSTEINER, GERMAN J. (1993) Verbreitungsatlas der Großpilze Deutschland (West), Band 2: Schlauchpilze
  • LEHR, T. (2005): Pilzfunde vom Flörsheimer Kalksteinbruch II. Geoglossum cookeianum. – Vereinsnachrichten und Informationen über Pilzvorkommen im Rhein-Main-Gebiet 44, 2005: 10-15
  • MONTAG, K. (2010): Die Familie der Erdzungen. – Der Tintling Jg. 2010, Heft 3: 43-54
  • ROOBEEK, K. (2009): Aardtongen in de duinen van Noord-Kennemerland. 2005 T/M 2008
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Erdzungenverwandte
  • https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=42716.msg315054#msg315054
Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben, von Dieter Gewalt & Bernd Miggel.
Zuletzt aktualisiert am 19. Dezember 2021