Cortinarius livido-ochraceus

Langstieliger Schleimfuß

(Berk.) Berk. 1860
Familie: Cortinariaceae
© Bernd Miggel
livido-ochraceus = bleigrau und ockergelb

Während einer Kartierungsexkursion in der „Hesel-, Kohl- und Brandmisse“ bei Oberreichenbach-Würzbach im Nordschwarzwald fanden Liss Hoffmann und ich am 21. Oktober 2023 zwei Fruchtkörper des Langstieligen Schleimfuß Cortinarius livido-ochraceus in seiner typischen Ausbildung: flachkegelige, stark schleimige, olivbraune Hüte mit radialer Randriefung, lange, tief im Boden versenkte, spindelförmige, weiße, stark schleimige Stiele mit apikaler Längsriefung und starkem Geruch nach Kunsthonig an der Stielbasis. Die Pilze wuchsen bei Waldkiefern, in 30 m Entfernung eine Traubeneiche.

Diese in unserer temperaten Klimazone relativ häufige Art liebt saure Böden und geht eine Mykorrhiza sowohl mit Laubbäumen (Eichen, Rotbuchen, Birken) als auch mit Nadelbäumen (Weißtannen, Fichten, Kiefern) ein.

3 Fotos: Liss Hoffmann

Makroskopische Merkmale:
Die Hüte des Langstieligen Schleimfußes können bis 12 cm breit werden. Sie sind bei feuchter Witterung stark schleimig und glänzend und zeigen sich meist in gedeckten, braunen Farben wie graubraun, holzbraun, olivbraun, dunkelbraun, aber auch in freudigeren Farben, wie honigfarben oder ockergelb. Jung konisch, glockig, eichelförmig, entwickeln sich die Hüte in Richtung flach kegelig oder abgeflacht gebuckelt. Die Oberfläche ist anfangs glatt, wird bei älteren Exemplaren deutlich radial gerunzelt-gerieft. Die Lamellen stehen gedrängt, sind anfangs grauweiß, später graubraun und besitzen eine weiße Schneide. Der Stiel ist sehr lang spindelig (bis 15 x 2 cm), meist tief im Boden eingesenkt, feucht stark schleimig, reinweiß und oft vom Velum zart violettlich blau gefärbt. Das Fleisch graulich weiß oder blass ocker, riecht in der Stielbasis stark, ja fast unangenehm nach Kunsthonig und ist mild.

Mikroskopische Merkmale:

Die Sporen der aufgesammelten Pilze waren bräunlich, mehrheitlich im Profil mandelförmig und stark warzig. 20 repräsentative Sporen lieferten folgendes Messergebnis: 11,3 - 13,3 x 7,3 - 8,7 µm; der Schlankheitsgrad Q betrug 1,50 - 1,58.

Schlanke, teilweise inkrustierte Epikutishyphen, gefärbt in Kongorot
20 µm dicker Radialschnitt (Schlittenmikrotom), Tannin-Eisen-Toluidinblau-Färbung

Die Huthaut besteht aus einer stark verschleimten Epikutis, mit 2-5 µm dicken, z.T. inkrustierten Hyphen, und einem darunterliegenden Hypoderm mit bis zu 30 µm dicken Hyphen und tönnchenförmigen Gliedern. Die Hyphen sind ohne Schnallen!

Notizen:
Innerhalb der Großgattung der Haarschleierlinge (Cortinarius) ist die Untergattung der Schleimfüße (Myxacium) duch schleimigen Hut und Stiel oder zumindest schleimigen Stiel gekennzeichnet. Bezüglich der Sporenform gibt es in der Literatur einen Widerspruch: Bei SOOP 2003 wird sie als mandelförmig, bei BRANDRUD 1989/2014 als zitronenförmig angegeben.

Verwechslungsmöglichkeiten mit ähnlichen Schleimfüßen:
Der Honig-Schleimfuß (Cortinarius stillatitius) ist zum Verwechseln ähnlich. Allerdings fehlt ihm die Radialrunzelung des Hutes und die Längsriefung der Stielspitze. Auch sind seine Sporen etwas länger. Der Blaustiel-Schleimfuß (Cortinarius muscigenus) ist ebenfalls sehr ähnlich. Sein Hut ist allerdings mehr rotbraun, und auch ihm fehlen Hut-Runzelung und Stielspitzen-Längsriefung. Weiterhin besitzt er keinen Honiggeruch, und seine Velumhyphen besitzen Schnallen an den Septen.

Weiterführende Literatur:

  • BREITENBACH, J. & KRÄNZLIN F. (2000): Pilze der Schweiz Bd. 5, Blätterpilze 3. Teil, Cortinariaceae: Nr. 281
  • BRANDRUD, T.E. et al. (1989-2014): Cortinarius, Flora Photographica: Nr. A41
  • CALLEDDA, F. et al. (2021): Guida introduttiva al genere Cortinarius in Europa: 262 - 263
  • DÄHNKE, R.M. (1993): 1200 Pilze in Farbfotos: 789
  • KIBBY, G. (2021): Mushrooms and Toadstools of Britain & Europe Vol. 3 : 114 - 115
  • KIBBY, G. & TORTELLI, M. (2021): The genus Cortinarius in Britain: 26
  • KNUDSEN, H. & VESTERHOLT, J. (2008): Funga Nordica: 675
  • KRIEGLSTEINER, G. & GMINDER, A. (2010): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 5. Blätterpilze III: 61 - 62
  • MICHAEL, M., Hennig, B. & Kreisel, H. (1981): Handbuch für Pilzfreunde Band IV: Nr. 148
  • SOOP, K. (2003): Cortinarius in Sweden, ninth revised edition: 69
  • https://www.123pilzsuche-2.de/daten/details/LangstieligeSchleimfuss.htm
  • http://tintling.com/pilzbuch/arten/c/Cortinarius_livido-ochraceus.htm
Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben, von Bernd Miggel.
Zuletzt aktualisiert am 21. November 2023