Boletus subappendiculatus
Nadelwald-Anhängselröhrling
Der Anhängselröhrling Boletus appendiculatus ist traditionell als gut definierte (und auch essbare) in Laub- und Nadelwäldern vorkommende relativ seltene Art anerkannt. Seit 1979 wird die in Nadelwäldern wachsende Form als Boletus (jetzt: Butyriboletus) subappendiculatus abgetrennt. Rote Listen sowohl Österreichs als auch Deutschlands führen die Art in der Kategorie „ungefährdet“. Zur Verwendung als Speisepilz sei an dieser Stelle schon angemerkt, dass beide in Deutschland lt. Bundesartenschutzverordnung nicht gesammelt werden dürfen.
Vorkommen im reinen Nadelwald wären also bereits durch dieses ökologische Merkmal von Boletus appendiculatus unterschieden, der in Laubwäldern auf kalkhaltigen Böden gern als Mykorrhizapartner von Buchen, Eichen oder Kastanien vorkommt. Eines seiner wesentlichen Merkmale ist das sogenannte Anhängsel, eine wurzelartig zugespitzte Verlängerung des Stiels, die bis tief in den Boden eingesenkt sein kann und beim Entnehmen des Fruchtkörpers leicht abbricht. Dieses Anhängsel fehlt dem Nadelwald-Anhängselröhrling, der auch Falscher Anhängselröhrling genannt wird. Gefunden wurden insgesamt 9 Fruchtkörper an 3 unterschiedlichen Standorten, alle in bodensaurem Nadelwald. Eine der Fundstellen lag an einem grob geschotterten Forstwegrand.
Die jung halbkugeligen, später gewölbten und schließlich abgeflachten Hüte erreichen 6 bis 16 cm Durchmesser. Die gelbockerbraune, anfangs fein filzig faserige Oberfläche wird im Alter glatt und matt. Bei den meisten Aufsammlungen reißen ausgewachsene Exemplare im Scheitelbereich fein rissig bis felderig auf. Die 6 – 10 mm langen Röhren sind anfangs am Stiel angewachsen, bei reifen Fruchtkörpern jedoch frei. Die runden Poren sind jung sehr fein und gedrängt, im Alter bis zu 0,5 mm breit, hellgelb bis grünlich gelb, auf Druck nicht oder nur schwach blauend. Der anfangs keulige und zur Basis hin verdickte Stiel wird 6 bis 12 cm lang und im Alter schlanker oder sogar spindelförmig. Seine Farbe ist im oberen Teil leuchtend gelb, zur Basis hin gelbbraun, im oberen Teil mit cremefarbener bis bräunlicher Netzzeichnung. Das im Anschnitt weißliche, nicht blauende Fleisch färbt sich an Madenfraßstellen rötlich-ocker. Geruch und Geschmack unauffällig.
Mikromerkmale:
Basidien zylindrisch bis keulig oder spindelig, 4-sporig; Sporen elliptisch bis spindelförmig, glatt, relativ dickwandig, von Bernd Miggel gemessene Werte eines Beleg-Fruchtkörpers: 10,1 – 13,5 x 3,3 – 4,4 µm (Mittelwert 11,5 – 12,2 x 3,7 – 3,9), Schlankheitsgrad Q: 2,72 – 3,51; Hymenial-Zystiden keulig bis flaschenförmig, dünnwandig, nur vereinzelt gefunden; Kaulozystiden 30 – 60 x 8 - 20 µm, in Büscheln angeordnet; Huthaut: ein Trichoderm aus unregelmäßig verflochtenen, langen, zylindischen, septierten Hyphen; Hyphen ohne Schnallen.
Nicht verfärbendes Fleisch und etwas dunklere Hutfarbe sprechen für Boletus subappendiculatus, was aber z. B. von den meisten Fundmeldern aus dem Schwarzwald nicht anerkannt wird. Lt. Wikipedia kann die Art mikroskopisch durch die längeren und schmaleren Sporen abgegrenzt werden. Hier sind auch zahlreiche (nicht immer eindeutig nachweisbare) makroskopische Unterschiede angeführt.
Der Vergleich der bei Breitenbach & Kränzlin angegebenen Mikromerkmale zeigt ebenfalls nachvollziehbare Unterschiede:
| Anhängselröhrling (Boletus appendiculatus) |
Nadelwald-Anhängselröhrling Boletus subappendiculatus) |
|
|---|---|---|
| Sporen: | 9 – 13,3 x 3,6 – 5,2 µm | 12 – 14,5 – 3,1 – 3,7 |
| Basidien: | 25 – 35 x 7 – 10 µm | 30 – 35 x 10 – 13 µm |
| Zystiden: | keulig, spindelig oder blasig | spindelig |
| 28 – 70 x 10 – 17 µm | 40 – 50 x 7 – 10 µm | |
Ganz und gar nicht scheint die Abbildung bei Breitenbach & Kränzlin mit neueren Beschreibungen übereinzustimmen: die Hutoberfläche ist sehr hell, soll aber lt. Wikipedia und anderen Quellen dunkler sein als bei Boletus appendiculatus, was auch auf die hier beschriebenen Funde in Österreich zutrifft.
Alle Fotos dieser Seite sind, wenn nicht anders angegeben, von Werner Bauer.
Anmerkung zu allen Porträts der Gattung Dickröhrlingsverwandte, die traditionell als Boletus bekannt war:
Sie ist inzwischen in zahreiche neue Gattungen aufgegliedert worden. Wir führen im Fundkorb jedoch alle Arten weiterhin unter dem Titel Boletus, um eine äußerst wertvolle Funktion aufrechtzuerhalten, nämlich das bequeme und praktische Durch-, Vor- und Zurückblättern aller Dickröhrlinge. Selbstverständlich sind die neuen Namen stets im Kopfteil angegeben.
Weiterführende Literatur:
- Breitenbach & Kränzlin: Pilze der Schweiz Band 3, Nr. 24
- G. Kibby: Mushrooms and Toadstools of Britain and Europe Vol. 1, Seite 116 - 117
- W. Klofac & I. Krisai-Greilhuber: Schlüssel Boletales mit röhrigem Hymenophor, Seite 244
- German J. Krieglsteiner (Hrsg.): Die Großpilze Baden-Württembergs, Band 2, Seite 236 (Hinweis unter: Variabilität)
- I. Krisai-Greilhuber & W. Dämon: Die Pilze Österreichs, Verzeichnis und Rote Liste
- M. Miksik et al.: European Boletes, Vol. 1, Seite 158 – 163
- J.A. Munoz et al.: Boletus s.l. Fungi Europaei Vol. 2, Seite 341 - 345
- Rudolf Winkler / Gaby Keller: Pilze Mitteleuropas, Seite 159 (3.2.12)
- https://de.wikipedia.org/wiki/Nadelwald-Anh%C3%A4ngsel-R%C3%B6hrling
- https://boletales.com/genera/boletus/b-appendiculatus/
- https://www.pilzkurse.com/gelber-steinpilz/
- https://www.youtube.com/watch?v=Ver0pk-f7uI