Boletus lupinus

Wolfs-Röhrling

(Fr.) Costanzo, Gelardi, Simonini & Vizzini 2015
Familie: Familie: Boletaceae
© Bernd Miggel
Neuer Name: Rubroboletus lupinus
lupinus = wölfisch, wolfsartig
3 Fotos: Uwe Winkler

Im Herbst 2022 fand Pilzfreund Uwe Winkler in Kroation-Istrien bei Umag eine eindrucksvolle Kollektion des Wolfsröhrlings. Es handelt sich um eine wärmeliebende Art, die in kleinen Gruppen im Spätsommer und Herbst in Laubwäldern vor allem bei Kastanien und Eichen fruktifiziert, vorzugsweise auf basenreichen Böden. Typisch sind mediterrane Standorte. Man findet die Art oft vergesellschaftet mit dem Satans-Röhrling Boletus satanas und dem Netzstieligen Hexenröhrling Boletus luridus. In Deutschland ist ist der Wolfsröhrling extrem selten. Die DGfM-Verbreitungskarte weist gerade mal 8 Fundmeldungen aus.

Der Wolfsröhrling gehört zur neuen, relativ kleinen Gattung der Purpurröhrlinge (Rubroboletus), deren gemeinsame Kennzeichen sich wie folgt beschreiben lassen: rötliche Hutoberfläche, orange-rote bis blutrote Poren, gelbe Röhren, Stieloberfläche oft mit gelben Farbtönen, rosafarbenem bis rotem Netz oder ebenso gefärbten Punkten/Flocken und blauer Fleischverfärbung bei Verletzung. Verwechselt werden könnte er u. a. mit dem etwas häufigeren, meist schlankeren Glattstieligen Hexenröhrling Boletus queletii mit meist dunkleren, ins Bräunliche gehenden Hutfarben. Außerdem ist sein Fleisch in der Stielbasis deutlich weinrot bis purpurfarben und besitzt eine positive Amyloid-Reaktion.

Der Wolfsröhrling gilt als giftverdächtig und sollte aufgrund seiner Seltenheit unbedingt geschont werden.

Foto: Wikipedia - Bernypisa, Boletus lupinus2, CC BY-SA 3.0

Makromerkmale:
Fruchtkörper klobig, dickfleischig, sehr groß werdend. Hut 6 – 20 cm breit, anfangs halbkugelig bis kugelig, lange Zeit gewölbt bleibend und schließlich flach gewölbt bis in der Mitte leicht vertieft. Hutoberfläche jung schwach fein behaart, bei feuchtem Wetter schmierig; Huthaut nicht abziehbar; Farbe von blassrosa bis rosarot. Gelegentlich werden allerdings Formen mit kräftig gelber Hutoberfläche beobachtet. Hutrand anfangs eingerollt und über die Röhrenschicht hinausragend.
Röhren 5 – 15 mm lang, anfangs gelb bis grünlich-gelb, bei Luftkontakt blauend. Poren klein und rund, bei reifen Fruchtkörpern vieleckig; anfangs gelb, bald orange-rot, karminrot oder zinnoberrot, auf Druck blauend. In einigen Fällen treten „xanthoide“ Formen auf, bei denen die gelbe Porenfarbe bis zur Reife bestehen bleibt.
Stiel 5 – 12 × 25 – 50 cm; teils kurz und gedrungen, teils weniger dick und eher zylindrisch oder zur Basis hin verjüngt, gelblich oder cremegelb, besonders im oberen Teil, der Rest ockerfarben, glatt, mit kleinen rötlichen Flecken oder mit winzigen bräunlichen bis rotbraunen Pünktchen gesprenkelt; bei Druck blauend.
Fleisch dick, fest, im Hut mit zunehmendem Alter etwas weicher werdend, beim Anschnitt leuchtend gelb, stellenweise blauend, besonders im Hut, nahe den Röhren und im oberen Stielbereich, während der Rest in schmutzig ockergelben Tönen verbleibt. Amyloid-Reaktion negativ. Geschmack unauffällig, Geruch anfangs unauffällig, später leicht säuerlich oder unangenehm.

Mikromerkmale:
Sporen ellipsoid, glatt, dickwandig, mit Tröpfchen 12 – 14 × 5 – 6 µm, Q = 2,0 – 2,5, mittleres Volumen = 190 µm³. Sporenpulver olivbraun. Basidien 25 – 35 × 8 – 11 µm, keulig, 4-sporig, Septen ohne Schnallen. Hymenialzystiden 30 – 54 × 8 – 15 µm, schmal, amphorenförmig bis spindelig oder flaschenförmig, mit warzenartiger Spitze. Kaulozystiden 25 – 60 × 8 – 16 µm, amphoren-, flaschenförmig oder spindelig, mit aufgesetztem Spitzchen. Huthaut ein Trichoderm aus verflochtenen, lang zylindrischen, septierten Hyphen ohne Schnallen; Endzellen aufrecht stehend.

Weiterführende Literatur:

  • Dämmrich et al. (2016): Rote Liste der Großpilze und vorläufige Gesamtartenliste der Ständer- und Schlauchpilze (Basidiomycota und Ascomycota) Deutschlands, Seite 52
  • J. A. Munos: Bletus s. l. Fungi Europaei Vol. 2, Seite 404 - 407
  • German J. Krieglsteiner (Hrsg.): Die Großpilze Baden-Württembergs, Band 2, Seite 215 – 216
  • Ewald Gerhardt: Der große Pilzführer für unterwegs, Seite 470
  • Rudolf Winkler / Gaby Keller: Pilze Mitteleuropas, Seite 160 (3.2.25)
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Rubroboletus
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfs-R%C3%B6hrling
Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben, von Bernd Miggel.
Zuletzt aktualisiert am 13. Juni 2026