Polyporus alveolaris

Wabenporling

(DC.) Bondartsev & Singer 1941
Familie: Polyporaceae
© Dieter Gewalt
Synonym: Polyporus mori; neuer Name: Neofalvus alveolaris
alveolaris = wabenartig, grubig

Ein hinreißend schöner Pilz, der „Bienenwabenporling“, wie er auch genannt wird. An seinen wie Bienenwaben geformten, bis 5 mm großen, ganzrandigen Poren, die über die gesamte Stiellänge herablaufen, ist dieser Stielporling meist auf den ersten Blick zu erkennen. Er besiedelt ausschließlich totes Laubholz und ist in Mitteleuropa ganz überwiegend an Eiche zu finden.

Dass es sich bei dem hier abgebildeten Fund um ein sehr kleines Exemplar handelt, verrät schon die scheinbare Porenlänge von bis zu 1 cm (am PC betrachtet). In natura war der Fruchtkörper weniger als halb so groß wie auf dem stark vergrößerten Foto, die längsten Poren maßen 5 mm. Er kann aber auch sehr viel größere Fruchtkörper hervorbringen, wie das Büschel auf der folgenden Abbildung zeigt. Hier erscheinen die Poren sehr viel kleiner zu sein und maßen in der Tat auch nur zwischen 2 und 4 mm. Die bis zur Basis am Stiel herablaufenden Poren bestätigen jedenfalls, dass es sich auch bei dieser Kollektion um Wabenporlinge handelt. In der Literatur vermisse ich die klare Aussage, dass Polyporus alveolaris der einzige Porling ist, dessen Stiele in ganzer Länge mit Poren bekleidet sind oder zumindest sein können. Auf ein so augenfälliges mit einem Blick erkennbares Alleinstellungsmerkmal hinzuweisen wäre äußerst hilfreich für Novizen, die den Pilz zum ersten Mal in Händen halten.

Polyporus alveolaris ist eine wärmeliebende Art mit südlich orientierter Verbreitung. Nördlich der Mainlinie (ca. 50. Breitengrad) befinden sich im Verbreitungsatlas (Krieglsteiner, 1991) nur drei Fundpunkte. Nach meinen Beobachtungen ist sie zumindest im Rhein-Main-Gebiet deutlich in Zunahme begriffen.

Die Synonymieliste im Index Fungorum zeigt, dass sich frühere Mykologen über seine Gattungszugehörigkeit sehr uneinig waren. Unter den verschiedensten Epitheta ist er zu Boletus, Cantharellus, Daedalea, Favolus, Hexagonia und Merulius gestellt worden, obwohl die Gattung Polyporus schon seit 1763 besteht. Neue DNA-Forschungen zeigen, dass Polyporus mori und P. alveolaris identisch sind. Die meisten heutigen Autoren (Index Fungorum, Krieglsteiner 2000) geben P. alveolaris den Vorrang, bei Gerhardt (2011) ist alveolaris Synonym von mori. Neuerdings soll er Neofavolus alveolaris (DC.) Sotome & T. Hatt (2016) heißen. Dann wäre in der einst riesigen Gattung Polyporus nur noch eine einzige Art verblieben: Polyporus tuberaster, der Sklerotienporling.

Synonymieliste im Index Fungorum:

Boletus mori (Pollini) Pollini, Giorn. Fis. Chim. Stor. nat. Med. Arti Pavia 9: 35 (1816)
Cantharellus alveolaris (DC.) Fr., Syst. mycol. (Lundae) 1: 322 (1821)
Daedalea broussonetiae Re ex Cappelli, Cat. Stirp. Regio Horto bot. taurinensi 2: 309 (1827)
Favolus canadensis Klotzsch, Linnaea 7: 197 (1832)
Favolus kauffmanii Lloyd, Mycol. Writ. 5: 614 (1916)
Favolus mori (Pollini) Fr., Syst. orb. veg. (Lundae) 1: 76 (1825)
Favolus peponinus Lloyd, Mycol. Writ. 5(Letter 66): 16 (1917)
Favolus striatulus Ellis & Everh., Am. Nat. 31: 339 (1897)
Favolus whetstonei Lloyd, Mycol. Writ. 5(Letter 44): 615 (1916)
Hexagonia alveolaris (DC.) Murrill, Bull. Torrey bot. Club 31(6): 327 (1904)
Hexagonia mori Pollini, Hort. Veron. Pl. Nov. 1: 35 (1816)
Hexagonia striatula (Ellis & Everh.) Murrill, N. Amer. Fl. (New York) 9(1): 48 (1907)
Merulius alveolaris DC., in de Candolle & Lamarck, Fl. franç., Edn 3 (Paris) 5/6: 43 (1815)
Neofavolus alveolaris (DC.) Sotome & T. Hatt., in Sotome, Akagi, Lee, Ishikawa & Hattori, Fungal Diversity 58(1): 250 (2013)
Polyporellus alveolaris (DC.) Pilát, Beih. Botan. Centralbl., Abt. B 56: 36 (1936)
Polyporus alveolaris (DC.) Bondartsev & Singer, Annls mycol. 39(1): 58 (1941)
Polyporus favoloides Doass. & Pat., Bull. Soc. bot. Fr. 27: 355 (1880)
Polyporus mori (Pollini) Fr., Syst. mycol. (Lundae) 1: 344 (1821)
Polyporus tenuiparies Laferr. & Gilb., Mycotaxon 37: 331 (1990)

Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben, von Dieter Gewalt.
Zuletzt aktualisiert am 13. August 2020