Entoloma atrocoeruleum

Schwarzblauer Rötling

Noordel. 1987
Familie: Entolomataceae
© Dieter Gewalt
atrocoeruleum = schwarzblau
2 Fotos von Matthias Dondl

Es gibt nicht wenige Rötlinge mit einer Farbskala von graubraun, blaugrau bis dunkelblau, die auf Rasenflächen, Wiesen und Weiden wachsen. Entsprechend schwierig kann sich die Bestimmung gestalten. Bei Entoloma atrocoeruleum kommt hinzu, dass die Art extrem selten ist; lt. DGfM-Verbeitungskarte lediglich 23 Fundmeldungen für ganz Deutschland (Stand 05.2026), lt. German J. Krieglsteiner waren es bis 2003 sogar nur zwei.

Die blauschwarzen bis graubraunen Hüte mit violettlichem Ton erreichen kaum mehr als 3 cm Durchmesser. Sie sind jung nahezu halbkugelig, später ausgebreitet, ± genabelt und dann auch fein filzig, nicht oder nur schwach hygrophan. Die Lamellen sind weißlich bis rosa und ausgebuchtet am schlanken bis zu 6 cm langen Stiel angewachsen, der etwa die gleiche Farbe wie der Hut aufweist aber meist weißlich überfasert und hohl ist. Das dünne Hutfleisch ist weißlich bis grau, unter der Huthaut dunkler. Geruch leicht pilzig, Geschmack mild. Das Sporenpulver ist wie bei allen Rötlingen rosa.

Eine sichere Bestimmung ist nur unter Berücksichtigung von Mikromerkmalen möglich. Die keuligen Endzellen der Hutdeckschicht sind 12 – 30 µm breit. Die Kaulozystiden an der Stielrinde sind kurz, zylindrisch und büschelig angeordnet. Die 4-sporigen Basidien messen 25 – 45 µm, die 4- bis 7-eckigen in der Form sehr variablen Sporen 8 - 12 x 6,5 - 8 µm. Schnallen sind nicht vorhanden.

Der Schwarzblaue Rötling gilt als ungenießbar oder giftverdächtig. Sehr ähnlich und ebenfalls sehr selten ist der Enten-Zähling Entoloma anatinum. In der artenreichen und schwierigen Gattung der Rötlinge (auch Zärtlinge genannt) gibt es nur sehr wenige essbare Arten, die nur erfahrenen Pilzsammlern zu empfehlen sind. Zum Beispiel der Schildrötling Entoloma clypeatum und der Schlehenrötling Entoloma sepium. Unter den übrigen befinden sich zahlreiche, zum Teil sehr giftige Arten wie zum Beispiel der Riesenrötling Entoloma sinuatum.


Anhang: Fundbericht von Matthias Dondl

Funddaten: 09.09.2009; MTB 8533-1-2-2, 920 m; Klais, Buckelwiesen und Wälder zwischen Klais und Grubsee; auf der Buckelwiese (Mähwiese) westlich des Wanderwegs, am schattigen Rand des Fichtenwaldes; gesellig (ca. 10 Fk); Hut: bis 2,3 cm breit, jung fast halbkugelig und nicht genabelt, später flach gewölbt und +/- deutlich genabelt, jung samtig, später am ganzen Hut feinst schuppig, jung ungerieft, alt am Rand angedeutet durchscheinend gerieft (sehr schwach ausgeprägt), schokobraun, schwach hygrophan, beim Abtrocknen gleichmäßig graubraun verblassend; Stiel: bis 5 x 0,5 cm, zylindrisch, hohl, oft breitgedrückt und mit Längsfurche, basal gleichdick oder schwach erweitert, matt, fein längsfaserig, jung fein grau überfasert, später vor allem in der oberen Stielhälfte fast verkahlend und glatt wirkend, an der Basis weißflizig; Färbung jung lebhaft graublau, später dunkel stahlgrau; Lamellen: abgerundet oder gerade angewachsen, manchmal ausgebuchtet und mit Zahn herablaufend, mäßig gedrängt (ca. 20 erreichen den Stiel); jung hellgrau bis grauweiß, reif graubraun (Rosastich höchstens zu erahnen); Schneiden konvex, bauchig glatt und gleichfarbig; Fleisch: dünn, im Hutkern hellgrau bis grauweiß, unter der Huthaut dunkelbraun durchgefärbt, in der Stielrinde jung blaugrau, später grau, in der Höhlung weißlichgrau; Geruch: angenehm pilzig; Geschmack: mild, fad; HDS: (nahe dem Scheitel beobachtet) Trichoderm; Endzellen zylindrisch bis keulig, ca. 14-30 breit; Pigment intrazellulär diffus, vakuolär und körnig, braun; ohne Schnallen; Huttrama: kurz septiert, Zellen bisw. aufgeblasen und an den Septen abgerundet, ca. 75-115 lang, ca. 10-20 breit, keine Schnallen, Pigment körnig, nicht auffallend, eher sporadisch, schwarzblau bis schwarzbraun; Cheilozystiden: keine beobachtet, Lamellenschneide fertil; Kaulozystiden: an der Stielspitze vorhanden, zylindrisch bis keulig und kurz, büschelig; Stieltrama mit körnigem, schwarzblauem Pigment; Basidien: 4-sporig, ohne Basalschnallen, ca. 28-45 x 8-10; Sporen: 4-7-eckig, sehr variabel in Form und Größe, 9,8 x 7,3 (8,5-12 x 6,5-8), Q=1,35 (1,19-1,57), 20 Sp. gemessen; Bestimmung: im Schlüssel kaum von E. anatinum zu trennen

Weiterführende Literatur:

Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben, von Dieter Gewalt.
Zuletzt aktualisiert am 12. Mai 2026