Cortinarius bulliardii

Feuerfüßiger Gürtelfuß

(Pers.) Fr. 1838
Familie: Cortinariaceae
© Bernd Miggel
Untergattung: Telamonia
bulliardii = zu Ehren des frz. Mykologen J.B.F. Bulliard
Waldschutzgebiet Römerberg -- Auffällig: die rote Stielbasis

Am nördlichen Schwarzwaldrand in der Nähe von Keltern-Dietlingen liegt auf 338 mNN das Waldschutzgebiet „Römerberg“, ein Laubmischwald mit eingestreuten Nadelbäumen, über Muschelkalk. Der Boden ist wasserdurchlässig und kalkhaltig. Blätterpilze oder Röhrlinge finden sich dort nur bei dauerhaft feuchtem Wetter. So auch Anfang November 2024, als wir an mehreren Stellen den Feuerfüßiger Gürtelfuß fanden. Er wuchs dort unauffällig in kleinen Gruppen bei Eichen und Feldahorn, fast unter Laub verborgen.

Braune Gürtelfüße sind meist nur schwer bestimmbar. Der Feuerfüßige (Cortinarius bulliardi) ist eine angenehme Ausnahme, die nur beim Aufsammeln erkennbar wird:

Er besitzt, bedingt durch das Velum, eine leuchtend rote Stielbasis, ein Alleinstellungsmerkmal für diese Art (!)”

Auf dem Foto oben wirkt das Rot, wohl aufgrund des trüben Wetters, eher matt als leuchtend. Mit Hutgrößen von 4 bis 8 cm und Stiellängen bis 10 cm gehört der Feuerfüßige Gürtelfuß zu den größeren Telamonien. Die hygrophanen Hüte sind feucht kastanienbraun, manchmal mit Violettton, trocken hellocker, jung halbkugelig bis konisch, später flach gewölbt, schließlich ausgebreitet; der äußerste Rand junger Exemplare ist vom Velum rot getönt. Die Lamellen sind graubraun, stark untermischt, ihre Schneiden heller und gesägt. Die hell bräunlichen, zylindrischen Stiele sind längsfaserig, ihre oft keulige Basis ist, wie schon betont, durch das Velum meist leuchtend rot gefärbt. Das Fleisch ist hell bräunlich, in der Stielspitze mitunter violettlich. Geruch und Geschmack unauffällig.

Sporen

Mikromerkmale:
Basidien keulig, viersporig, 26 – 35 x 8,5 – 10,5 µm. Sporen ellipsoid bis mandelförmig, relativ stark warzig, besonders am unteren Ende, Maße 8,4 - 10,5 x 5,3 - 6,4 µm; Schlankheitsgrad Q = 1,6 - 1,7, Volumen = 160 - 175 µm3 (gemessen wurden 27 Sporen). Schnallen sind wie bei den allermeisten Cortinarien reichlich vorhanden.

Cortinarius bulliardii ist von etwa Juli bis November in wärmeren kollinen bis montanen Lagen zerstreut bis mäßig verbreitet, im Flachland extrem selten. Er bevorzugt kalkhaltige Böden und als Mykorrhizapilz vor allem Rotbuchen, weniger häufig auch Feldahorn, Birke, Hasel, Eiche und Weißtanne. Die Rote Liste Deutschland (2016) führt die Art in der Kategorie 2 (stark gefährdet). Unter den Gürtelfüßen und Wasserköpfen (Untergattung Telamonia) sind keine Speisepilze bekannt, aber auch keine gefährlichen Giftpilze.

Weiterführende Literatur:

  • T.E. Brandrud et al. Flora Photographica I – V, Nr. A37
  • Breitenbach & Kränzlin: Pilze der Schweiz Band 5, Nr. 305
  • German J. Krieglsteiner, Andreas Gminder (Hrsg): Die Großpilze Baden-Württembergs Band 5, Seite 221 - 222
  • Rudolf Winkler, Gaby Keller: Pilze Mitteleuropas, Seite 679 (14.3.33)
Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben, von Bernd Miggel.
Zuletzt aktualisiert am 22. Februar 2026