Coprinopsis stercorea

Struppiger Mist-Tintling

(Fr.) Redhead, Vilgalys & Moncalvo 2001
Familie: Psathyrellaceae
© Dieter Gewalt
stercus = Mist, Dung, Kot

Die obigen Fotos zeigen Mist-Tintlinge, die wir in einer Plastikbox aus feucht gehaltenen Kaninchen-Kötteln kultiviert haben. Die Pilze haben sich über Nacht entwickelt und ihr kurzes Leben innerhalb von Stunden ausgehaucht.

Der Pilz entwickelt sich aus winzigen rein weißen Filzbällchen, die sich, wenn die Kultivierung gelingt, nach zwei bis drei Tagen strecken und ihren Tintlings-Habitus erkennen lassen. Die stark gefurchten Hütchen breiten sich dann sehr schnell aus und erreichen 3 bis 8 mm Durchmesser. Auf hellgrauem Grund sind sie von weißen Velumkügelchen verdeckt und biegen ihre Ränder beim Vergehen nach oben. Die Lamellen sind jung weisslich und zerfließen bald zu schwarzer Tinte. Im Verhältnis zur Hutgröße sind die brüchigen Stiele sehr lang (bis zu 4 cm ), jung weiß-flaumig bereift, später kahl.

Eigentlich ist der Struppige Mist-Tintling aufgrund seiner geringen Größe und dem Vorkommen auf Kaninchendung bereits gut gekennzeichnet. Um eine Verwechslung mit anderen coprophilen Arten der gleichen Gattung auszuschließen, wurden die Sporen gemessen. Die Maße stimmten mit den Angaben bei Breitenbach & Kränzlin überein (7,5 – 9 X 4 – 5 µm), nicht aber mit denen bei 123pilze.

Die Köttel waren auf dem Waldfreizeitgelände Jügesheim aufgesammelt worden. In freier Natur wird man den Pilzchen schon deshalb nur selten begegnen, weil sie eine extrem kurze Lebensdauer haben und wegen ihrer Winzigkeit übersehen werden. Die Kultivierung scheint bei ausreichender Feuchtigkeit problemlos zu gelingen, jedoch haben wir beobachtet, dass sich nicht alle auf dem Dung erscheinenden Filzbällchen zu ausgewachsenen Hut-Stiel-Pilzen entwickeln. Allerdings ist Geduld gefragt. Bis zur Fruchtkörperbildung kann es Monate dauern, sie ist aber von der Jahreszeit unabhängig. Außer auf Hasen- und Kaninchenkötteln wächst der Pilz laut Literatur auch auf Exkrementen von Rehen, Schafen, Pferden, etc.

Weiterführende Literatur:

  • Breitenbach & Kränzlin: Pilze der Schweiz Band 4 (Blättepilze 2. Teil) Nr. 303
Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben, von Dieter Gewalt.
Zuletzt aktualisiert am 28. Juli 2020