Clitopilus hobsonii
Muschelförmiger Räsling
Sieht man einen weißen, muschelförmigen Lamellenpilz auf Holz und nahezu ohne Stiel, hat man zunächst gute Gründe zur Annahme, dass es sich um ein Stummelfüßchen (Crepidotus) handeln könnte. Spätestens der Sporenabdruck der hier beschriebenen Art räumt mit diesem Verdacht aber auf, offenbart er uns statt des erwarteten tabakbraunen Sporenpulvers doch einen schmutzigen Rosaton.
Wer nun geneigt ist, diesen Pilz als einen der wenigen stummelfüßchenähnlichen Rötlinge zu bezeichnen, wird erstaunt sein, unter dem Mikroskop keine eckigen, sondern farblos scheinende, länglich-ellipsoide Sporen zu finden. Auch wenn die Familie der Rötlingsverwandtschaft (Entolomataceae) stimmt – die auffälligen Längsstreifen verraten uns, dass wir es mit einem Räsling (Clitopilus) zu tun haben.
Zu dieser Gattung gehört auch der allgemein bekannte Mehl-Räsling (Clitopilus prunulus), der mit seinem deutlichen Stiel und dem Wachstum auf dem Erdboden jedoch ganz anders aussieht. In Anbetracht der relativ entfernt stehenden Lamellen in Kombination mit Sporenmaßen von 7 – 10 × 4,5 – 6 μm kommt in unserem Fall nur eine Art in Frage: der Muschelförmige Räsling (Clitopilus hobsonii).
Mikroskopisch ist die Art unauffällig: Sie besitzt viersporige, keulige Basidien und keine Zystiden. Weder die Basidi(ol)en noch die Hyphen tragen Schnallen.
Makroskopisch ähnlich sehen dem Muschelförmigen Räsling viele Stummelfüßchen, einige wenige Rötlinge und andere Arten der Räslinge. Wer die Sporenpulverfarbe berücksichtigt, kann die Stummelfüßchen wie oben beschrieben schnell ausschließen, und auch die Sporenform lässt nur noch den Schluss auf die Gattung der Räslinge zu.
Innerhalb dieser Gattung gibt es, wenn man auf Holz als Substrat achtet, noch zwei Verwechslungspartner. Der seltene Großsporige Mehlpilz (Clitopilus daamsii) ist dem Muschelförmigen Räsling ähnlich, aber insgesamt etwas kleiner, besitzt größere Sporen (8 – 11,5 × 5 – 7 μm) und mehr (6 – 8) Längsstreifen an den Sporen. Clitopilus baronii, eine Art ohne deutschen Namen, lässt sich leicht erkennen, da sie Cheilozystiden besitzt.
Weiterführende Literatur:
- Breitenbach & Kränzlin: Pilze der Schweiz, Band 4, Nr. 1
- German J. Krieglsteiner (Hrsg.): Die Großpilze Baden-Württembergs, Band 4, Seite 138 – 139
- Rudolf Winkler / Gaby Keller: Pilze Mitteleuropas, Seite 373 (6.1.06)