Boletus luteocupreus
Gelbhütiger Purpur-Röhrling
Der Gelbhütige Purpur-Röhrling ist ein in Deutschland äußerst seltener Pilz, der in sehr wärmebegünstigten Lagen unter Laubbäumen (z. B. Eichen, Rotbuchen, Esskastanien) etwa in der Zeit von Juli bis September vorkommen kann. Er gehört zu den Ochsenröhrlingen (neue Gattung Imperator) innerhalb der Familie der Dickröhrlings-Verwandten (Boletaceae). Die Rote Liste für Deutschland führt ihn in der Kategorie R (äußerst gefährdet). Der Name „gelbhütig“ kann irreführend sein, da diese Farbe oft nur spärlich auf den Hüten vorhanden ist.
Makromerkmale:
Fruchtkörper klobig, polsterförmig, dickfleischig, „schwergewichtig“, sehr groß werdend. Hut: 6 – 25 cm breit, anfangs halbkugelig, später gewölbt bis polsterförmig, seltener flach ausgebreitet, jung samtig, später glatt und kahl, anfangs pastell- oder safrangelb, blassgelb, bisweilen hellrosa, bei Reife hell- bis dunkelorange, ocker, ockerorange, rötlich- bis bräunlich-orange gefleckt, gelegentlich mit tiefroten Flecken, im Alter meist kupferrot, bei Berührung sofort dunkelblau verfärbend. Röhren: bei Reife 8 – 15 mm lang, jung gelb, später grünlich-gelb, bei Verletzung dunkelblau. Poren: klein und meist gleichmäßig tiefrot, auf Druck blauschwarz verfärbend. Stiel: 6 – 13 x 3 – 6 cm, jung bauchig, später keulig, selten zylindrisch im oberen Drittel pastellgelb, gelborange bis orange, in der mittleren und unteren Hälfte rot, weinrot oder rötlich purpurn; bei Berührung sofort und stark blauschwarz verfärbend, von der Spitze bis zur Mitte oder Basis mit einem markanten, sehr feinen, orangeroten bis scharlachroten Netz mit isodiametrischen Maschen versehen. Fleisch: fest, durchgehend zitronengelb, häufig mit einer roten oder rötlich purpurnen Zone an der Stielbasis (bisweilen nur schwach ausgeprägt oder ganz fehlend), bei Schnitt sofort indigoblau verfärbend. Geruch: angenehm, pilzartig bis fruchtig. Geschmack: mild, säuerlich bis sauer. Sporenpulver: bräunlich oliv.
Mikromerkmale:
Sporen: 12 - 13 x 4,5 - 5,5 µm, Q = 2,1 - 2,5, ellipsoid bis fusiform, glatt, dickwandig, ockergelb. Basidien: 40 – 50 x 11 - 13 µm, 4-sporig, keulig. Hymenialzystiden: 40 - 60 x 5,0 – 6,0 µm, fusiform bis lageniform. Caulozystiden: zahlreich und vielgestaltig, einige mit gelblichem Inhalt. Huthaut: ein Trichoderm aus mehr oder weniger verflochtenen, septierten, langen, fädigen Hyphen, Endzellen aufrecht, lang, zylindrisch, mit abgerundeter oder leicht keuliger Spitze, 35 - 80 x 3,0 – 6,5 µm; fein inkrustiert, mit braunem intrazellulärem Pigment. Schnallen: in allen Gewebeteilen fehlend.
Abgrenzung zu Boletus rhodopurpureus = Purpur-Röhrling
Gemäß Uwe Winkler zeigt Boletus rhodopurpureus kaum Gelbtöne im Hut und ein nur undeutlicheres, wenig ausgeprägtes und feineres Stielnetz. Beide Arten blauen extrem stark. Jung sind die Röhren karminrot - und speziell bei B. rhodopurpureus immer noch etwas heller als bei B. luteocupreus. Letzterer neigt außerdem dazu, gelbe Poren zu bekommen. Die Hutoberfläche von B. rhodopurpureus ist rauer bzw. uneben, während B. luteocupreus einen eher glatten Hut besitzt. Die Unterscheidung wird durch die diversen Farb-Varianten beider Arten deutlich erschwert.
Abgrenzung zu Boletus torosus = Ochsenröhrling
Diese Art weist anfangs einen gelben Hut auf, der später vorherrschend dunkel olivgrüne Töne entwickelt, und besitzt vor allem tiefgelbe Poren.
Weiterführende Literatur:
- Dämmrich et al.: Rote Liste der Großpilze und vorläufige Gesamtartenliste der Ständer- und Schlauchpilze (Basidiomycota und Ascomycota) Deutschlands, Seite 52
- Kibby, G.: British Boletes, Seite 20 & Fig. 45
- Klofac, W. & Krisai-Greilhuber, I: Schlüssel Boletales mir röhrigem Hymenophor, Seite 194 - 197
- Miksik, M. et al.: European Boletes, Volume 1, Seite 282 - 291
- Munos, J.A.: Boletus s.l. Fungi Europaei Vol 2: Seite 399 – 403 & 728 – 730 Tabla 11
- Rudolf Winkler / Gaby Keller: Pilze Mitteleuropas, Seite 161 (3.2.30)
- https://de.wikipedia.org/wiki/Imperator_(Pilze)