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Tricholoma equestre (L.:Fr.) Kumm.

Grünling

(= Tricholoma flavovirens) - RL=3 V=7 (RM=3) - 28.09.2000, 29.09.2002, u. a. MTB 5919.3.3 Ansfeld-Wald bei Nieder-Roden; 21.10.2007 MTB 5918.4.4 vhs-Exkursion bei Waldacker - Exs. und Foto D. Gewalt


 

Zu den 3 Fundpunkten, die im Verbreitungsatlas für das Rhein-Main-Gebiet angegeben sind, hätte ich einige weitere hinzufügen können. Sie stammen aus den 1960er Jahren, als der Grünling gut in unseren Kiefernwäldern vertreten war - z. B. bei Weiterstadt in der Teufelshölle (MTB 6017.4.3, hier auch 1985), wo er massenhaft vorkam und vom nahen Autobahnrastplatz bequem zu erreichen war. Damals galt er noch als unbedenklicher Speisepilz und ich selbst habe ihn desöfteren in der Küche verwendet. Seither ist europaweit ein drastischer Rückgang zu verzeichnen. Laut German J. Krieglsteiner sind in erster Linie SOx- und andere Emissionen aus Industrie, Hausbrand und Verkehr verantwortlich. In Baden-Württemberg wird die Art bereits als stark gefährdet eingestuft. Auch meine früheren Fundplätze müssen als erloschen gelten. Um so erfreulicher, dass der Grünling im September 2000 doch wieder aufgetaucht ist, und zwar im Roteichen-Bestand (!) des Ansfeld-Waldes. Auch in den Folgejahren sind hier immer wieder Fk erschienen. Der obligatorisch an Nadelbäume (ganz überwiegend Pinus sylvestris) gebundene Pilz hat sich hier keineswegs verirrt und auch eine Fehlbestimmung kann ausgeschlossen werden. Seine Mykorrhizapartner sind im ca. 5 - 10 m entfernten Kiefernwald zu finden, der Standort liegt damit noch im Ausdehnungsbereich der Koniferenwurzeln. Erstaunlicherweise konnte trotz gründlicher Suche kein einziger Grünling im Kiefernareal selbst gefunden werden.

Im November 2006 wurde der gefährdete Pilz auch im UG Waldacker im Jungwuchs von Waldkiefern gefunden, wo er auch 2008 wieder zahlreich erschienen ist und bei mehreren Gelegenheiten beobachtet werden konnte. Seit mehreren Vergiftungsfällen in Frankreich und Polen, darunter drei mit Todesfolge, muss der früher in der Küche geschätzte Grünling als gefährlicher Giftpilz eingestuft werden, vor dessen Genuss eindringlich zu warnen ist. (Dieter Gewalt)

Trotz des Sammel- und Handelsverbots ist der Grünling im Jahr 2008 in der Kleinmarkthalle in Frankfurt als Marktpilz aufgetaucht. Mehr dazu im Artikel des "Entdeckers", Florian Haas.