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f u n d k o r b . d e    -   d i e    P i l z a d r e s s e    i m    R h e i n-M a i n-G e b i e t


Scheint ein Riesen-Pilzjahr zu werden!  Zur Zeit ist mächtig was los in den Wäldern der Rhein-Main-Ebene und anderswo. Aus diesem aktuellen Anlass erhöhen wir die Zahl der Führungen.

Die nächste Pilzexkursion ist am Samstag, 04. September, 10:00 Uhr          Infos  >>>  Termine


Agrocybe rivulosa, der Runzelige Ackerling, ist ein erst 2003 beschriebener Neomycet, der offenbar rasant in Ausbreitung begriffen und vor allem auf Holzhäcksel anzutreffen ist. In seinem ersten Fundkorb-Beitrag berichtet Michael Hornung ausführlich über einen von zwei Funden in der Rhein-Main-Ebene (>>>)


A k t u e l l e   K u r z n a c h r i c h t e n

Am 25./26. September 2010 wird Dr. Lothar Krieglsteiner, einer der führenden Mykologen Deutschlands, zu einem pilz- und naturkundlichen Wochenende im Rhein-Main-Gebiet zu Gast sein. Ein vielseitiges Programm mit Exkursionen ist in Vorbereitung. Für wenige Interessenten besteht noch die Möglichkeit, sich per Mail bei dgewalt@web.de anzumelden. Die Teilnahmegebühr beträgt 40 Euro.

03.09.2010   Von Ulrich Schmitt in einem Weiskirchener Garten (Stadt Rodgau, Landkreis Offenbach, MTB 5919.1.4) entdeckt und fotografiert: die Himbeerrote Hundsrute Mutinus ravenelii. Im Verbreitungsatlas für Großpilze sind gerade mal 14 Fundpunkte eingetragen, die sich alle in Norddeutschland befinden. Es könnte sich also um einen Erstfund für Hessen handeln. Laut Ewald Gerhardt tritt die Art nur sehr sporadisch in besonders feuchtwarmen Sommern auf und wird gern und schadlos von Hunden verspeist.

 

 

30.08.2010  Amanitin-Vergiftung: Ein Kind hat einen Pilz in den Mund gesteckt - das ist der häufigste Grund, einen Pilzsachverständigen zu Rate zu ziehen. Meist ist die Sache harmlos, die Kinder haben einen Nelkenschwindling oder einen Heudüngerling "erwischt" und auch nichts abgebissen und geschluckt. Es kann aber auch ganz anders sein. Letzte Woche wurden zwei Kinder im Rhein-Main-Gebiet in eine Klinik eingeliefert, in deren Urin Amanitin nachgewiesen wurde. Eines der Kinder hatte auf dem Schulhof einen Grünen Knollenblätterpilz in den Mund gesteckt, das andere auf einer Wiese einen giftigen Schirmling. Die Pilze wurden in beiden Fällen von der Pilzsachverständigen Hermine Lotz-Winter identifiziert, daraufhin wurde in der Klinik die Therapie eingeleitet. Die Kinder hatten offenbar mehr von den Pilzen verschluckt, als vor Ort erkenntlich war. Sie sind inzwischen wieder wohlauf.  -  Immer wenn Kinder Pilze in den Mund genommen haben, sollte der zuständige Giftnotruf (hier Gift-Notrufzentrale Mainz 06131 19240) angerufen werden oder ein Arzt oder eine Klinik aufgesucht werden. Der Pilz oder seine Reste müssen aufgehoben und von einem Pilzsachverständigen bestimmt werden. Je schneller das erfolgt, umso besser. Heute können Vergiftungen mit dem potentiell tödlichen Knollenblätterpilz bei rechtzeitigem Eingreifen erfolgreich behandelt werden.

13.06.2010   Ein bemerkenswerter Fund gelang bei unserer FundGroup-Wanderung am Gleisner Kopf bei Dreieich-Offenthal. Die seltene in Mitteleuropa nur wenige Male nachgewiesene Kollarett-Kernkeule Cordyceps larvicola wuchs an einem Wegrand in einem Polster von Katharinenmoos (Atrichum undulatum). In Deutschland wurde sie nach unserem Wissensstand vier Mal gefunden - davon drei Mal von uns im Rhein-Main-Gebiet. Laut Literatur parasitiert sie auf Käferlarven der Gattungen Helops und Callidium.

Mehr über diese Rarität in einem Fundkorb-Beitrag von Dieter Gewalt und Hermine Lotz-Winter >>>

 

12.06.2010  Während einer Erkundung im Rahmen unseres Bieber-Projekts ("Von der Quelle bis zur Mündung") auf dem Friedhof Offenbach-Bieber (MTB 5918.2.2) gefunden: 1. Grauweiße Lorchel Helvella costifera (dicht knäuelig auf blanker Erde und in kurz gehaltenem moosigen Gras, über 100 Fruchtkörper; mehr über diesen Fund in Kürze in der Rubrik Fundkorb)  -  2. Glattstieliger Hexenröhrling Boletus queletii (auf Rasenfläche unter Linde)  -  3. Ziegenlippe Xerocomus atramentarius, aus einer Fuge in einer Natursteinwand in etwa 60 cm Höhe herauswachsend. (Dieter Gewalt)

30.04.2010  Frühe Stockschwämmchen: zwei Büschel am Rand einer feuchten Waldwiese bei Darmstadt, Nähe Oberwaldhaus (UG Woogsberg, MTB 6118.1.1), an Totholz im Gras, vermutlich Buche oder Erle. (Irmtraut Lampert)


K l e i n z e u g

   

Lophodermium pinastri, die Kiefernnadel-Spaltlippe (links), fehlt in keinem Kiefernforst, der Zugespitze Kugelpilz Leptosphaeria acuta (rechts) in keinem Brennnesselbestand. Um die winzigen Ascomyceten so deutlich wie auf obigen Fotos zu erkennen, braucht man allerdings eine gute Lupe. Mehr über solche Winzlinge in unserem Fotoalbum: Tour 8: Kleinzeug.  (Dieter Gewalt)

 

Zwei weitere Winzlinge (links: Eibenbecherkeule Clavicorona taxophila, rechts: Buchen-Hütchenträger Phleogena faginea) wurden im vergangenen Winter von Hermine Lotz-Winter gefunden, bestimmt und fotografiert. Beide Arten gelten als selten und werden in Roten Listen als Raritäten bzw. stark gefährdet geführt. Beide sind ausführlich in der Rubrik Fundkorb beschrieben (Klick auf den jeweiligen Namen).


L u s t   a u f   P i l z e  ?

Zum Anschauen und Lesen sind Sie hier richtig. Zum Suchen, Finden und Bestimmen sind Sie herzlich eingeladen, sich unserer FundGroup anzuschließen. Klicken Sie auf Termine, um sich zu informieren, wann und wo Sie Gelegenheit dazu haben. Anfragen bitte an dgewalt@web.de

In der Rubrik Fundlisten können Sie nachlesen, was bei den letzten Exkursionen entdeckt, gesammelt und bestimmt worden ist. Tipps und Kommentare gibt es hier auch.

Über bemerkenswerte Funde im Rhein-Main-Gebiet informiert die Rubrik Fundkorb.


D i e t z e n b a c h   u n d   P i l z e

- das hat seit Jahren Tradition und dafür gibt es gute Gründe. Die Kreisstadt liegt mitten im größten zusammen-hängenden Waldgebiet der Region und die Volkshochschule Dietzenbach bietet regelmäßig Praktische Pilzseminare an. Die finden nicht etwa in einer Schule statt, sondern da, wo Pilze wachsen - im Wald. Bei mindestens fünf Exkursionen lernen die Teilnehmer die wichtigsten Speise- und Giftpilze an ihren natürlichen Wuchsorten kennen und erfahren Wissenswertes zum Thema. Das nächste Seminar beginnt am 12. September 2010. Wer Interesse hat, sollte sich an die vhs Dietzenbach wenden, Tel. 06074 - 81 22 66. Anmeldungen ab Ende Sommerferien.

* * *

Pilzfreunden wird von der Stadt Dietzenbach ein unvergleichlicher Service geboten. Mit deutlich sichtbaren Hinweisschildern macht das Verkehrsamt auf besonders interessante Pilzvorkommen aufmerksam. Der weiße Pfeil auf blauem Grund zeigt exakt auf die Stelle, wo 2002 der seltene Büschelige Egerlingsschirmling Leucoagaricus americanus gefunden worden ist, möglicherweise zum ersten Mal in Hessen. Mehr darüber im Fundkorb.


Auch die Volkshochschule Hofheim bietet in diesem Jahr wieder ein Pilzseminar unter der Leitung von Thomas Lehr an. Beginn: Sonntag, 19.09.2010  Anmeldung: www.vhs-mtk.de


Pilz des Jahres 2010 ist der Blaugestiefelte Schleimkopf Cortinarius (Myx.) praestans, auch Schleiereule genannt, ein prachtvoller und stattlicher Pilz, der zu den stark gefährdeten Arten zählt. Im Verbreitungsatlas ist für Hessen nur ein Fundpunkt verzeichnet, der im westlichen Taunus liegt. Vermutlich haben ihn die wenigsten Pilzfreunde aus dem Rhein-Main-Gebiet jemals zu Gesicht bekommen.

Pilz des Jahres 2009 ist der Blaue Farbrindenpilz Terana caerulea (vormals Pulcherricium caeruleum). Das Foto der seltenen und auffallend gefärbten Art wurde von unserem Adelbert-Ricken-Preisträger Thomas Lehr an der Wiesenmühle bei Flörsheim aufgenommen. Mehr über diesen Pilz im Fundkorb.

 

 

 

 

Pilz des Jahres 2008 war Boletus aereus, der Bronzeröhrling, auch Schwarzhütiger Steinpilz genannt. Seine Wahl dürfte damals von Pilzfreunden begrüßt worden sein, handelt es sich doch um einen stattlichen, äußerst attraktiven Röhrling, der vom Aussterben bedroht ist und in der Roten Liste gefährdeter Arten geführt wird. Im Rhein-Main-Gebiet ist er von etlichen Fundstellen bekannt, an denen er zumeist standorttreu seit vielen Jahren erscheint. >>>

 

Pilz des Jahres 2007 war übrigens die Orangegelbe Puppenkernkeule Cordyceps militaris, die in unserem Beobachtungsgebiet zu einer kleinen Berühmtheit geworden ist. (Mehr...)

 

 

 


Über Sinn und Unsinn von Sammelbeschränkungen wird unter Pilzfreunden viel und kontrovers diskutiert. Lesen Sie, was der Freiburger Biologe Helgo Bran dazu meint  >>>


G i f t p i l z e   i n   d e r   K l e i n m a r k t h a l l e

Dass der Grünling (Tricholoma equestre), einst ein beliebter Speisepilz, bei wiederholtem Genuss die gefährliche Rhabdomyolyse verursachen kann (mehrere Todesfälle u. a. in Frankreich), hat sich inzwischen herumgesprochen. Nicht erst seit seiner Einstufung als Giftpilz darf er nicht mehr als Marktpilz gehandelt werden: als bedrohte Art, die in der Bundesartenschutzverordnung geführt wird, unterliegt er schon länger einem strikten Sammelverbot. Umso verwunderlicher und beängstigender, was Florian Haas kürzlich in der Frankfurter Kleinmarkthalle und im Umgang mit dem Ordnungsamt erlebt hat... (mehr


N e u   i m   F u n d k o r b :             

   

        Nidularia deformis  -  Foto: Thomas Lehr                     Myxomphalia maura  -  Foto: Dieter Gewalt

Zwei Pilze, die im Wald bei Waldacker gefunden wurden: der Vollgestopfte Nestling Nidularia deformis gehört zu den absoluten Raritäten und ist wegen seiner geringen Größe (ca. 5 bis 10 mm) nur schwer zu finden. Sie wuchsen auf einem Kiefernästchen. Um den Kohlennabeling (Myxomphalia maura) zu entdecken, muss man sich auf Brandstellen umsehen.

 

P i l z e   i m   F u n d k o r b :

 

     Amanita caesarea  -  Foto: Thomas Lehr                Dendrocollybia racemosa  -  Foto: Thomas Lehr

Bemerkenswerte Pilzfunde gehören in den Fundkorb! Dass der Kaiserling (Amanita caesarea, Foto und Link siehe oben) ein ganz besonderes High Light ist, bedarf keiner Erläuterung. Uns ist im RM-Gebiet nur ein Fundort bekannt, von dem auch die Abbildung stammt. Es wäre interessant zu erfahren, woher und von wem die beiden anderen Fundpunkte im Verbreitungsatlas gemeldet wurden.  -  Nicht weniger bemerkenswert ist ein Fund des Traubenstieligen Sklerotienrüblings Dendrocollybia racemosa vom Kalkbruch an der Wiesenmühle bei Flörsheim (wahrscheinlich Erstfund für Hessen). Lassen Sie sich nicht täuschen: es handelt sich um sehr kleine Pilzchen, deren Hüte kaum einen Zentimeter Durchmesser erreichen.

Auch zwei seltene Verwandte der Stinkmorchel (Ordnung Phallales) werden im Fundkorb vorgestellt, die an höchst unterschiedlichen, aber nahe beieinander liegenden Fundorten entdeckt worden sind. Der Gitterling Clathrus ruber wuchs im Frankfurter Grüneburgpark, der Eckigstielige Fingerpilz Lysurus mokusin wurde im nahen Palmengarten im Tropenhaus Nebelwald gefunden. Bei letzterem dürfte es sich um einen Erstfund für Deutschland handeln.

 

   Clathrus ruber  -  Foto: Norbert Kühnberger                     Lysurus mokusin  -  Foto: Thomas Lehr

 

 

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