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Squamanita odorata (Cool) Bas

Wohlriechender Schuppenwulstling

V = 0 RL = R - 25.10. - 01.11.2012 MTB 5918.4.1 Dietzenbach-Steinberg im Hinterhof des Thai-Restaurants Paradise Beach - leg. Tui Gewalt / det. Exs. u. Foto D. Gewalt


 

Der triste Hinterhof des Thai-Restaurants Paradise Beach in Dietzenbach-Steinbach ist kein Ort, an dem man eine extrem seltene Pilzart vermuten würde. Am Rand der betonierten Fläche auf einem schmalen Streifen mit karger Vegetation wuchsen unauffällige kleine Pilzchen, die erst bei genauerem Hinschauen ihre Gattungszugehörigkeit erkennen ließen. Schuppenwulstlinge zeichnen sich durch eine zwiebelig verdickte Stielbasis aus, die in ein Pseudosklerotium übergeht, das mehr als die doppelte Größe des Pilzchens und ein Mehrfaches seiner Masse aufweisen kann. Unter den vier in Deutschland nachgewiesenen Arten ist die hier gefundene durch ihren aufdringlich süßlichen Geruch eindeutig gekennzeichnet.

Schuppenwulstlinge gehören offenbar zu den Mykoparasiten wie z. B. auch der Parasitische Scheidling (>>> Volvariella surrecta), die auf Fruchtkörpern oder Myzelien anderer Blätterpilze wachsen. Bei unserem Fund dürfte es sich um den Tonblassen Fälbling (Hebeloma crustuliniforme) gehandelt haben. Vier Fruchtkörper dieses Pilzes standen in unmittelbarer Nähe. Ein etwa 50 cm entfernter Halskrausenerdstern (>>> Geastrum triplex) dürfte kaum etwas mit dem Auftreten der Schuppenwulstlinge zu tun haben. Fichten und Obstbäume standen in der Nähe.

Es wurden mehr als ein Dutzend nahe bis dicht beieinander stehende Pseudosklerotien beobachtet, an denen jeweils bis zu drei Pilzchen wuchsen. Deren Hüte maßen bis zu 1,8 cm im Durchschnitt, waren jung halbkugelig, später flach konvex ausgebreitet, von grauvioletter Farbe und mit dunkleren Schüppchen besetzt. Die Stiele waren bis zu 2,5 cm lang, einige Millimeter dick, längsfaserig und wie der Hut bzw. etwas heller gefärbt. Unterhalb mehrerer dunkler gefärbter Schuppengürtel geht die verdickte Stielbasis in das im Boden befindliche hellocker bis gelblich gefärbte Pseudosklerotium über.

Im Verbreitungsatlas der Großpilze Deutschlands (Krieglsteiner 1991) sind lediglich 7 Fundpunkte eingetragen. Zwei befinden sich am Niederrhein, die übrigen im Norden Niedersachsens. Unsere Kollektion konnte also ein Erstfund für Hessen und auch südlich der Mainlinie sein.

Die ungünstigen Bedingungen im Hinterhof ließen leider keine ansprechenden Standortfotos zu. Für das beigefügte Foto wurden drei Pseudosklerotien mit Pilzen an anderer Stelle auf ein Mosspolster gelegt, das insofern noch etwas Authentizität vermittelt, als auch am Originalstandort Moos vorhanden war. (Nov. 2012, Dieter Gewalt)