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Jan.2008

Judasohren im Pfungstädter Moor

von Bärbel Heckmann

Südlich von Pfungstadt liegt das Pfungstädter Moor, ein ca. 100 Hektar goßes Feuchtbiotop mit seinem Erlenbruchwald und Schilfbewuchs. Hier wurde in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts Torf gestochen, bis um 1920 die Steinkohle Heizmittel wurde. Heute ist es ein beliebtes Freizeitgebiet in Nachbarschaft zum Bickenbacher Erlensee, zwei Anglerseen und einer ehemaligen Mülldeponie, die renaturiert wurde.

Durch das Absinken des Grundwasserspiegels waren die Feuchtgebiete trocken gefallen und wurden zum großen Teil zu Ackerland umgebrochen. Seit April 2000 wird innerhalb des Pilotprojektes "Wiedervernässung Pfungstädter Moor" zu Trinkwasserqualität aufbereitetes Rheinwasser in den zentralen Teil des Pfungstädter Moores eingeleitet zur Revitalisierung der geschädigten Moorvegetation. Durch die zusätzliche Bewässerung und die hohen Grundwasserstände von 1999 bis 2003 kam es im Pfungstädter Moor zu einer Wiederansiedlung verschollener, moortypischer Tier- und Pflanzenarten.

In den zahlreichen Holunderbüschen am Wegrand findet sich aber auch eine überhaupt nicht seltene Lebensform: das Judasohr Auricularia auricula-judae, und zwar reichlich an totem Holz des Schwarzen Holunders. Bei einem Spaziergang im Dezember 2007 fanden wir diesen schön geformten Pilz in allen Altersstufen. Wir haben uns auch ein paar befallene Äste mit nach Hause genommen und werden auf unserem Balkon das Wachstum verfolgen. Auch zum Essen haben wir ein paar gesammelt, obwohl sie ja nicht so einen ausgeprägten Geschmack haben. Interessant ist, dass sie als Heilpilze in China eine große Rolle spielen sollen. Sie werden bei Arteriosklerose, zur Verbesserung der Fließfähigkeit des Blutes und damit zur Behandlung von Kreislaufproblmen angewendet. Sie wirken zudem entzündungshemmend und senken den Cholesterinspiegel.