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Fundliste 25.10.2009 MTB 6018.1.1

Pilzwanderung der Naturfreunde Egelsbach-Erzhausen e.V. im Hainer Wald

Bei schönstem Herbstwetter im schönen Hainer Wald zeigten sich nach langer Flaute endlich auch wieder Pilze in nennenswerter Zahl. So wurde der Spaziergang zu einem unterhaltsamen und informativen Ausflug in die Natur und in die formenreiche und oft erstaunliche Welt der Pilze. Außer der dominierenden Buche finden sich im begangenen Areal vereinzelt andere Baumarten wie Eiche, Hainbuche, Kiefer, Lärche und bemerkenswerterweise die in unseren Wäldern seltene Esskastanie. Deren leckere Früchte, auch Maronen genannt, wurden von einigen Exkursionsteilnehmern aus den stacheligen Hüllen gepuhlt und nach Hause getragen. Vielleicht hat sich der eine oder die andere hinterher gefragt, ob man aus "Maronen und Maronen" nicht ein schmackhaftes Gericht zaubern kann, denn auch ein gern gesammelter und ebenfalls gefundener Speisepilz trägt diesen Namen: Maronenröhrling. Nicht von ungefähr - sie haben beide die gleiche sympathisch braune Farbe.

  

 

Fotoreihe oben: Für engagierte Pilzfreunde ist es immer ein besonderes Ereignis, eine bislang noch nie gesehene Art zu entdecken. Bei dieser Wanderung war es der Langstielige Faserling Psathyrella cotonea, der in vielhütigen Büscheln auf und um einen Buchenstumpf wuchs. Er gehört zu den leicht kenntlichen Arten in einer Pilzgattung, deren Vertreter zumeist nur mit Hilfe des Mikroskops und auch dann oft nur schwer zu bestimmen sind. An diesem großen, zum Teil schon stark vermorschten und bemoosten Stumpf wuchsen noch andere Pilze: Riesenporling, Flacher Lackporling, Stockschwämmchen, Grünblättriger Schwefelkopf, Geweihförmige Holzkeule, Orangeroter Heftelnabeling, Brandkustenpilz und eine nicht näher bestimmte Helmlingsart.

 

Zu den gesammelten Speisepilzen gehörte der Wässrige Mürbling Psathyrella piluliformis. Bei solchen büschelig an Holz wachsenden Pilzen ist allerdings größte Sorgfalt bei der Bestimmung gefragt, denn es gibt eine tödlich giftige Art, mit der sie verwechselt werden könnten. Es ist der Gifthäubling, der ein Toxin enthält, das auch beim Grünen Knollenblätterpilz fatale Vergiftungen verursacht.  (Texte und Fotos: Dieter Gewalt)

 

     F u n d l i s t e :

  1. Amanita citrina - Gelber Knollenblätterpilz (dieser Wulstling ist an seiner ausgeprägten, scharf gerandeten Stielknolle und seinem Geruch nach keimenden Kartoffeln = Kartoffelkeller zu erkennen. Die Geruchsprobe erfolgt in der angeschnittenen Stielknolle. Der Pilz ist harmlos, allerdings absolut kein Speisepilz; der tödlich giftige ist sein Verwandter, der Grüne Knollenblätterpilz; mehr >>>)
  2. Clitocybe nebularis - Nebelkappe (häufiger Herbstpilz, bei unserer Wanderung aber nur wenige, meist kleine Exemplare gefunden. Nachdem der genschädigende Inhaltsstoff Nebularin in diesem Pilz gefunden wurde, wird er neuerdings als giftig eingestuft)
  3. Diatrype stigma - Flächiges Eckenscheibchen (an Buchenästen)
  4. Ganoderma applanatum - Flacher Lackporling (mehrfach an totem Buchenholz)
  5. Gymnopus dryophilus - Waldfreunrübling (in der Laubstreu gefunden)
  6. Hypoxylon deustum - Brandkrustenpilz (an Buchenstümpfen)
  7. Hypoxylon fragiforme - Rötliche Kohlenbeere (mehr >>>)
  8. Laccaria amethystina - Violetter Lacktrichterling (Kennzeichen: kleiner Blätterpilz, dickliche und auffallend entfernt stehende Lamellen. Jung und/oder feucht kräftig violett gefärbt, bei Trockenheit stark ausblassend, zuletzt fast weiß. Guter Speisepilz, jedoch die zähen Stiele weglasen)
  9. Laccaria laccata - Rötlicher Lacktrichterling (wie der Violette, nur hell rötlich; ebenfalls essbar)
  10. Lactarius blennius - Graugrüner Milchling (bei Buchen)
  11. Lactarius subdulcis - Süßlicher Milchling (bei Buchen)
  12. Lanzia echinophila - Esskastanien-Becherling (dieser kleine Pilz hat sich auf ein sehr spezielles Substrat spezialisiert; auf die stacheligen Schalen der Esskastanie. Mehr in der Rubrik Fundkorb, in der bemerkenswerte Funde im RM-Gebiet vorgestellt werden: >>>)
  13. Lepista flaccida - Fuchsiger Röteltrichterling (dieser essbare Blätterpilz wurde ebenfalls gesammelt und später auch gegessen; er sollte nur von Pilzfreunden geerntet werden, die ihn sicher kennen)
  14. Lepista nuda - Violetter Rötelritterling (farbenprächtige, meist stattliche Art, die im Herbst besonders auffällt; der Pilz ist essbar, wird von vielen geschätzt, vor allem gebraten, manchen sagt jedoch der etwas süßliche Geschmack nicht zu)
  15. Macrolepiota konradii - Sternschuppiger Riesenschirmling (Riesenschirmlinge sind leicht an ihren wattigen, verschiebbaren Stielringen erkennbar. Besonders begehrt ist der Große Riesenschirmling, der jedoch kaum im Waldesinneren zu finden ist, eher auf Lichtungen oder an Waldrändern. Mit seinem genatterten Stiel und dem weißen, nicht verfärbenden Fleisch sieht ihm der gefundene Sternschuppige Riesenschirmling recht ähnlich und ist ebenso wie ein Schnitzel gebraten eine Delikatesse. Man achte darauf, nur einwandfreie und saubere Pilzhüte zu sammeln)
  16. Macrotyphula filiformis - Binsenkeule (die zierlichen "Stielchen" wären fast übersehen worden! Mehr über diesen interessanten Pilz in einem auführlichen Fundkorb-Beitrag: >>>)
  17. Macrotyphula fistulosa - Röhrige Keule (auf einem Buchenzweig gefunden)
  18. Meripilus giganteus - Riesenporling
  19. Mycena crocata - Gelbmilchender Helmling
  20. Mycena galericulata - Rosablättriger Helmling
  21. Mycena galopus - Weißmilchender Helmling
  22. Mycena zephirus - Rostiger Helmling (typischer Herbst- bis Spätherbstpilz; oft großflächig und nahezu bodenbedeckend in Laub- und Nadelwäldern zu finden. Unter den meist kleinen Helmlingen gibt es keine Speisepilze, aber einige giftige Arten)
  23. Pholiota mutabilis - Stockschwämmchen (an Buchenstümpfen; wurde gesammelt und verzehrt, aber Vorsicht: dieser leckere Speisepilz hat einen tödlich giftigen Doppelgänger und sollte nur von Pilzfreunden gesammelt werden, die ihn 100%ig sicher erkennen! Siehe auch Fotoalbum: Pilze an Holz)
  24. Plicatura crispa - Buchen-Adernzähling
  25. Polyporus badius - Schwarzroter Porling
  26. Psathyrella cotonea - Langstieliger Faserling (siehe oben, wird demnächst in einem ausführlichen Fundkorb-Beitrag vorgestellt)
  27. Psathyrella piluliformis - Wässriger Mürbling (siehe Text und Fotos oben)
  28. Rhodocollybia butyracea var. butyracea - Butter-Rübling (essbar, aber höchstens als Mischpilz verwendbar)
  29. Rickenella fibula - Orangeroter Heftelnabeling (winziges, aber wunderschönes Blätterpilzchen, das man häufig im Moos finden kann, aber meist übersehen wird)
  30. Rosselinia corticium - Zitzen-Kohlenbere (an morschem Buchenzweig)
  31. Russula ionochlora - Papageitäubling
  32. Russula ochroleuca - Ockertäubling
  33. Schizophyllum commune - Spaltblättling (an berindeten Buchenästen und -stämmen, gern sonnenexponiert)
  34. Stereum subtomentosum - Samtiger Schichtpilz
  35. Stropharia caerulea - Blauer Träuschling (ein Exemplar am Wegrand bei Brennnesseln gefunden)
  36. Trametes gibbosa - Buckeltramete
  37. Trametes versicolor - Schmetterlingstramete (mehr >>>)
  38. Tricholoma sulphureum - Schwefelritterling (riecht penetrant nach Leuchtgas)
  39. Tubaria conspersa - Flockiger Trompetenschnitzling
  40. Xerocomus badius - Maronenröhrling (mehr >>>)
  41. Xerocomus chrysenteron - Rotfußröhrling
  42. Xerula radicata -Grubiger Schleimrübling
  43. Xylaria hypoxylon - Geweihförmige Holzkeule (mehr >>>)

Diese Fundliste enthält im Wesentlichen die Arten, die bei unserer Wanderung besprochen und von den meisten Teilnehmern beachtet worden sind. Eine Vielzahl kleiner, vor allem Holz besiedelnder Arten, die in fast jedem Wald vorkommen, sind nicht aufgeführt.