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Fundliste 24.10.2009 MTB 5918.4.1

vhs-Exkursion im Steinberger Wald bei Dietzenbach

Die heutige Exkursion führte in ein Gebiet mit zwei unterschiedlichen Waldtypen. Zunächst waren wir in einem lichten Buchenwald mit eingestreuten Eichen und Kiefern unterwegs. Nach 20 Minuten erreichten wir unser eigentliches Ziel, einen vorwiegend aus Fichten bestehenden Nadelwald, der in etwa dem in unserem Arbeitsbuch (Seite 12) beschriebenen "sauren Fichtenwald" entspricht. Der Boden war überwiegend mit Moos bedeckt, es fand sich die für solche Wälder typische Heidelbeere, an Charakterpilzen wurden Trompetenpfifferlinge, Maronenröhrlinge, Fliegenpilze, einige Rauchblättrige Schwefelköpfe und ein Gallenröhrling gefunden. Eingestreute Kiefern sorgten für zahlreiche Zitronenblättrige Täublinge ("Säufernasen"), deren Schärfe einige Teilnehmer bei Geschmacksproben zu spüren bekamen. Geschmacksproben halfen auch bei der Unterscheidung  von Grün- und Rauchblättrigen Schwefelkopfen und zum sicheren Erkennen des Gallenröhrlings.

Nicht ins Bild eines sauren Fichtenwaldes passten die vielen Grünen Knollenblätterpilze. Ihr Vorkommen wurde vom eingestreuten Eichen- und Buchen-Jungwuchs generiert. Nach der bislang durch anhaltende Trockenheit und den Kälteeinbruch Anfang Oktober bedingten schlechten Pilzsaison konnten immerhin einige Seminarziele anschaulich dargestellt werden; u. a. die Gattungsmerkmale von Wulstlingen, Täublingen, Milchlingen und wie der Unterschied zwischen Lamellenpilzen und Leistlingen erkannt werden kann.

    

Links: von 14 angemeldeten Kursteilnehmern war gerademal die Hälfte dabei. (Foto: Dietmar Krüger)  Rechts: der Flockige Trompetenschnitzling ist fast das ganze Jahr über zu finden, besonders häufig im Herbst. (Foto: Tui Gewalt)   

 

Links: Grüne Knollenblätterpilze fanden wir in allen Entwicklungsstadien. Rechts: Trompetenpfifferlinge waren appetitlich jung und wurden für die Küche gesammelt. (Beide Fotos: Dieter Gewalt)

    F u n d l i s t e :

  1. Amanita citrina - Gelber Knollenblätterpilz* (in allen Waldtypen häufig; vermutlich die häufigste Wulstlingsart im RM-Gebiet. Kennzeichen: scharf gerandete, stark ausgeprägte Stielknolle, die im Anschnitt nach keimenden Kartoffeln riecht. Mehr >>>)
  2. Amanita muscaria - Fliegenpilz* (im Nadelwald bei Fichten und eingestreuten Birken; die Stielknolle ist mehrfach schuppig gegürtelt)
  3. Amanita phalloides - Grüner Knollenblätterpilz* (tödlich giftig!)
  4. Amanita porphyria - Porphyrbrauner Wulstling (Stielknolle und Geruch wie beim Gelben Knollenblätterpilz, unter Fichten und Kiefern)
  5. Ascocoryne sarcoides - Fleischroter Gallertbecher* (auf der Schnittfläche eines Buchenstumpfes gefunden; gehört zu den Schlauchpilzen = Ascomyceten)
  6. Auriscalpium vulgare - Ohrlöffelstacheling (hübsches kleines Pilzchen, das ausschließlich auf Kiefernzapfen wächst; wird meist übersehen, fehlt aber in kaum einem Kiefernbestand)
  7. Baeospora myosura - Mäuseschwanzrübling (auf Fichtenzapfen)
  8. Bispora antennata - Tintenstrichpilz (bildet radiale, schwarze Streifen auf Schnittflächen von Buchenstümpfen und -stämmen, seltener auch an anderen Laubhölzern)
  9. Cantharellus tubaeformis - Trompetenpfifferling (im moosigen Nadelwald)
  10. Cantharellus tubaeformis var. lutescens - Gelbstieliger Trompetenpfifferling (die meisten der gefundenen Trompetenpfifferlinge waren dieser Varietät zuzuordnen)
  11. Clitocybe candicans - Wachsstieliger Trichterling (weiße Art; giftig: enthält Muscarin)
  12. Clitocybe nebularis - Nebelkappe* (nur wenige, noch junge Exemplare gefunden; der bis vor kurzem als essbar bezeichnete Pilz enthält nach neuesten Erkenntnissen das genschädigende Nebularin und ist daher als Giftpilz einzustufen)
  13. Flammulina velutipes - Winterpilz, Samtfußrübling* (nur in der kalten Jahreszeit an Laubholz, v. a. an Weide, Erle, Buche wachsend, guter Speisepilz; mehr >>>)
  14. Fomes fomentarius - Zunderschwamm* (an Buche)
  15. Ganoderma applanatum - Flacher Lackporling* (Synonym: Ganoderma lipsiense; an Buche)
  16. Gymnopus dryophilus - Waldfreundrübling* (kleiner Blätterpilz mit zähem, knorpeligem Stiel; oft massenhaft in der Laub- und Nadelstreu, aber nie büschelig wachsen)
  17. Gymnopus erythropus - Rotstieliger Büschelrübling (büschelig an Buche gefunden; ähnelt dem Waldfreundrübling)
  18. Hebeloma crustuliniforme - Tonblasser Fälbling* (mehrfach am Wegrand gefunden; im Herbst oft Massenpilz, auh in Parks, Gärten, etc. Lamellen milchkaffeefarben, bei feuchtem Wetter jung tränend, mit markantem Rettich-Geruch)
  19. Hygrophoropsis aurantiaca - Falscher Pfifferling* (hat im Gegensatz zu Pfifferlingen echte Lamellen; Pfifferlinge haben Leisten! Der Unterschied konnte auf verständliche weise aufgezeigt werden)
  20. Laccaria amethystina - Violetter Lacktrichterling* (man achte auf die dicklichen, entfernt stehenden Lamellen; die kräftig violette Farbe des ganzen Pilzes blasst beim Trocknen völlig aus; sehr häufig und guter Speisepilz)
  21. Laccaria laccata - Rötlicher Lacktrichterling* (wie der Violette Lacktrichterling, nur in hell rötlichen Farben)
  22. Lactarius subdulcis - Süßlicher Milchling* (einer von zahlreichen bräunlichen Milchlingen, die mit den Täublingen zu den Sprötblättlern gehören. sie alle sind kaum als Speisepilze zu verwenden)
  23. Lactarius turpis - Olivbrauner Milchling* (meist besonders stark milchende Art, bei Birken)
  24. Macrolepiota konradii - Sternschuppiger Riesnschirmling (wie der Große Riesenschirmling mit genattertem Stiel und weiß bleibendem Fleisch; im Gegensatz zu diesem jedoch im Waldesinneren zu finden; ebenfalls guter Speisepilz, z. B. ausgebreitete Hüte wie Schnitzel gebraten)
  25. Macrolepiota rhacodes - Safran-Riesenschirmling* (Merkmal: rötendes Fleisch; essbar. Achtung: In Gärten oder an gedüngten Stellen wächst der sehr ähnliche Garten-Riesenschirmling, der Magen- Darm-Störungen verursachen kann)
  26. Marasmius androsaceus - Rosshaarschwindling (kleines Blätterpilzchen, auf Koniferennadeln und Nadelholz wachsend; seine Stiele sind schwarz und erinnern an Pferdehaare)
  27. Mycena cinerella - Aschgrauer Helmling (im Nadelwald gefunden)
  28. Mycena epipterygia - Dehnbarer Helmling (Stiel mit gelatinöser, klebriger Schicht überzogen, die ihn noch nach dem Zerteilen zusammenhält)
  29. Mycena galericulata - Rosablättriger Helmling* (große Helmlingsart, stets auf Holz wachsend)
  30. Mycena leptocephala - Grauer Nitrathelmling (einzeln bis gesellig wachsend; Geruch nach Chlor)
  31. Mycena rosea - Rosa Rettich-Helmling* (große Helmlingsart, Geruch nach Rettich; giftig)
  32. Mycena stipata - Büscheliger Nitrathelmling (büschelig an morschem, oft an bemoostem Holz wachsend; Chlorgeruch)
  33. Mycena zephirus - Rostiger Helmling (typischer Herbstpilz, vor allem im Alter mit roströtlichen Flecken auf Hut und Lamellen; oft großflächig und nahezu bodenbedeckend in der Laub- und Nadelstreu wachsend. Unter den ca. 100 mitteleuropäischen Helmlingen gibt es keine essbaren Arten, einige sind giftig)
  34. Panellus stypticus* - Herber Zwergknäueling(büschelig, oft sogar knäuelig miteinander verwachsen auf Laubhölzern, besonders Eiche, von Herbst bis in den Winter sehr häufig. Unser Fund auf einem Buchenstumpf.)
  35. Paxillus involutus - Kahler Krempling* (sehr häufiger Pilz in Wäldern, Parkanlagen, Gärten etc. Sein neuer Name "Verkahlender Krempling" trifft die Realität besser: jung ist die Hutoberfläche fein samtig filzig, später zunehmend glatt und im Alter bei feuchtem Wetter sogar glitschig. Lamellen verschmieren bei Druck, ähnlich wie bei manchen Röhrlingen, und verfärben sich dunkelbraun. Dieser Pilz steht den Röhrlingen nahe und ist giftig)
  36. Phallus impudicus* - Stinkmorchel
  37. Pholiota aurivella - Goldfellschüppling (besonders an noch berindeten Buchenstämmen und -stümpfen, auch an lebenden Bäumen und dann oft in bis zu mehreren Metern Höhe büschelig wachsend, daher auch "Hochthronender Schüppling" genannt. Mehr >>>)
  38. Pholiota lenta - Tonblasser Schüppling* (auf Buchenästen gefunden)
  39. Pholiota mutabilis - Stockschwämmchen* (sehr guter Speisepilz, aber Vorsicht! Verwechslungsgefahr mit dem tödlichen Gifthäubling! Siehe auch Fotoalbum: Pilze an Holz)
  40. Piptoporus betulinus - Birkenporling* (mehr >>>)
  41. Pleurotus ostreatus - Austernseitling* (sehr alte, nicht mehr geniessbare Fruchtkörper an Buchenstamm gefunden; mehr >>>)
  42. Polyporus arcularius - Weitlöcheriger Porling* (an Buchenästchen)
  43. Psathyrella piluliformis - Wässriger Mürbling* (büschelig an Holz; auch "Weißstieliges Stockschwämmchen genannt; essbar)
  44. Rhodocollybia butyracea var. butyracea - Butter-Rübling
  45. Rickenela fibula - Orangeroter Helmling* (im Moos)
  46. Russula ochroleuca - Ockertäubling* (häufigste Täublingsart in unseren Wäldern)
  47. Russula sardonia - Zitronenblättriger Täubling* (bei Kiefern; sehr scharf schmeckende Art)
  48. Strobilomyces strobilaceus - Strubbelkopf-Röhrling* (sehr markante, unverwechselbare Art; kaum als Speisepilz zu empfehlen)
  49. Trametes gibbosa* - Buckeltramete
  50. Trametes versicolor* - Schmetterlingstramete (mehr >>>)
  51. Tubaria conspersa - Flockiger Trompetenschnitzling (kein Speisepilz)
  52. Tylopilus felleus - Gallenröhrling* (klassischer Doppelgänger des Steinpilzes - wichtigste Unterschiede: sein Schwamm ist jung fast weiß wie beim Steinpilz, später aber immer deutlicher rosafarben und polsterförmig vorgewölbt; sein Stiel kann wie beim Steinpilz jung bauchig sein, später schlank werdend, mit grob erhabenem braunem Netz. Im Zweifelsfall hilft eine Geschmacksprobe, um seine Bitterkeit zu erkennen. Oft genügt es schon, am Hutfleisch zu lecken. In der Ebene des RM-Gebiets ist die Kiefer ihr mit Abstand häufigster Begleitbaum, nicht die Fichte, wie im Handbuch für Pilzsammler angegeben)
  53. Xerocomus badius - Maronenröhrling* (mehr >>>)
  54. Xerula radicata - Grubiger Schleimrübling*
  55. Xylaria hypoxylon - Geweihförmige Holzkeule* (mehr >>>)

        Die mit * gekennzeichneten Arten sind in unserem Arbeitsbuch beschrieben und abgebildet.