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Sphaerobolus stellatus Tode

Kugelschneller

V=4 (RM=2) - 05.10.2005, 12.08.2006 und öfter MTB 5918.4.1 UG Steinberger Wald - Foto: D. Gewalt


 

Dieser Pilz hat erstaunliche Fähigkeiten, die ihn zu einem geeigneten Objekt für Experimentierfreudige machen. Auch Kinder dürften ihren Spaß dabei haben. Ein geeigneter Pappkarton ist schnell zur Hand, in dem wir den morschen Ast mit unserem Fund deponieren. In der Regel wird das Holz mit Fruchtkörpern übersät sein. Nachdem das Behältnis mit seinem Deckel verschlossen ist, heißt es abwarten und Ohren spitzen. Irgendwann vernimmt man einen deutlichen Knall und vielleicht schon bald den nächsten. In der Tat: in unserem Karton wird scharf geschossen. Vorsicht also beim Öffnen, damit man nicht eine der Kugeln ins Auge kriegt. Man kann das Holz mit seinen bemerkenswerten Pilzen auch abends auf den Balkon legen und am Morgen nachschauen, was passiert ist. In bis zu 3 m Entfernung wird man die aus ihrer Hülle katapultierten Kügelchen finden. Womöglich muss man nach ihnen suchen, denn sie sind sehr klein. Sie erreichen einen Durchmesser von etwa einem Millimeter. Die Pilze, die sie abgeschossen haben, sind nur wenig größer und das ist das Problem bei unserem Experiment. Es ist mit Beschaffungsschwierigkeiten zu rechnen.

Der Pilz, der solche beachtlichen Leistungen zu vollbringen vermag, heißt Kugelschneller, wird aber auch "Pilzkanone" genannt. Ein Blick in den Verbreitungsatlas macht wenig Hoffnung, ihn leicht zu finden. Für Hessen ist er gerade vier Mal gemeldet worden. So weit die schlechte Nachricht. Und nun die gute. Unser Pilz fehlt vermutlich in keinem Wald und kommt auch außerhalb vor. Die Liste der von ihm besiedelten Substrate dürfte zu den längsten gehören, über die in der Fachliteratur berichtet wird. Morsches Holz aller Baumarten, Holzhäcksel und Rindenmulch gehören zu den häufigsten, aber auch tote Krautstängel, Pflanzenreste, Fichtenzapfen, Bucheckern-Cupulen und selbst Rohrkolben werden genannt. Wegen seiner geringen Größe ist unser Winzling schwer zu finden; man muss ihn gezielt und geduldig suchen, am besten mit der Lupe. Er wächst von Juni bis November.

Der Kugelschneller gehört zu den Bauchpilzen, die so heißen, weil sie die Sporen in ihrem "Inneren" produzieren. Zuerst erscheinen, meist dicht gedrängt, weißliche Kügelchen, die bei der Reife sternförmig aufreißen und den Blick auf die transparente Glebakugel freigeben. Unter ihr baut sich ein osmotischer Druck auf, wobei sich die Endoperidie explosionsartig nach außen stülpt und die Glebakugel hinauskatapultiert. (Mai 2008, Dieter Gewalt)

+ 30.10.2001 MTB 5918.4.4 Dietzenbach, Brachfläche am Steinkautenweg. Diesen Standort auf Holzhäcksel teilte sich der Kugelschneller mit Orangeroten Träuschlingen (Stropharia aurantiaca) und Dung-Teuerlingen (Cyathus stercoreus, auf dem Foto nicht zu sehen). Es mögen einige tausend Fk gewesen sein, die sich an etlichen Stellen gesellig, rasig oder in gedrängten Nestern angesiedelt hatten. (Dieter Gewalt)

+ 16.09.1984 MTB 6018.3.1 "Kompi" gegenüber Hofgut Philippseich bei Götzenhain

+ 01.11.2008 MTB 5918.4.4 FundGroup-Wanderung bei Waldacker

+ 03.10.2005 MTB 6017.1.1 mit Hermine Lotz-Winter, 08.11.2008 Pilzkundliche Führung der Stadt Rüsselsheim

+ 19.08.2006 MTB 5918.4.1 Dornsee bei Dietzenbach

+ 07.09.2006 MTB 6118.1.2 Grube Prinz von Hessen bei Darmstadt

+ 01.08.2005 MTB 6018.1.3 Stellweg bei Egelsbach-Bayerseich

+ 04.11.2001 MTB 6017.3.1 NSG Apfelbach zw. Mörfelden und Rüsselsheim