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Entoloma neglectum (Lasch) Mos.

Isabellfarbener Nabelrötling

V = 0 (Online-Kartierung Hessen = 0) - 27.06.2011 MTB 6018.1.2 Götzenhain, in kurz gehaltenem Rasen im Park vor dem Ringwäldchen - leg./det. Michael Hornung/Dieter Gewalt - Foto: Michael Hornung - Eks.: Dieter Gewalt


Von oben fast ein wenig unscheinbar fanden Dieter und ich diesen hübschen Pilz auf einer Rasenfläche beim Götzenhainer Ringwäldchen unmittelbar neben der Straße. Bei näherer Betrachtung war uns schnell klar, dass es sich um einen Rötling handelt. Um was für einen bemerkenswerten Fund es sich bei dieser Art tatsächlich handelt, konnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen, da viele Rötlinge rein makroskopisch nur schwer oder gar nicht zu bestimmen sind. Wie sich nach intensiver Recherche herausstellte, handelt es sich um den Isabellfarbenen* Nabelrötling Entoloma neglectum. Diese Art gilt in Deutschland als sehr selten, für Hessen ist nur ein einziger Fund überliefert (von Adalbert Ricken, 1851 - 1921). Erstmals beschrieben, jedoch noch unter anderem Namen, wurde sie im Jahre 1828 von Lasch. Die auch unter dem Synonym Entoloma cancrinum bekannte Art erhielt erst 1982 ihren vorläufig endgültigen Namen von Arnolds.

Der feinfilzige und manchmal gezonte Hut kann bis zu 4 cm groß werden, ist mittig zumeist leicht bis deutlich genabelt und weist einen gekerbten bis zerschlitzten Hutrand auf. Die Farbgebung reicht von blass creme über fleischfarben bis hin zu graubraun bis bräunlich isabell. Die zunächst weißlichen, dann bald rosa gefärbten Lamellen stehen ziemlich weit auseinander und laufen deutlich am Stiel herab. Der schmale, zähe Stiel besitzt eine zylindrische, z. T. auch gebogene Form. Er ist weiß, wird aber oftmals, besonders zur Basis hin, graugelblich überhaucht. Die von uns gefundenen Pilze rochen deutlich nach Mehl. (Michael Hornung)

* Hinweis für alle, die mit dem Begriff "isabellfarben" nichts anzufangen wissen: man könnte es auch "milchkaffeefarben" nennen.

+ 17.05.2012 MTB 598.4.3 An einem grasigen Wegrand im Dietzenbacher Hessentagspark fiel mir ein nabelingsartiger Pilz mit weit herablaufenden rosafarbenen Lamellen auf, an dessen Zugehörigkeit zur Gattung Entoloma schon im Feld kein Zweifel bestand. Sein Habitus erinnerte mich an den oben beschriebenen Fund, jedoch war der Fruchtkörper altersbedingt deutlich dunkler gefärbt und der Hut mehrfach eingerissen. Der "Moser" (Kleine Kryptogamenflora Band IIb/2) gilt zwar als veraltet, aber wenn gerade keine modernere Gattungsmonografie wie die von Noordeloos zur Hand ist, leistet der Klassiker immer noch gute Dienste. Mit ihm kam ich im zweiten Bestimmungsschritt aufgrund der deutlich herablaufenden Lamellen in die Untergattung Eccilia, dort über "Hut und Stiel nicht weiß oder weißlich" und "Stiel weiß, weißlich" direkt zu E. neglectum. Die gemessenen Sporengrößen (8,5 - 9 x 13 - 14µ) schließen den sehr ähnlichen Fahlen Nabelrötling E. pallens aus. Für einen Rötling ist das ein extrem kurzer Bestimmungsweg ohne Stolpersteine. Die Tatsache, dass wir den hübschen Pilz in kurzer Zeit gleich zweimal in einem Umkreis von nur wenigen Kilometern gefunden haben, könnte darauf hindeuten, dass die Art vielleicht weniger selten ist als die Literaturangaben vermuten lassen, sondern eher übersehen oder nicht bearbeitet. (Dieter Gewalt)