Coprinopsis cothurnata (Godey) Redhead, Vilgalys & Moncalvo 2001

Rotfüßiger Schneetintling

V = 0 (RM=0) - 29.08.2015 MTB 6218.1.4  Zwischen Ernsthofen und Neutsch auf Pferdemist - leg./det./Exs./Foto Michael Hornung


Coprinopsis cothurnata 01.jpg

Viel konnte man nach der langen Trockenheitsperiode und den Regenfällen in der letzten Augustwoche 2015 noch nicht erwarten. Dennoch gab es einige Pilzarten, die unter solchen Umständen nicht lange auf sich warten lassen und zügig ihre Chance nutzen, Fruchtkörper zu bilden. Dazu gehören z. B. viele Vertreter, die sich auf Dung wie beispielsweise Kuh- oder Pferdemist zeigen. So war es auch dieses Mal. Ich fand ein paar sehr hübsche Fruchtkörper verschiedener Tintlingsarten. Während ich recht schnell bemerkte, dass es sich bei den größeren Individuen um eine recht häufige Art mt dem Namen Struppiger Tintling (Coprinopsis cinereus) handelte, konnte ich die vereinzelt auftretenden, deutlich kleineren und z. T. schneeweißen Pilzchen daneben nicht auf Anhieb benennen.

Als ich den ersten der gut 20 bis 30 gut auf dem Substrat verteilten Fruchtkörper vorsichtig an die Oberfläche holte, fiel sofort auf, dass sich die leicht verdickte Stielbasis ins Rötliche verfärbte. Prima, so dachte ich, direkt ein schöner Anhaltspunkt für den späteren Bestimmungsversuch, der sich bei den Tintlingen in vielen Fällen alles andere als einfach gestaltet. Dazu bedarf es neben der makroskopischen Begutachtung auch einer recht anspruchsvollen mikroskopischen Bewertung verschiedenster Elemente. Da ich um die Kurzlebigkeit dieser Winzlinge wusste, insbesondere bei dem für die Bestimmung so wichtigen Velum, welches in einer feinen Schicht die Huthaut bedeckt, setzte ich mich, zu Hause angekommen, direkt vor das Mikroskop und fing an zu schlüsseln. Das Velum bestand aus blasigen, breitellipsoidischen, glatten Zellen. Die Cheilocystiden wiesen ebenfalls rundliche bis birnenförmige Formen auf und waren z. T. leicht gestielt. Die teilweise seitlich eingeschnürten Basidien waren überwiegend 4-sporig. Die ellipsoiden bis mandelförmigen Sporen waren oftmals ziemlich unsymmetrisch und hatten manchmal eine eher rhombische Form. Augrund der recht großen und breiten Sporen sowie der übrigen mikroskopischen Merkmale kam ich im Schlüssel relativ schnell zu einem eindeutigen Ergebnis. Dieses wurde durch die makroskopische Begutachtung untermauert. Es handelte sich um den sogenannten Rotfüßigen Schneetintling. Dieser hübsche Kerl wurde sehr wahrscheinlich 1980 das erste Mal in Deutschland in der Nähe von Heidelberg nachgewiesen. Seither ist die Art insgesamt nur spärlich wiedergefunden worden, was sicherlich nicht zuletzt daran liegt, dass es sich um eine ziemlich kurzlebige Art handelt.

Interessant ist, dass die bisherigen Funde allesamt als "fast büschelig" oder "büschelig" beschrieben wurden. Dies kann ich bei diesem Fund nicht bestätigen. Zwar gab es ganz vereinzelt 2-er-Büschel, die Mehrheit der Fruchtkörper war jedoch weiträumig auf dem Substrat verteilt. Hier könnte man meiner Meinung nach vielleicht gerade noch von einem geselligen Auftreten sprechen. 

(Michael Hornung, September 2015)