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Polyporus tuberaster  (Pers.):Fr.

Sklerotienporling

auch Kleiner Schuppenporling genannt  -  V=51 (RM=6)  -  22.06.2008 MTB 5918.2.3 FundGroup-Wanderung im UG. Kiefernheg bei Heusenstamm; an Buche  -  Fotos: D. Gewalt


 

Polyporus tuberaster - Sklerotienporling

Dieser Stielporling trägt einen Namen, mit dem Pilznovizen kaum etwas anfangen können. Daher soll zunächst einmal aufgeklärt werden, was Sklerotien sind. Es handelt sich um Überdauerungsorgane des Pilzmyzels von meist kugeliger oder linsenförmiger Gestalt und harter Konsistenz, die im Substrat verborgen sind und es dem Pilz ermöglichen, in Dürreperioden oder bei ungünstigen Frutifikationsbedingungen viele Jahre zu überleben. Bei ausreichender Feuchtigkeit wachsen aus ihnen dann wieder Pilzfruchtkörper. Die Sklerotien, auch Dauermyzel genannt, sind meist winzig klein und es ist daher nur durch sorgfältiges Bergen möglich, sie an der Stielbasis zu entdecken. In unseren Breiten ist diese Überlebensstrategie nicht unbedingt von Bedeutung und daher nur bei wenigen Arten anzutreffen. Die allermeisten einheimischen Pilze kommen gut ohne sie aus. In einigen Fällen ist das Fehlen oder Vorhandensein ein wichtiges Bestimmungskriterium.

Bei unserem hübschen Stielporling weist auch der wissenschaftliche Artname auf diese Besonderheit hin: tuberaster heißt "Abbild der Trüffel", womit auf die knollige Form seines Sklerotiums hingewiesen wird. Das Erstaunliche an seinem Dauermyzel aber sind seine Ausmaße. Es kann die Größe eines Menschenkopfes erreichen! Im Normalfall ist es etwa faustgroß. Doch wo soll man nach ihm suchen? Offensichtlich ist unser Sklerotienporling eine holzbewohnende Art und selbst bei intensivsten Nachforschungen im Untergrund wird man in Mitteleuropa kaum fündig werden. Tatsache ist: unser Pilz kann ein Sklerotium haben, muss aber nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dieses erstaunliche Gebilde zu finden, ist dagegen im Mittelmeerraum wesentlich größer. Verständlich beim dort vorherrschenden eher trockenen Klima. Pietra fungaja werden sie in Italien genannt und schon Goethe hat sich sehr für sie interessiert und kluge Vermutungen über das Wesen dieser "Pilzsteine" angestellt: "Jenes Naturprodukt scheint nicht dem Mineral- sondern dem Pflanzenreiche anzugehören."

Unser Sklerotienporling wartet noch mit einer weiteren Überraschung auf. Er ist essbar, galt schon in den alten Fürstenhäusern Italiens als Delikatesse. Eigene Küchenerfahrungen mit jungen Hüten bestätigen dieses Werturteil. Ich schätze ihn weit mehr als Steinpilz oder Pfifferling und kann eine Kostprobe nur empfehlen, zumal er im Rhein-Main-Gebiet keine Rarität ist. In Bayern und Norddeutschland scheint er dagegen selten zu sein oder zu fehlen. Die abgebildeten Exemplare fanden wir bei einer FundGroup-Wanderung am 22.06.2008 im UG Kiefernheg bei Heusenstamm (MTB 5918.2.3) auf einem teilweise entrindeten Buchenast. (Text und Fotos: Dieter Gewalt)

     Literatur:

  • Schmid H. & W. Helfer: Pilze (Wissenswertes aus Ökologie, Geschichte und Mythos) 1995; IHW-Verlag
  • Kajan, Ewald: Pilzkundliches Lexikon, 1988; Einhorn-Verlag