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Tour 9:

Pilze an Holz (2)

Inhalt:  Ceratiomyxa fruticulosa var. porioides  -  Chondrostereum purpureum - Gymnopilus penetrans - Lentinellus cochleatus - Meripilus giganteus - Mycena haematopus - Mycena inclinata - Peniophora pini  - Pholiota mutabilis - Sparassis crispa


Ceratiomyxa fruticulosa var. porioides - Weißes Netzpolster

Eigentlich snd Schleimpilze (Myxomyceten), zu denen die hier abgebildete Art gehört, gar keine Pilze. In ihrem ersten Lebenszyklus ähneln sie Amöben und sind in der Lage, sich fortzubewegen und zu fressen. Im Reifestadium bilden sie pilzartige Fruchtkörper aus und vermehren sich wie Pilze durch Sporen. Es sind etwa 1000 Arten bekannt.

Ein hübsches Beispiel dieser faszinierenden Wesen ist Ceratiomyxa fruticulosa var. porioides. In ihrer rein weißen Form wird sie als "Weißes Netzpolster" bezeichnet. Nicht selten trifft man Fruchtkörper mit gelb gefärbten Teilen, die dann "Weißgelbes Netzpolster" genannt werden. (Dieter Gewalt)

Foto: Günther Breidert


 

 

Chondrostereum purpureum - Violetter Schichtpilz

Seinem Namen macht er nur in jungem, feuchtem Zustand Ehre oder wenn er gerade am Wachsen ist. Dann zeigt er sich in schönen Violetttönen, die besonders an den abstehenden Hutkanten ausgeprägt sind. Bei Trockenheit verblassen die Fruchtkörper, die lebhafte Farbe kann völlig verschwinden. Der Pilz wächst mit Vorliebe an den Schnittflächen verschiedener Laubhölzer, insbesondere von Buchen. Nach meinen Beobachtungen besiedelt er auch gerne lagernde Pappelstämme und teilt dann diesen Standort mit dem Pappelschüppling Pholiota populnea. Das war auch bei dem hier abgebildeten Exemplar der Fall. Mit den Schichtpilzen aus der Gattung Stereum ist er nicht näher verwandt. (Dieter Gewalt)

 


Gymnopilus penetrans - Geflecktblättriger Flämmling

Ein gutes Pilzfoto sollte die typischen Merkmale einer Art möglichst deutlich und nachvollziehbar abbilden. Soll es dagegen einfach nur schön sein und festhalten, was unser Auge bei einem Waldspaziergang erfreut hat, darf oder muss auf die Darstellung artkennzeichnender Details auch mal verzichtet werden.

So gibt die Aufnahme links keine Hinweise auf die Lamellenfarbe, was eine sichere Bestimmung nahezu unmöglich macht. Ein Blick unter die Hütchen würde verraten, dass sie jung schwefelgelb, später orange-fuchsig und rostbraun gefleckt sind. Ansonsten zieht es unser Flämmling vor, eher gesellig als büschelig auf Nadelholz zu wachsen. (Dieter Gewalt)

 


 

Lentinellus cochleatus - Aniszähling

Die Nase spielt bei der Bestimmung von Pilzen oft eine wichtige Rolle. Zu den charakteristischen Gerüchen gehört auch der süßliche Duft nach Anis. Zahlreiche Champignons haben ihn, aber auch Trichterlinge, der Anis-Klumfuß und die Anis-Tramete. Findet man wie Tüten geformte Pilze mit schartigen, weit herablaufenden Lamellen büschelig an morschem Holz wachsen, die diesen unverwechselbaren Geruch verströmen, so kann es sich nur um den Aniszähling handeln. So einfach kann Pilzbestimmung sein! Ist sie aber meistens nicht. Auch beim Aniszähling kann es Komplikationen geben, nämlich dann, wenn der Geruch fehlt. In diesem Fall haben wir es, wenn alle übrigen Merkmale übereinstimmen, mit der var. inolens (= nicht riechend) zu tun. Die abgebildeten Pilze wuchsen in der Nähe des Wollwiesenteichs bei Dietzenbach an einem morschen Erlenstumpf und rochen deutlich nach Anis. (Dieter Gewalt)

 


 

 

Meripilus giganteus - Riesenporling

Wer diesen prächtigen Pilz sehen oder fotografieren möchte, hat im Frankfurter Stadtwald beste Aussichten, ihn gleich mehrfach anzutreffen. Bei einer einzigen Wanderung rund um den Jakobiweiher ist er oft an über einem Dutzend Buchenstümpfen zu finden, wo er gigantische Ausmaße erreichen kann. Die einzelnen fächerförmigen Hüte sitzen an einem kräftigen, wurzelnden, manchmal verzweigten Strunk dachziegelig oder rosettenartig über- und nebeneinander, werden so groß wie Bratpfannen, aber kaum dicker als einen Zentimeter. Ein einziger Buchenstumpf kann von bis zu hundert und mehr Hüten dekorativ umrahmt sein, die zusammen das Gewicht eines erwachsenen Menschen auf die Waage bringen. Als Schwächeparasit tritt er auch am Grund noch lebender Bäume auf, die dann nicht mehr zu retten sind. Sein Hauptwirt ist die Buche, gelegentlich die Eiche, selten andere Laubbäume, noch seltener die Tanne. (D. Gewalt)


Mycena haematopus - Großer Blut-Helmling

Essbar ist er nicht, aber bei manch einer Pilzwanderung findet sich ein sinnvolle Verwendung für ihn. Bei unseren FundGroup-Exkursionen sind häufig Kinder dabei und die Mädchen lassen es sich nicht nehmen, sich mit den milchenden Stielen die Fingernägel zu lackieren.

Der Große Blut-Helmling wächst gern gesellig auf bemoostem morschem Laubholz, wobei er eindeutig die Rotbuche bevorzugt. Es gibt eine weitere rot milchende Art, den Purpurschneidigen Blut-Helmling, der sehr viel kleiner und dünnstieliger ist, nicht auf Holz wächst und purpurbraune Lamellenschneiden besitzt. Außerdem hat der Große Blut-Helmling, wie auf dem Foto deutlich zu sehen, fast immer einen behangenen Hutrand. (Dieter Gewalt)

 

 


 

Mycena inclinata - Buntstieliger Helmling

Kinder mit einer Auswahl an Malstiften würden unter bunt sicher etwas anderes verstehen, aber einfarbig sind die Stiele dieser büschelig an Holz wachsenden Helmlinge keineswegs. In fließenden Übergängen sind sie an der Spitze weiß, in der Mitte goldgelb, zur Basis hin rotbräunlich. Man findet diesen recht häufigen Pilz vor allem an morschen Eichenstümpfen. Das Foto von Günther Breidert vermittelt einen sehr schönen Eindruck von Herbstanfang und Altweibersommer, der Zeit also, in die die Hauptfruktifikationsperiode der kleinen Pilze fällt. Sie können aber fast das ganze Jahr über gefunden werden. 

Der Name Altweibersommer hat übrigens nichts mit alten Frauen zu tun. Er stammt aus dem Althochdeutschen "weiben", mit dem das Spinnen von Spinnennetzen bezeichnet wird.  (Dieter Gewalt)


 

 

 

Peniophora pini - Kiefern-Zystidenrindenpilz

So frisch und schön rötlich lila gefärbt wird man diesen Pilz nur selten antreffen. Er besiedelt abgestorbene Äste, die sich noch in der Baumkrone von Kiefern befinden und sich so unseren Blicken entziehen. Am ehesten findet man die Art, wenn Bäume gefällt oder vom Sturm umgerissen worden sind. Meist sind die resupinat wachsenden Fruchtkörper dann aber schon vertrocknet, sind krustig geworden und haben viel von ihrer Attraktivität verloren. Günther Breidert hatte das Glück, den Pilz im April 2011 in optimal frischem, noch wachsartigem und faltig strukturiertem Zustand zu finden und fotografieren zu können.

 

 


 

 

Pholiota mutabilis - Stockschwämmchen

Das bei vielen Speisepilzsammlern hochgeschätzte Stockschwämmchen ist längst nicht mehr so unbedenklich wie zu Großmutters Zeiten. Grund ist ein sehr ähnlicher Pilz, der Nadelholz-Häubling Galerina marginata, dessen Giftigkeit erst 1963 erkannt worden ist. Er enthält das auch im Grünen Knollenblätterpilz wirkende tödlich giftige Amanitin. Da der Pilz keineswegs auf Nadelholz beschränkt ist, sondern immer häufiger auch auf Buchenstämmen und -stümpfen gefunden wird, ist er inzwischen in Gifthäubling umbenannt worden. Erst in neuerer Pilzliteratur wird beim Stockschwämmchen vor Verwechslungen mit seinem gefährlichen Doppelgänger gewarnt.

Viele Pilzsammler haben Jahrzehnte lang nicht geahnt, in welche Gefahr sie sich beim Sammeln von Stockschwämmchen begeben haben. Auch mir ist es eiskalt über den Rücken gelaufen, als in den 1980er Jahren erstmals von Vorkommen beider Arten am selben Buchenstumpf berichtet wurde. Inzwischen habe ich auch im Rhein-Main-Gebiet einige gemeinsame Vorkommen beobachtet. Seid also wachsam, liebe Pilzfreunde. Wer die beiden nicht 100%ig sicher auseinander halten kann, sollte auf den liebgewonnenen Genuss von Stockschwämmchen verzichten.  (D. Gewalt)


 

Sparassis crispa - Krause Glucke

Sie sieht aus wie ein Badeschwamm. Mit diesem Vergleich ist die Krause Glucke eigentlich hinreichend beschrieben. Fügen wir noch hinzu, dass es ein ziemlich großer Badeschwamm ist, der schon mal zwei Kilo auf die Waage bringen kann. Sie wird auch Fette Henne genannt und ist ein ausgezeichneter Speisepilz. Allerdings erst, wenn sie geputzt ist. In ihrem Inneren verbergen sich Sandkörner, Kiefernnadeln, allerlei Krabbeltierchen und Schmutzpartikel. Daher macht es wenig Sinn, zu junge Exemplare einzusammeln. Für den Pilzfreund hat die Krause Glucke den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass das gefundene Fressen kaum mit anderen Pilzen verwechselt werden kann. Für die befallene Kiefer hat sie nur Nachteile. Sparassis crispa ist ein Parasit, der seinen Wirt langsam umbringt. Andere Baumarten sind nicht bedroht. Daher weiß jeder Sammler, wo er seine Glucken zu suchen hat.  (D. Gewalt) 


 

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