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Nov.2007

Von ungewöhnlichen Butter-Röhrlingen

berichtet Bärbel Heckmann

Am 28.10.2007 fanden wir bei unserer FundGroup-Wanderung am Sandhorst im Dietzenbacher Wald einige Ringlose Butterpilze. Nichts besonderes, bei näherem Anschauen jedoch sorgte dieser Fund für Verwirrung. Sein Stiel war über die gesamte Länge punktiert (durch sogenannte Drüsenpunkte), was aber nur an der Stielspitze der Fall sein dürfte. Das musste genauer untersucht werden, denn dieses Merkmal würde zum Mittelmeer-Körnchen-Röhrling Suillus mediterraneensis passen, einer in Deutschland noch nicht nachgewiesenen Art. Die Sporenmaße stimmten jedoch mit denen der heimischen Röhrlingsart S. fluryi überein. Dieser Pilz gehört zu den Schmierröhrlingen und ist als Mykorrhizapilz ein Symbiosepartner der Waldkiefer Pinus sylvestris. Noch am selben Abend wurde auch von Norbert Kühnberger ein Ringloser Butterpilz mit komplett punktiertem Stiel aus seinem Frankfurter Vorgarten zur Pilzberatung gebracht.

In der uns bekannten Bestimmungsliteratur fanden wir keinen Hinweis auf das beobachtete Phänomen. Auch in Band 2 des von German J. Krieglsteiner herausgegebenen Werkes "Die Großpilze Baden-Württembergs" stolpert man über das Problem. Hier wird gleich in der ersten Schlüsselfrage für die in Deutschland nachgewiesenen Suillus-Arten nach dem Vorhandensein von Drüsenpunkten an der Stielspitze gefragt. An dieser nicht eindeutig zu beantwortenden Frage würden alle Bestimmungsversuche scheitern. Für S. fluryi spricht aber die Tatsache, dass Fruchtkörper in typischer Ausprägung seit Jahren vom gleichen Standort bekannt und dem gleichen Myzel zuzuordnen sind.

Funde mit dieser "Anomalität" sollten in diesem Herbst keine Ausnahme bleiben. Zu unserer großen Verwunderung fanden wir am 03.11.2007 bei einer Wanderung im Naturschutzgebiet Rallenteich in der Nähe der Thomashütte bei Messel weitere Pilze mit ebenfalls über den gesamten Stiel verteilten Drüsenpunkten. Diesmal handelte es sich um gewöhnliche (beringte) Butter-Röhrlinge (Suillus luteus). Dass außerdem noch ein roter Täubling dieses ungewöhnliche Merkmal aufwies, machte unsere Verwirrung komplett.

Bleibt die Frage, was das zu bedeuten hat. Handelt es sich hier um Variationen, die auf veränderte Standort- oder Klimabedingungen hindeuten? Auf jeden Fall schulen solche Entdeckungen das Auge des Laien, dessen Aufmerksamkeit solche Merkmale und Feinheiten leicht entgehen. So haben wir wieder mal gelernt, dass jede Einzelheit wichtig ist und jede Abweichung aufmerksam wahrgenommen werden muss.

Siehe hierzu auch den Fundkorb-Beitrag: Suillus fluryi