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Fundliste 27.05.2012 MTB 5918.1.2

Zwei-Weiher-Exkursion der FundGroup Rhein-Main

Am Maunzenweiher befanden wir uns noch auf Frankfurter Gebiet, der dahinter liegende Buchrainweiher gehört schon zu Offenbach. Demarkationslinien fanden wir allerdings nur auf der Schnittfläche eines Buchenstumpfes. Hier dürften zwei um Nahrungsangebot konkurrierende Pilze, von denen mindestens einer der Brankrustenpilz Ustulina deusta war, ihre Reviere gegeneinander abgegrenzt haben, zu erkennen an einem verschlungenen Linienmuster.

 

Demarkationslinien      (Fotos: D. Gewalt)                         Zusammenfließende Kohlenbeere Hypoxylon cohaerens

Für mykologische (also kurzlebige) Verhältnisse hatte unsere Exkursion schon fast einen archaeologischen Anstrich. Die aus dem Vorjahr stammenden Halskrausenerdsterne Geastrum triplex waren noch relativ gut erhalten, ihren Sporenkugeln konnte man mit etwas Druck sogar noch ein kleines Wölkchen entlocken, die schwarzen sklerotisieten Fruchtkörper des Kiefernbraunporlings Phaeolus spadiceus waren dagegen nur noch als mumifizierte Pilzleichen zu bezeichnen. Einige Täublinge im zartesten Babyalter waren noch zu unterentwickelt, um überhaupt an einen Bestimmungsversuch zu denken. Ansonsten hatte die Trockenheit der letzten acht Tage ihre Spuren hinterlassen. Die meisten Blätterpilze auf dem Waldboden waren stark vertrocknet und frischer Nachschub kaum zu finden, Pilze an Holz zeigten sich dagegen in besserem Zustand, darunter sogar noch ein Büschel kleiner Austernseitlinge Pleurotus ostreatus. Schleimpilze (Myxomyceten) fanden wir oft und in beeindruckender Artenvielfalt. Nahe der beiden Weiher waren die Bedingungen günstiger. Die dort vorhandenen etwas besseren, teilweise kalkhaltigen Böden hatten genügend Feuchtigkeit gespeichert, um Pilzwachstum zu ermöglichen. So kam mit fast 50 Arten eine für die Jahreszeit recht umfangreiche Fundliste zusammen. Mit etwas mehr Konzentration auf weitere unscheinbare Arten hätte sie noch länger ausfallen können.

Außer Pilzen fielen uns ungewöhnlich viele Mäuse auf, wir beobachteten einen an einem Baumstamm kopfunter abwärts laufenden Kleiber, einen flüchtenden Eichelhäher, große Wasserschildkröten und Kanadagänse, wir hörten Kuckucksrufe und Jörg Grimmer imitierte den melodischen Gesang des Buchfinks.

 

        Fundliste:

  1. Amanita excelsa - Grauer Wulstling (essbar, aber wegen seines muffigen Geschmacks kaum zu empfehlen)
  2. Amanita rubescens - Perlpilz (einige angetrocknete Exemplare; die artkennzeichnenden Rottöne, an denen man sie von ihren Doppelgängern Grauer Wulstling und dem giftigen Pantherpilz unterscheiden kann, waren deutlich auszumachen)
  3. Arcyria nutans -  (Schleimpilz = Myxomycet, mehrfach an morschem Holz gefunden)
  4. Auricularia auricula-judae - Judasohr (wenige vertrocknete Fruchtkörper an totem Holunder)
  5. Auricularia mesenterica - Gezonter Ohrlappenpilz (ebenfalls stark eingetrocknet; an toten, teilweise bemoosten Buchenstämmen)
  6. Biscogniauxia nummularia - Rotbuchen-Rindenkugelpilz (trotz seines Namens "Kugelpilz" bildet er flächige, schwarze Fruchtkörper aus, vor allem auf toten, noch berindeten Buchenästen)
  7. Calloria neglecta - Orangefarbiges Brennnesselbecherchen (an trockenen Brennnesselstängeln; mehr zu kleinen an diesem speziellen Substrat wachsenden Pilzen in einem Fundkorb-Beitrag >>>)
  8. Coleroa robertiani - winziger Phytoparasit an Storchschnabel (hierzu ein neuer Eintrag im Fotoalbum Tour 8: Kleinzeug >>>)
  9. Coprinus micaceus - Glimmertintling (durch fast rhombisch geformte Sporen vom makroskopisch kaum unterscheidbaren Weidentinrling zu trennen)
  10. Daedalea quercina - Eichenwirrling (99,9% aller Funde dürften von Eiche stammen, so dass man diese Art als wirtstreuen Baumpilz bezeichnen kann. Ein einziges Mal habe ich ihn beim "Fremdgehen" ertappt und dies in einem Fundkorb-Beitrag dokumentiert. An seinem lamellig-labyrinthischen Hymenophor ist er mit verbundenen Augen nur durch Anfühlen zu erkennen. Häufige Art) 
  11. Dendrothele acerina - Feldahorn-Baumwarzenpilz (am nördlichen Ende des Buchrainweihers auf der Rinde des am Ufer stehenden Feldahornbaums)
  12. Diatrype stigma - Flächiges Eckenscheibchen (an toten, noch berindeten Buchenästen)
  13. Diatrypella quercina - Eichen-Eckenscheibchen
  14. Eutypa spinosa - Stacheliger Krustenhöckerpilz (fühlt sich wie ein Reibeisen oder Schmirgelpapier an; an liegenden, noch berindeten Buchenstämmen)
  15. Fomes fomentarius - Zunderschwamm
  16. Fuligo septica - Gelbe Lohblüte (Schleimpilz = Myxomycet, mehrfach an morschem Holz gefunden)
  17. Ganoderma applanatum - Flacher Lackporling (häufiger Porling an totem Laubholz, v. a. an Buche. Kennzeichen: auf der hellen Porenschicht an der Hutunterseite lassen sich mit dem Fingernagel Linien, Bilder oder Buchstaben einritzen; selbstverständlich auch Herzchen mit dem Zusatz "... ..... ....")
  18. Geastrum triplex - Halskrausenerdstern (etliche Exemplare an zwei Fundstellen aus dem Vorjahr; mehr >>>)
  19. Gymnopus dryophilus - Waldfreundrübling (häufiger Blätterpilz, als Mischpilz verwendbar)
  20. Hypoxylon cohaerens - Zusammengedrängte Kohlenbeere (siehe Fotoalbum Tour 8: Kleinzeug)
  21. Hypoxylon fragiforme - Rötliche Kohlenbeere 
  22. Lachnellula occidentalis - Lärchen-Haarbecherchen
  23. Leptosphaeria acuta - Zugespitzter Kugelpilz (an trockenen Brennnesselstängeln; mehr zu kleinen an diesem speziellen Substrat wachsenden Pilzen in einem Fundkorb-Beitrag >>>)
  24. Lycogala epidendrum - Blutmilchpilz (Schleimpilz = Myxomycet, mehrfach an morschem Holz gefunden. Foto und Info im Fotoalbum Tour 1: 20 Pilze von A bis X)
  25. Megacollybia platyphylla - Breitblättriger Holzrübling (kurz Breitblatt genannt, ein Pilz wie "Haut und Knochen", sehr häufig. Zu Speisezwecken kaum zu empfehlen)
  26. Peniophora cinerea - Aschgrauer Cystidenrindenpilz
  27. Peniophora quercina - Eichen-Cystidenrindenpilz
  28. Peziza varia - Riesenbecherling
  29. Phaeolus spadiceus - Kiefernbraunporling (alte, geschwärzte Exemplare aus dem Vorjahr)
  30. Phallus impudicus - Stinkmorchel (mit echten Morcheln nicht verwandt und nicht verschwägert)
  31. Pleurotus ostreatus - Austernseitling (junge Fruchtkörper an Buche; sie den ausführlichen Artikel von Jürgen Fleßenkämper und Fotoalbum Tour 3: Pilze im Winter)
  32. Pluteus cervinus - Rehbrauner Dachpilz (siehe Fotoalbum >>>)
  33. Polyporus tuberaster - Sklerotienporling, Kleiner Schuppenporling (alles Wichtige über diesen jung essbaren und hervorragend schmeckenden Stielporling in einem ausführlichen Fundkorb-Beitrag >>> - sollten Sie unbedingt lesen!)
  34. Poliporus varius - Löwengelber Porling
  35. Psathyrella candolleana - Behangener Faserling (wer ihn sicher kennt, kann ihn in der Küche verwenden; besonders als Suppenpilz geeignet)
  36. Puccinia urticata - Brennnesselrost (an grünen Brennnesselblättern; mehr zu kleinen an diesem speziellen Substrat wachsenden Pilzen in einem Fundkorb-Beitrag >>>)
  37. Schizopora paradoxa - Veränderlicher Spaltporling
  38. Scutellinia spec. - indet. Schildborstling (die meisten dieser Ascomyzeten aus dieser Gattung sind nur mikroskopisch bestimmbar und das ist oft eine mühsame Arbeit)
  39. Stemonitis fusca -  (Schleimpilz = Myxomycet, mehrfach an morschem Holz gefunden)
  40. Stereum subtomentosum - Samtiger Schichtpilz
  41. Trametes gibbosa - Buckeltramete (mehrfach an totem Buchenholz gefunden)
  42. Trametes hirsuta - Striegelige Tramete (die Oberseite junger Pilze lässt sich wie ein zartes Fell streicheln)
  43. Trametes versicolor - Schmetterlingstramete (Abbildung und Info im Fotoalbum Tour 5: Pilze an Holz)
  44. Ustulina deusta - Brandkrustenpilz (mehrfach an Buchenstümpfen gesehen, bildet schwarze krustenförmige Beläge, im Frühjahr ist das hellgraue Konidienstadium am auffälligsten)
  45. Xylaria carpophila - Bucheckernfruchtschalen-Holzkeule
  46. Xylaria hypoxylon - Geweihförmige Holzkeule
  47. Xylaria multiforme - Vielgestaltige Holzkeule

(Dieter Gewalt)