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Fundliste 22.04.2012 MTB 6116.4.4

Traditionelle April-Exkursion im NSG Kühkopf

Erstmals in Kooperation mit dem Umweltamt der Stadt Rüsselsheim und dem Mykologischen Arbeitskreis Rhein-Neckar

Laut Internet-Wetterprognose wären Regenschirme angesagt gewesen. Aber statt der mit 70%iger Wahrscheinlichkeit zu erwartenden Regenschauer begleiteten Sonnenschein und ein blauer Himmel mit weißen Wölkchen unsere Wanderung. Und natürlich Bärlauchduft.

Unsere mykologischen Erwartungen wurden weitgehend erfüllt. Zahlreiche, zum Teil wunderschöne Speisemorcheln, einige Käppchenmorcheln sowie beeindruckende Morchelbecherlinge waren am Wegrand und nicht weit von ihm entfernt zu sehen. Der Becherförmige Sägeblättling hingegen ist ausgeblieben. Der als Substrat dienende Eichenast war offensichtlich schon zu stark vermorscht. Stattdessen hatten wir unsere helle Freude an etlichen Anemonenbecherlingen, die an diversen Fundstellen entdeckt wurden. Durch gezielte Suche konnten auch zwei winzige Ascomyzeten gefunden werden: Pezizella gemmarum und Trichopezizella nidula.

 

    Speisemorchel Morchella esculenta     (Fotos: Vraclav Masek)     Käppchenmorchel  Morchella gigas

Wie es sich gehört, hielten wir uns an die Spielregeln, die für die Begehung dieses Naturschutzgebietes gelten. Wir unterließen es, Gewässer zu verändern oder zu beseitigen, Feuchtgebiete zu entwässern, das Gebiet mit Kutschen zu befahren, zu baden, zu zelten, Wohnwagen aufzustellen oder Wiesen vom Außenrand nach innen zu mähen. Wir ließen keine Modellschiffe fahren oder Modellflugzeuge starten, nutzten auch keine Flächen zu ackerbaulichen Zwecken. Das alles und noch eine Menge mehr ist tatsächlich in der umfangreichen Verbotsliste zu lesen. Stattdessen verdiente sich Inga Illig besonderes Lob, indem sie Plastiktüten und andere Abfallpartikel aufsammelte und außerhalb des geschützten Areals entsorgte. In der Umgebung des Gartenlokals gab sie ihre Bemühungen auf. Da lag so viel Müll herum, dass man einen Aufräumtrupp hätte engagieren können.

Bei der Einkehr im Lokal habe ich nachgefragt, wo der Bärlauch für die Bärlauch-Hacksteaks und -schnitzel herkäme. Auf meine etwas hinterhältige Frage erhielt ich die brave Antwort: "Gekauft. Hier darf man ja nicht pflücken."     (Dieter Gewalt)

 

      Morchelbecherling Disciotis venosa       (Fotos: D. Gewalt)       Bärlauchrost  Puccinia allii

 

        Fundliste:

  1. Auricularia mesenterica - Gezonter Ohrlappenpilz (eingetrocknete Exemplare an indet. Holz)
  2. Calloria neglecta - Orangefarbiges Brennnesselbecherchen (auf vorjährigen Brennnesselstängeln; es gibt zahlreiche kleine und winzige Pilze, die auf diesem Substrat fruktifizieren. Mehr darüber >>>)
  3. Diatrype bullata - Blasiges Eckenscheibchen (auf abgestorbenen Weidenästchen)
  4. Diatrypella quercina - Eichen-Eckenscheibchen
  5. Diatrypella verrucaeformis - Warziges Eckenscheibchen (auf abgestorbenen Haselästen und -stämmen)
  6. Disciotis venosa - Morchelbecherling (andere Namen: Aderiger Becherling, Flatschmorchel. Siehe hierzu unseren Fundkorb-Beitrag >>>)
  7. Encoelia furfuracea - Haselbecherling, Kleiiger Büschelbecherling (eingetrocknete Exemplare an ihrem Hauptwirt; mehr über diesen Frühjahrspilz >>>)
  8. Enteridium lycoperdon - Stäublings-Schleimpilz (an indet. Totholz)
  9. Fomes fomentarius - Zunderschwamm (an toten Pappelstämmen)
  10. Ganoderma applanatum - Flacher Lackporling (an diversen liegenden indet. Baumstämmen)
  11. Hypoxylon fuscum - Rotbraune Kohlenbeere (an Hasel)
  12. Lentinus tigrinus - Getigerter Knäueling (an indet. Holz, vermutlich Weide; mehr >>>)
  13. Leptosphaerias acuta - Zugespitzter Kugelpilz (an vorjährigen Brennnesselstängeln; mehr >>>)
  14. Morchella esculenta - Speisemorchel (delikater Speisepilz, in relativ großer Zahl gefunden, fotografiert, aber natürlich am Standort belassen!)
  15. Morchella gigas - Käppchenmorchel, Halbfreie Morchel (auch hierzu mehr in einem Fundkorb-Beitrag >>>)
  16. Pezizella gemmarum - Pappelknospen-Becherchen (um diesen weniger als 1 mm kleinen Ascomyzeten zu finden, ist gezielte Suche gefragt. Er wächst auf abgefallenen, feucht unter Laub liegenden, vorjährigen Knospen und Knospenschuppen von Schwarzpappel; März bis April)
  17. Polyporus squamosus - Schuppiger Porling
  18. Psathyrella spadiceogrisea - Früher Mürbling
  19. Puccinia allii - Bärlauchrost (siehe Foto oben)
  20. Sclerotinia tuberosa - Anemonenbecherling (gleich etliche Exemplare an verschiedenen, z. T. weit auseinanderliegenden Stellen gefunden. Das hübsche Pilzchen scheint in diesem Jahr häufiger als sonst zu sein)
  21. Strobilurus esculentus - Fichtenzapfenrübling
  22. Trametes hirsuta - Striegelige Tramete
  23. Trametes versicolor - Schmetterlingstramete
  24. Trichopezizella nidula - Nestförmiges Haarbecherchen (an toten Stängeln vor allem von Polygonatum = Salomonsiegel, auch Wohlriechende Weißwurz genannt; bei gezielter Suche vom Frühjahr bis zum Herbst recht zuverlässig zu finden)