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Fundliste 20.05.2012 MTB 5918.4.3

Wir suchen den Maipilz

Pilz- und naturkundliche Wanderung rund um den Dietzenbacher Wollwiesenteich

 

  Maipilze (Calocybe gambosa)         (beide Fotos: D. Gewalt)          Nelkenschwindlinge (Marasmius oreades)

Etwa der Hälfte der 20 Exkursionsteilnehmer war der Maipilz Calocybe gambosa noch nicht bekannt. Um sicher zu gehen, dass ihn alle zu sehen bekommen, legten wir auf dem Weg zum Wollwiesenteich einen Zwischenstopp im Hessentagspark ein. Hier war der aufdringlich nach Mehl riechende Pilz wenige Tage zuvor in Massen gesichtet worden. Fast jeder nahm sich ein oder mehrere Exemplare mit nach Hause, um seinen extrem kontrovers beurteilten Geschmackswert zu testen. Die Fundkorb-Redaktion ist gespannt, wie er bewertet wird. Außerdem fanden wir auf der Wiese des Hessentagsparks etliche Nelkenschwindlinge Marasmius oreades, deren Speisewert von Pilzfreunden einhellig als gut bezeichnet wird. Ein wichtiges Erkennungsmerkmal dieser gern in Hexenringen wachsenden kleinen Pilze ist ihr Bittermandelgeruch (Blausäure).

Den Maipilz bekamen wir dann auch auf dem Fußweg zum Wollwiesenteich zu sehen. An der Löcherwiese wuchs er in beträchtlicher Zahl am Wegrand unter Gestrüpp und zwischen Brennnesseln. Auf der anderen Wegseite fanden wir eine Gruppe von Schlehenrötlingen (Entoloma sepium).

 

    Schlehenrötling (Entoloma sepium)    (beide Fotos: Margret Schwarz)    Judasohr (Auricularia auricula-judae)

Am Wollwiesenteich waren die Maipilze weniger zahlreich und schon in sehr fortgeschrittenem Alter. Dafür wartete der Rundgang mit einer für die Jahreszeit beeindruckenden Vielfalt von Pilzarten auf. Als Pilz des Tages durfte ein wunderschönes Exemplar des Löwengelben Dachpilzes Pluteus leoninus bezeichnet werden. Wir fanden ihn in der vom Regen aufgeweichten Senke am Ostrand des Teiches. Hier waren einige Totholzstämme dicht mit Judasohren (Auricularia auricula-judae) bewachsen. Sie zeigten sich in perfektem Entwicklungsstadium (siehe Foto) und wurden eifrig für die Küche abgesammelt. Dass wir hier unter Weißdorn auch den Schildrötling Entoloma clypeatum fanden, war ein weiterer Höhepunkt der unerwartet erfolgreichen Exkursion. Die Stockschwämmchen (Pholiota mutabilis) waren zu alt, um noch für die Pfanne zu taugen. Aus ornithologischer Sicht sei noch angefügt, dass sich am Wollwiesenteich offenbar ein Graureiherpaar niedergelassen hat. Ob zur Freude der Angler, die den Teich angelegt haben, sei dahingestellt.

 

Löwengelber Dachpilz (Pluteus leoninus, Foto: Margret Schwarz) Schildrötling (Entoloma clypeatum, Foto: D. Gewalt)

Zu den optisch schönsten Funden gehörten einige Büschel des Gelbblättrigen Waldfreundrüblings Gymnopus ocior, hier auf einem Foto von Felix Hampe zu sehen.

 

Fundliste Hessentagspark:

  1. Agrocybe pediades - Halbkugeliger Ackerling (kleiner Blätterpilz mit reif bräunlichen Lamellen = Gattungsmerkmal)
  2. Agrocybe praecox - Voreilender Ackerling (mehrfach gefunden; deutlich größer als die vorige Art, mit vergänglichem Stielring. Der Pilz ist essbar, aber wer auf ihn verzichtet, hat nichts versäumt)
  3. Calocybe gambosa - Maipilz (siehe Fotoalbum Tour 10: Frühjahrspilze)
  4. Galerina laevis - Rasenhäubling
  5. Ganoderma applanatum - Flacher Lackporling (zahlreich an Pappelstümpfen)
  6. Marasmius oreades - Nelkenschwindling (mehr über diesen wohlschmeckenden Speisepilz im Fundkorb-Fotoalbum Tour 4: Auf der grünen Wiese >>>)
  7. Xylaria carpophila - Buchenfruchtschalen-Holzkeule

Fundliste Löcherwiese:

  1. Agrocybe pediades - Halbkugeliger Ackerling (kleiner Blätterpilz mit reif bräunlichen Lamellen = Gattungsmerkmal)
  2. Agrocybe praecox - Voreilender Ackerling (mehrfach gefunden; deutlich größer als die vorige Art, mit vergänglichem Stielring)
  3. Calloria neglecta - Orangefarbiges Brennnesselbecherchen (mehr über solche winzigen an vorjährigen Brennnesselstängeln wachsenden Pilzchen, zumeist Ascomyzeten, in einem ausführlichen Fundkorb-Beitrag >>>)
  4. Calocybe gambosa - Maipilz (siehe Fotoalbum Tour 10: Frühjahrspilze)
  5. Entoloma sepium - Schlehenrötling (auf einer kleinen Rasenfläche am Wegrand unter Schlehe gefunden. Der Pilz ist essbar, darf aber nur von guten Pilzkennern gesammelt werden, die ihn sicher von anderen, z. T. giftigen Arten unterscheiden können)
  6. Leptosphaeria acuta - Zugespitzter Kugelpilz (mehr über solche winzigen an vorjährigen Brennnesselstängeln wachsenden Pilzchen, zumeist Ascomyzeten, in einem ausführlichen Fundkorb-Beitrag >>>)
  7. Trochila craterium (winziger, spaltlippenähnlicher Schlauchpilz auf trockenen Efeu-Blättern)

Fundliste Wollwiesenteich:

  1. Agaricus silvaticus - Wald-Champignon, Kleiner Blutegerling (essbare Champignonart mit beschupptem Hut und rötendem Fleisch)
  2. Agrocybe pediades - Halbkugeliger Ackerling (kleiner Blätterpilz mit reif bräunlichen Lamellen = Gattungsmerkmal)
  3. Agrocybe praecox - Voreilender Ackerling (deutlich größer als die vorige Art, mit vergänglichem Stielring)
  4. Auricularia auricula-judae - Judasohr (massenhaft an indet. unberindeten Laubholzstämmen, vermutlich Erle; der Pilz ist auch als China-Morchelbekannt. Tipp: getrocknet entwickelt er wenigstens eine Spur von Eigengeschmack)
  5. Auricularia mesenterica - Gezonter Ohrlappenpilz(an Totholz; kein Speisepilz. Die Unterseite der lappigen Fruchtkörper ähnelt denen der Judasohren, ist aber meist stärker gefaltet-gefurcht)
  6. Calloria neglecta - Orangefarbiges Brennnesselbecherchen (mehr über solche winzigen an vorjährigen Brennnesselstängeln wachsenden Pilzchen, zumeist Ascomyzeten, in einem ausführlichen Fundkorb-Beitrag >>>)
  7. Calocybe gambosa - Maipilz (siehe oben und Fotoalbum >>>)
  8. Coprinus disseminatus - Gesäter Tintling(an bemoostem Totholz, kleine Pilzchen, auffällig durch ihr "wie gesät" erscheinendes Wachstum)
  9. Daedaleopsis confragosa - Rötende Tramete (zu den Porlingen gehöriger Baumpilz, hier an Weide und Erle gefunden)
  10. Entoloma clypeatum - Schildrötling (bei Weißdorn; Der Pilz ist essbar, darf aber nur von guten Pilzkennern gesammelt werden, die ihn sicher von anderen, z. T. giftigen Arten unterscheiden können. Mehr über diese Art im Fotoalbum Tour 10: Frühjahrspilze)
  11. Ganoderma applanatum - Flacher Lackporling (an Totoholz)
  12. Gymnopus dryophilus - Waldfreundrübling (wohl der häufigste Rübling in unseren Wäldern; essbar, aber höchstens von Mischpilzqualität)
  13. Gymnopus ocior - Gelbblättriger Waldfreundrübling (wuchs in mehreren Büscheln nahe am Weg an der Ostseite des Weihers. Mit helleren Hutfarben wäre die Art schon am Standort erkannt worden, aber auch die dunkleren Hüte sorgten nur kurzzeitig für Irritation)
  14. Hypholoma fasciculare - Grünblättriger Schwefelkopf(büschelig an Laubholzstumpf, noch sehr junge Fruchtkörper; der häufige Pilz ist magen-darm-giftig und hat einen bitteren Geschmack)
  15. Hypoxylon fragiforme - Rötliche Kohlenbeere (mehr >>>)
  16. Isaria umbrina - Parasitischer Fadenpilz (mehr >>>)
  17. Laccaria laccata - Rötlicher Lackpilz(nur ein Exemplar gefunden; essbar)
  18. Leptosphaeria acuta - Zugespitzter Kugelpilz (mehr über solche winzigen Pilzchen, zumeist Ascomyzeten, in einem ausführlichen Fundkorb-Beitrag >>>)
  19. Megacollybia platyphylla - Breitblättriger Holzrübling(auch kurz "Breitblatt" genannt. Ein Pilz wie "Haut und Knochen" - die Lamellen sind praktisch an der Huthaut angeheftet. Er wächst stets in Verbindung mit Holz oder vergrabenen Holzresten. Auffällig sind dickliche, weiße Myzelstränge am Stielgrund. Für die Küche kaum geeignet.)
  20. Mycena acicula - Orangeroter Helmling (hübsches kleines Blätterpilzchen, das zur Sektion Adonidae - den "Schönen", von Adonisabgeleitet - gehört)
  21. Panellus stypticus - Herber Zwergknäueling (überständige Exemplare aus dem Winterhalbjahr)
  22. Paxillus filamentosus - Erlenkrempling(strikt an Erlen gebundene Art, die trotz ihres lamelligen Hymenophors mit den Röhrlingen verwandt ist. Giftig!)
  23. Pholiota mutabilis - Stockschwämmchen (an Laubholzstumpf, vermutlich Erle. Ausgezeichneter Speisepilz, aber wegen Verwechslung mit dem tödlich giftigen Gifthäubling nur von sehr erfahrenen Pilzkennern zu sammeln. Grundsätzlich gilt wegen des hohen Risikos, dass beide Arten am gleichen Stumpf oder Stamm nebeneinander vorkommen können: Hände weg vom Stockschwämmchen! Mehr dazu im Fotoalbum Tour 9: Pilze an Holz >>>)
  24. Pluteus leoninus - Löwengelber Dachpilz(die wohl schönste Dachpilzart. Siehe Foto oben)
  25. Polyporus ciliatus - Maiporling
  26. Stereum ostrea - Braunsamtiger Schichtpilz(sollte vielleicht besser Rotbraunsamtiger Schichtpilz heißen)
  27. Strobilurus stephanocystis - Milder Zapfenrübling (auf Kiefernzapfen wachsend, vor allem auf im Boden vergrabenen)
 

        (Dieter Gewalt, 21.05.2012)