Statistik
Startseite > Fundlisten > Fundliste 17.09.2011 MTB

Fundliste 17.09.2011 MTB

Die etwas andere Pilzwanderung in der Freigerichter Bucht am Nordrand des Spessart

Wandern und gleichzeitig nach Pilzen Ausschau halten, das erscheint im ersten Moment eine gewagte Mischung zu sein. Deshalb waren wir sehr erfreut, dass so viele Interessenten sich an diesem Spätsommertag eingefunden hatten, dessen Frühnebel bereits den Herbst anzukündigen schien. Am Treffpunkt Gasthaus Fernblick oberhalb des Kinzigtals kamen mehr als 25 an Pilzen interessierte und dem Wandern verbundene Teilnehmer zusammen. Der Blick auf die Ronneburg und hinüber zum Vogelsberg, dem größten vulkanischen Massiv in Europa, war noch verschleiert. Beide sollten sich im Laufe des Tages aber noch in klarem Sonnenlicht zeigen.

  

 

Gleich auf den ersten Metern unseres Weges präsentierte sich unter Lärchen eine Gruppe Goldröhrlinge die ihrem Namen Ehre machten. Weiter ging es in den Wald hinein zum B-Weg, dessen Namensgebung Birkenhainer Straße auf die Zusammenführung mehrerer Wege an einem Birkenhain bei der Ortschaft Geiselbach zurückgeht. Aber das reicht weit zurück ins frühe Mittelalter. Kaiser Barbarossa ist auf diesem Weg entlang gezogen, wenn er von seiner Residenz in Mainz in die Kaiserpfalz nach Gelnhausen reiste. In einer Zeit, in der die Täler feucht, sumpfig und unberechenbar sind, ist der beschwerliche Weg über die Höhen das kleinere Übel. 

Aber vorerst verließen wir den B-Weg wieder, um hinunter zum Ort Neuses zu gelangen. Nicht ohne die Grünblättrigen Schwefelköpfe zu bemerken, die gelben Ränder an den nachwachsenden Kiefernbraunporlingen zu bestaunen und Täublinge in nahezu jeder Farbe genau zu studieren.  

Durch Neuses, den Ort der im 19.Jahrhundert berühmt wurde für die Herstellung eines ganz neuen Modeartikels, des Portemonaie, ging unser Weg wieder hinauf auf einen Kamm von dessen Rücken man alle fünf Kirchtürme der zur Gemarkung Freigericht zusammengeschlossen Ortschaften sehen kann. Goldmistpilz, Kahler Krempling und mehrere Schwindlinge waren unsere Begleiter. 

Hinunter zum alten Steinbruch bei Horbach dann einige tolle Funde! Apfelbäume: voller reifer Früchte, lecker und verlockend. Die Körbe der Sammler wurden schwerer als erwartet und die Laune besser als erhofft. So gestärkt war der Fund mehrerer Hexenröhrlinge am Rand eines Buchenhains nur das i-Tüpfelchen. Die leuchtend rotbraune Farbgebung, kombiniert mit der faszinierenden Blaufärbung bei Verletzung, erklären den Namen und den Glauben an Hexerei. 

Am Steinbruch angekommen, dessen Azurit-Vorkommem in Hessen einmalig ist und europaweit auch durch bedeutende pflanzliche Fossilien-Funde Anerkennung findet, begrüßten uns an einem alten Holunderstrauch einige Judasohren.  Der Name diese Pilzes geht zurück auf eine Anekdote zu Beginn unserer modernen Zeitrechnung. Aber auch zu der damaligen Zeit haben Frauen schon Azurit zermahlen, um mit dem gewonnenen Pulver die Augenlider blau zu färben.

An der alten Schule in Horbach, fanden wir dann zwei schöne Champignons. Beide groß, beide mit einer leichten Gelbfärbung bei Druck oder Verletzung. Der eine nach Karbol, der andere nach Anis riechend. Der erste ungeniessbar, der zweite essbar. Die Pilze machen es einem nicht leicht.

Gelegenheit für eine kurze Rast nach 8 km Wegstrecke bot die Mariengrotte im Wald bei Horbach. Ein wunderschöner Ort zum verweilen, der zudem auch noch einen seltenen Hohlfußröhrling und ein paar Pfifferlinge für uns bereit hielt. 

Die Rast war nötig, ging es doch jetzt unentwegt zwei Kilometer hinauf zum Gasthof Fronbügel, wiederum am B-Weg gelegen, der hier die genaue Grenze zwischen Hessen und Bayern bildet. Dass wir unterwegs Steinpilze, Gallenröhrlinge und Herbstlorcheln fanden, blieb beinahe unkommentiert, brauchten wir doch die Luft für den Anstieg. Aber dann waren wir oben. Am Frohnbügel! Dort, wo das Freigericht vor 1000 Jahren seinen Namen erhielt, als einheimische Bauern ihrem Kaiser Friederich Barbarossa bei einem Überfall beistanden, den Feind vertrieben und zum Dank dafür die Freie Gerichtsbarkeit erhielten. 

Natürlich kehrten wir hier ein. 

Ein erfrischendes Getränk, Frankfurter Rindswurst und bayerische Weißwurst waren gleichsam erhältlich. So gestärkt verfolgte jeder interessiert die abschließende Fundbesprechung, bei der vor allem Orangeroter Helmling, Mausgrauer Scheidling und Grauer Lärchenröhrling zu den schönsten und selteneren Arten gezählt werden dürfen. Besondere Beachtung fand die Gattung der Dickröhrlinge, von denen fünf verschiedene Arten in den Körben lagen, darunter Steinpilz, Hexen- und Wurzelnder Bitter-Röhrling

Das gemeinsame Bummeln zurück zum Fernblick war fröhlich und leicht. Vogelsberg und Ronneburg präsentierten sich nun deutlich im Licht der untergehenden Sonne.

Dort könnte man auch mal wandern mit der FundGroup. Im nächsten Jahr vielleicht!

 

        Fundliste:

  1. Agaricus arvensis - Schaf-Champignon
  2. Agaricus semotus - Weinrötlicher Zwerg-Champignon
  3. Agaricus xanthoderma - Karbol-Egerling (einer der giftigen Champignon-Arten; Egerling ist der alte deutsche Name für Champignons)
  4. Amanita excelsa - Grauer Wulstling
  5. Amanita fulva - Rotbrauner Scheidenstreifling  >>>
  6. Amanita rubescens - Perlpilz
  7. Amanita vaginata - Grauer Scheidenstreifling
  8. Auricularia auricula-judae - Judasohr
  9. Biscogniauxia nummularia - Rotbuchen-Rindenkugelpilz
  10. Bjerkandera fumosa - Graugelber Rauchporling
  11. Bolbitius vitellinus - Goldmistpilz
  12. Boletinus cavipes - Hohlfußröhrling
  13. Boletus edulis - Gemeiner Steinpilz  >>>
  14. Boletus erythropus - Flockenstieliger Hexenröhrling
  15. Boletus luridus - Netzstieliger Hexenröhrling
  16. Boletus pulverulentus - Schwarzblauender Röhrling
  17. Boletus radicans - Wurzelnder Bitter-Röhrling
  18. Cantharellus cibarius - Pfifferling
  19. Clavulina rugosa - Runzlige Koralle
  20. Clitocybe odora - Grüner Anis-Trichterling
  21. Coprinus cinereus - Struppiger Tintling
  22. Cyathus striatus - Gestreifter Teuerling  (alles über diese bemerkenswerte Gruppe von Pilzen inkl. Bestimmngsschlüssel im Fundkorb-Artikel Vogelnestpilze)
  23. Deadaleopsis confragosa var. tricolor - Rötende Tramete (lamellige Varietät)
  24. Fomitopsis pinicola - Rotrandiger Baumschwamm (siehe Fotoalbum Tour 5: Pilze an Holz)
  25. Fuligo septica - Gelbe Lohblüte
  26. Ganoderma applanatum - Flacher Lackporling
  27. Gloeophyllum odoratum - Fenchelporling
  28. Hebeloma crustuliniforme - Tonblasser Fälbling (nach seinem Geruch auch Kleiner Rettich-Fälbling genannt)
  29. Helvella crsipa - Herbstlorchel
  30. Helvella ephippium - Sattellorchel
  31. Hypholoma fasciculare - Grünblättriger Schwefelkopf
  32. Lactarius quietus - Eichen-Milchling
  33. Lactarius subdulcis - Süßlicher Milchling
  34. Leccinum scabrum - Birken-Raufuß
  35. Lenzites betulinus - Birkenblättling (besonders schöne Exemplare an einem Birkenast; die Art wächst auch gern an Buche)
  36. Lycoperdon perlatum - Flaschenstäubling
  37. Marasmius oreades - Nelkenschwindling
  38. Macrolepiota procera - Großer Riesenschirmlng, Parasol (z. Teil in jungen Paukenschlegel-Stadien, für die meisten Teilnehmer noch gar nicht als Riesenschirmling erkennbar. Ausgebreitete Hüte sind als Schnitzel gebraten eine Delikatesse. Wichtigstes Merkmal dieser Gattung ist der wattige, am Stiel verschiebbare Ring)
  39. Megacollybia platyphylla - Breitblättriger Holzrübling (kurz Breitlatt gennant, ein Pilz "wie Haut und Knochen")
  40. Mycena acicula - Orangeroter Helmling (sehr hübscher kleiner Blätterpilz, gehört in die Sektion Adonidae = die Schönen, die nach einer Gestalt aus der griechischen Mythologie benannt)
  41. Mycena leptocephala - Grauer Nitrathelmling
  42. Paxillus atrotomentosus - Samtfußkrempling
  43. Paxillus involutus - Verkahlender Krempling
  44. Paxillus validus - Robuster Krempling (in einer der Ortschaften bei Birken)
  45. Peniophora quercina - Eichen-Cystidenrindenpilz
  46. Phaeolus spadiceus - Kiefernbraunporling
  47. Pholiota flammans - Feuerschüppling (siehe Fotoalbum Tour 5: Pilze an Holz)
  48. Pluteus cervinus - Rehbrauner Dachpilz
  49. Polyporus tuberaster - Sklerotien-Porling, Kleiner Schuppenporling
  50. Polyporus varius - Löwengelber Porling
  51. Psathyrella candolleana - Behangener Faserling
  52. Rickenella fibula - Orangeroter Heftelnabeling
  53. Russula amara - Buckeltäubling
  54. Russula cyanoxantha - Frauentäubling
  55. Russula ionochlora - Papageitäubling
  56. Russula nigricans - Dickblättriger Schwärztäubling
  57. Russula ochroleuca - Ockertäubling
  58. Russula vesca - Speisetäubling
  59. Russula violeipes - Violettstieliger Täubling, Pfirsisch-Täubling
  60. Russula viescens - Grüngefelderter Täubling
  61. Schizophyllum commune - Spaltblättling
  62. Scleroderma citrinum - Dickschaliger Kartofelbovist
  63. Suillus grevillei - Goldröhrling (standorttreu nur bei Lärchen zu finden)
  64. Suillus viscidus - Grauer Lärchenröhrling (ebenfalls ein obligater, aber nicht häufiger Lärchenbegleiter)
  65. Trametes gibbosa - Buckeltramete
  66. Trametes versicolor - Schmetterlingstramete (siehe Fotoalbum Tour 5: Pilze an Holz)
  67. Trichaptum abietinum - Gemeiner Violettporling
  68. Tricholoma sulphureum - Schwefelritterling(sein unangenehmer Leuchtgas-Geruch macht ihn unverwechselbar)
  69. Volvariella gloiocephala - Großer Scheidling (auf einer der Weiden)
  70. Volvariella murinella - Mausgrauer Scheidling
  71. Xerocomus badius - Maronenröhrling
  72. Xerocomus chrysenteron - Rotfußröhrling
  73. Xerula radicata - Grubiger Schleimrübling
  74. Xylaria carpophila - Buchenfruchtschalen-Holzkeule
  75. Xylaria hypoxylon - Vielgestaltige Holzkeule