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Fundliste 09.08.2009 MTB 5918.1.2

FundGroup-Wanderung am Maunzenweiher

 

                       Maunzenweiher                                                   Boletus radicans

In Anbetracht der seit fast zwei Wochen anhaltenden Trockenheit konnten wir mit der Ausbeute an Pilzen sehr zufrieden sein. Die Fundliste enthält mehr als 80 Einträge, darunter elf Täublingsarten (inkl. zwei der schmackhaftesten) sowie fünf Stielporlinge, von denen zwei einem Küchentest unterzogen wurden.

 

                    Polyporus tuberaster                                           Gymnopus fusipes

(Fotos: Gymnopus fusipes von Ariane Martinez-Oeckel, die übrigen von Dieter Gewalt)

Rund um den Maunzenweiher sind kalkhaltige Böden anzutreffen, was im Rhein-Main-Gebiet eine nicht sehr häufige Ausnahme darstellt. Diesem Umstand ist ein Vorkommen des Wurzelnden Bitterröhrlings Boletus radicans zu verdanken. Die Pilze fruktifizierten knäuelig miteinander verwachsen am Zementfundament der Rasthütte am Westufer (siehe Foto). Sie sind mit dem Steinpilz verwandt, wegen ihrer Bitterkeit aber nicht küchentauglich. Häufig zu finden war der Spindelige Rübling Gymnopus fusipes (früher in der Gattung Collybia geführt), darunter auch das abgebildete, auffallend deformierte Exemplar. Dieser Pilz wächst bevorzugt am Grund von lebenden Eichen oder Eichenstümpfen, an denen er in dichten Büscheln hervorbricht und mit seinen schmutzig-rostfleckigen Farben, den verdrehten Stielen und seiner knorpeligen Beschaffenheit nicht gerade einen appetitanregenden Eindruck macht. Trotzdem wurde auch er in der Küche getestet. Zum Schluss fanden wir noch nahe am Parkplatz die zwiebelförmigen Knollen eines Erdsterns, der in diesem Jugendtadium noch nicht bestimmbar war. (Bei einer späteren Begehung konnte der Fall geklärt werden: es handelte sich um Halskrausen-Erdsterne Geastrum triplex)

        K ü c h e n t e s t

Mit dem Sklerotienporling Polyporus tuberaster hat sich schon Goethe befasst, wenn auch mehr aus wissenschaftlichem als aus kulinarischem Interesse (ausführliche Informationen zu diesem interessanten Pilz im Fundkorb >>>). In italienischen Fürstenhäusern galt er schon vor ein paar hundert Jahren als Delikatesse, in Deutschland ist er dagegen kaum in den Verdacht geraten, ein exzellenter Speisepilz zu sein. Das mag wohl an seiner Zugehörigkeit zu den meist holzigen, korkigen oder zumindest zähfleischigen Porlingen liegen. Machen wir also eine Probe aufs Exempel! Der einzelne Fruchtkörper, den wir an einem dicken Buchenast gefunden haben, wurde mit nach Hause genommen, sogleich in mundgerechte Stücke zerteilt und ohne weitere Zutaten mit Sonnenblumenöl in der Pfanne gebraten. Der gleichen Prozedur wurden auch die Schuppigen Porlinge (Polyporus squamosus) unterzogen, deren junge Fruchtkörper einen appetitanregenden Eindruck machten. Das Resultat war in beiden Fällen äußerst positiv. Vor allem der Sklerotienporling ist eine echte Empfehlung. Von beiden wurden auch einige mit etwas Pfeffer, Salz und Knoblauch gewürzte Stücke gebraten. Sie schmeckten total lecker. Um den Eigengeschmack der Pilze nicht zu überdröhnen, sollte man mit Gewürzen allerdings sparsam umgehen. Wichtig ist vor allem, nur junge, weichfleischige Pilze zu verwenden. Besonders der Schuppige Porling kann beachtliche Größen erreichen und dürfte im Alter ungenießbar zäh werden.

Vom Spindeligen Rübling haben wir nur die Hüte junger Pilze mitgenommen und wie die Porlinge zubereitet. Mit deren Geschmackswert konnten sie zwar nicht konkurrieren, aber sie schmeckten besser als ihr Erscheinungsbild erwarten ließ. Mein Urteil: als Mischpilze sind sie sicher nicht zu verachten. In der Literatur werden sie meist als ungenießbar angegeben, wegen ihres angeblich aufdringlichen Geruchs und zähen Fleisches. Ich finde, Arten mit "Biss" passen durchaus in ein Pilzgericht.  (Dieter Gewalt)

      F u n d l i s t e :

  1. Amanita excelsa - Grauer Wulstling (nur ein Exemplar; gilt als einer der Doppelgänger des Perlpilzes; wegen seines muffigen Geschmacks nicht zu empfehlen)
  2. Amanita fulva - Rotbrauner Scheidenstreifling (mehrere Funde; siehe Fotoalbum: 20 Pilze von A - X)
  3. Amanita phalloides - Grüner Knollenblätterpilz (etliche Fk, darunter auch ein Kümmerexemplar, zwar ausgewachsen, aber kaum 4 cm groß und extrem schmächtig. Tödlich giftig! Im Rhein-Main-Gebiet ist die Art sehr häufig, daher haben Pilzfreunde genügend Gelegenheiten, diesen gefährlichen Killer gründlich kennenzulernen, um sich vor gefährlichen Verwechslungen zu schützen. Kommt vor allem bei Eichen vor, ist aber auch bei anderen Laubbäumen zu finden; Mykorrhizapilz)
  4. Amanita rubescens - Perlpilz (an seinen durchscheinend fleischrosa Farbtönen zu erkennen; auch Madenfraßgänge zeigen diese charakteristische Verfärbung. Wer ihn nicht sicher kennt, sollte ihn meiden. Verwechslungsgefahr mit dem giftigen Pantherpilz)
  5. Amanita vaginata - Grauer Scheidenstreifling (im weichen, tiefgründigen Sand eines Reitweges!)
  6. Ascodichaena rugosa - Schwarzer Rindenschorf (auf der Rinde lebender Bäume)
  7. Biscogniauxia nummularia - Rotbuchen-Rindenkugelpilz (ist keineswegs kugelig, sondern flächig flach und schwarz)
  8. Boletus radicans - Wurzelnder Bitterröhrling (etliche knäuelig miteinander verwachsene Fk; Poren lebhaft hellgelb, auf Druck blaugrün verfärbend, Fleisch hellblau anlaufend, bitter. Begleitbäume: Rotbuchen. Wächst nur auf kalkhaltigen Böden. Siehe Foto oben)
  9. Calocera viscosa - Klebriger Hörnling (auf Nadelholz)
  10. Clathrus archeri - Tintenfischpilz (mehrmals gefunden, zumeist als Hexeneier im trockenen Falllaub)
  11. Clavulina coralloides - Kammkoralle (am Ufer des Weihers)
  12. Colpoma quercinum - Eichen-Schildbecherling
  13. Crepidotus cesatii - Rundsporiges Stummelfüßchen (an Laubholzästchen; siehe Fotoalbum: Pilze an Holz)
  14. Cyathus striatus - Gestreifter Teuerling (auf morschen Holzresten; mehr über Teuerlinge >>>)
  15. Cyathicula cyathiformis - Pokalförmiger Stängelbecherling (an vorjährigem Brennnesselstängel; mehr über Pilze an diesem speziellen Substrat >>>)
  16. Daedalea quercina - Eichenwirrling (sehr wirtstreuer, korkig-zäher Porling mit beeindruckendem labyrinthartigen Hymenophor)
  17. Daedaleopsis confragosa - Rötende Tramete (an div. Laubbäumen wie Birke, Erle, Buche gefunden)
  18. Diatrype disciformis - Buchen-Eckenscheibchen
  19. Diatrype stigma - Flächiges Eckenscheibchen (an berindeten Buchenästen)
  20. Diatrypella favacea - Birken-Eckenscheibchen
  21. Diatrypella quercina - Eichen-Eckenscheibchen
  22. Eutypa spinosa - Stacheliger Krustenhöckerpilz (auf Buchenästen)
  23. Fomes fomentarius - Zunderschwamm (an Buche)
  24. Fuligo septica - Gelbe Lohblüte (auffälliger, unverwechselbarer Schleimpilz)
  25. Ganoderma applanatum - Flacher Lackporling (an totem Buchenstamm)
  26. Gloeophyllum odoratum - Fenchelporling (sowohl frische als auch vorjährige Fk gemeinsam an einem Fichtenstumpf; Geruch zunächst ungewohnt süßlich; der typische fenchel- bzw. anisartige Geruch war dann aber zu Hause zweifelsfrei vorhanden)
  27. Gloeophyllum sepiarium - Zaunblättling (an Kiefernholz)
  28. Gymnopus dryophilus - Waldfreundrübling (sehr häufiger kleiner Blätterpilz, in der Laubstreu)
  29. Gymnopus fusipes - Spindeliger Rübling (mehrfach am Grund lebender Eichen; bei dieser Pilzart sind nicht selten auffällige Missbildungen zu beobachten - siehe Foto oben)
  30. Hapalopilus nidulans - Weicher Zimtporling (an Laubholz; giftig. Siehe auch Fotoalbum: Pilze an Holz)
  31. Heterobasidion annosum - Wurzelschwamm (gefüchteter Forstschädling, vor allem an Nadelholz)
  32. Hypholoma lateritium - Zigelroter Schwefelkopf (an Eichenstumpf)
  33. Hypoxylon fragiforme - Rötliche Kohlenbeere (an toten Buchenästen und -stämmen; siehe auch Fotoalbum: Pilze an Holz)
  34. Junghuhnia nitida - Schönfarbiger Resupinatporling (an Buchenast; siehe auch Fotoalbum: Pilze an Holz)
  35. Lactarius deliciosus - Edelreizker (unter Kiefer, ein Fk, delikater Speisepilz, zum Braten und frittieren geeignet; gehört zu den karottenrot-milchenden Arten)
  36. Leccinum pseudoscabrum - Hainbuchen-Raufuß (sieht dem Birkenpilz zum Verwechseln ähnlich, ist wie dieser essbar, kommt aber nur bei Hainbuchen vor)
  37. Leccinum scabrum - Birkenpilz, Birken-Raufuß (nur bei Birken; wenn festfleischig, guter Speisepilz)
  38. Lentinus torulosus - Laubholz-Knäueling (sehr schöne junge Fk. an berindetem Buchenstamm)
  39. Leptosphaeria acuta - Zugespitzter Kugelpilz (mehr über winzige Pilze an Brennnesselstängeln >>>)
  40. Lyophyllum decastes - Büschelrasling (schade: wenn die gefundenen Büschel nicht schon stark angetrocknet gewesen wären, hätten sie eine exzellente Pilzmahlzeit abgegeben)
  41. Marasmius rotula - Halsbandschwindling (ebenso vertrocknet, auf Laubholzästchen)
  42. Megacollybia platyphylla - Breitblatt (häufige Art, fruktifiziert nur, wenn Kontakt zu Holz, oft vergraben; für die Küche nicht geeignet)
  43. Meripilus giganteus - Riesenporling (an Buche; noch jung, aber dennoch eindrucksvoll)
  44. Oligoporus subceasius - Fastblauer Saftporling (an totem, berindetem Buchenholz)
  45. Peniophora quercina - Eichen-Cystidenrindenpilz
  46. Phaeolus spadiceus - Kiefernbraunporling (mehrfach bei Kiefern; Forstschädling)
  47. Phallus impudius - Stinkmorchel (Hexenei)
  48. Piptoporus betulinus - Birkenporling (100%-ig wirtstreuer, einjähriger Porling; mehr über ihn im Fotoalbum)
  49. Pleurotus pulmonarius - Löffelstieliger Seitling (an berindetem Buchenstamm; Verwandter des Austernseitlings, wie dieser essbar, aber etwas zäher)
  50. Pluteus cervinus - Rehbrauner Dachpilz (an indet. Laubholz; Abb. siehe Fotoalbum: 20 Pilze von A - X)
  51. Polyporus arcularius - Weitlöcheriger Porling, Borstrandiger Porling (an Laubholzästchen)
  52. Polyporus badius - Schwarzroter Porling (an Eiche)
  53. Polyporus squamosus - Schuppiger Porling (schönes Büschel junger Fk, siehe Küchentest oben)
  54. Polyporus tuberaster - Sklerotienporling, Kleiner Schuppenporling (ebenfalls in der Küche getestet und für gut befunden; siehe Küchentest oben und weitere Informationen im Fundkorb)
  55. Polyporus varius - Löwengelber Porling (an indet. Laubholzästchen)
  56. Russula amara - Buckeltäubling (bei Kiefern; essbar, Huthaut kann etwas bitter sein, daher Abziehen empfohlen; mehr im Fotoalbum und siehe auch: Gibt es bittere Täublinge?
  57. Russula atropurpurea - Purpurschwarzer Täubling (Begleitbäume: Buchen, Eichen, Hainbuchen; Geschmack in den Lamellen mäßig scharf, Schärfe jedoch bald vergehend; wird in der Literatur als essbar angegeben)
  58. Russula delica - Gemeiner Weißtäubling (sein Erscheinungsbild täuscht oft einen weißen Milchling vor; Stiel meist auffallend kurz; gilt als essbar)
  59. Russula emetica var. betularum - Birken-Speitäubling (sehr scharfe Art, verursacht Magen- Darmstörungen)
  60. Russula ionochlora - Papageitäubling (sieht dem Frauentäubling ähnlich, jedoch schmächtiger und mit splitternden Lamellen; essbar)
  61. Russula nigricans - Dickblättriger Schwärztäubling (mehr über diesen leicht kenntlichen Täubling im Fotoalbum: 20 Pilze von A bis X)
  62. Russula ochroleuca - Ockertäubling (mit Abstand häufigste Russula in Mitteleuropa; essbar aber nicht schmackhaft)
  63. Russula risigallina var. acetolens Syn.: R. lutea, acetolens, chamaeleontina var. lutea) - Dottertäubling (bei Kiefern; weichfleischig, Geschmack mild, Spp. dottergelb, auch die Lamellen färben sich durch Sporenabwurf dottergelb; essbar)
  64. Russula rosea - Harter Zinnobertäubling (sehr festfleischige, rote Art; trotz milden Geschmacks nicht für die Küche geeignet)
  65. Russula sanguinaria - Blutroter Täubling (scharfe, ungeniessbare Art, bei Kiefern)
  66. Russula vesca - Speisetäubling (wichtiges Merkmal: die etwas zu kurz geratene Huthaut; eine der schmackhaftesten Täublingsarten)
  67. Russula virescens - Grüngefelderter Täubling (die grünfelderig aufreißende Huthaut ist ein zuverlässiges Merkmal. Bei Kennern als schmackhafteste Täublingsart geschätzt, dem Steinpilz absolut ebenbürtig)
  68. Schizophyllum commune - Spaltblättling (an berindetem toten Buchenholz, gehört zu den Erstbesiedlern an diesem Substrat; Kosmopolit)
  69. Schizopora paradoxa - Veränderlicher Spaltporling (an Eiche)
  70. Scleroderma citrinum - Dickschaliger Kartoffelbovist (massenhaft gefunden; giftig)
  71. Scleroderma verrucosum - Dünnschaliger Kartoffelbovist (an seinem auffallend wirr verwachsenen "Wurzelstrunk" zu erkennen)
  72. Skeletocutis nivea - Engporiger Knorpelporling (an Buchenästen)
  73. Stereum hirsutum - Striegeliger Schichtpilz (an Eiche)
  74. Stereum subtomentosum - Samtiger Schichtpilz (an Buche, Birke)
  75. Strobilomyces strobilaceus - Strubbelkopfröhrling (ob er wirklich so schmeckt, wie er aussieht, müsste mal gecheckt werden)
  76. Suillus luteus - Butterröhling (obligater Kiefernbegleiter. Die schmierige Huthaut ist vor der Zubereitung zu entfernen; >>>)
  77. Trametes gibbosa - Buckeltramete (an Buche)
  78. Trametes versicolor - Schmetterlingstramete (an Buche)
  79. Trichaptum abietinum - Gemeiner Violettporling (an Kiefer)
  80. Tylopilus felleus - Gallenröhrling (der klassische Doppelgänger des Steinpilzes, häufiger Kiefernbegleiter. Eine Geschmacksprobe verhindert im Zweifelsfall eine kulinarische Pleite. Meist genügt es, am angeschnittenen Pilz zu lecken. Schlankstielige Exemplare können auch mit dem Birkenraufuß und seinen Verwandten verwechselt werden)
  81. Vuilleminia comedens - Rindensprenger (an noch am Baum befindlichen abgestorbenen Ästen. Der Pilz entwickelt sich unter der Rinde und sprengt diese auf.)
  82. Xerocomus subtomentosus - Ziegenlippe (einzige Filzröhrlingsart während der Wanderung, etliche Funde)
  83. Xerula radicata - Grubiger Schleimrübling (an stark vermorschtem Holz oder im Boden vergrabenen Holzresten; trotz seines wenig einladenden Aussehens sind die Hüte gar nicht so übel und gut in Mischpilzgerichten zu verwenden)
  84. Xylaria hypoxylon - Geweihförmige Holzkeule (an Buche)
  85. Xylaria longipes - Langstielige Holzkeule (an Ahornästen)