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Fundliste 08.11.2009 MTB 6018.4.2

vhs-Exkursion an der Thomashütte und am Rallenteich

Wo sammelt man im November am sinnvollsten Pilze? Sie wachsen zwar sowohl im Laub- wie auch im Nadelwald, aber in einer bodenbedeckenden Schicht abgefallener herbstlich bunter Blätter sind Steinpilz und Co nicht leicht zu entdecken, was Ulrich Esau dazu anregte, laut über einen "Laubsauger mit Pilzfilter" nachzudenken. Weniger mühsam ist die Suche im Nadelwald, wo sich unsere Schätzchen auf dem Moosteppich nicht so gut verstecken können. Wir hatten diesmal beides. Nahe der Thomashütte einen von Rot- und Stieleichen dominierten Wald und am Zielgebiet Rallenteich einen Kiefernforst.

 

Heide-Schleimfuß Cortinarius mucosus                                       Erika Frey mit Fundstück (angeknabbert)

Unsere Erwartungen wurden erfüllt und sogar übertroffen. Mit den exzellenten Speisepilzen Edelreizker (Lactarius deliciosus) und Heide-Schleimfuß (Cortinarius mucosus, Foto) konnte man hier zu dieser Jahreszeit wohl rechnen. Besonders anschaulich zum Aufzeigen von Merkmalsunterschieden bei Arten, die man verwechseln könnte: auch Birkenreizker (Lactarius torminosus) und Natternstieliger Schleimfuß (Cortinarius trivialis) waren da. Mehr dazu in der Fundliste. Auf Steinpilze haben wir nicht zu hoffen gewagt, aber doch welche gefunden. Auf dem Foto zeigt Frau Erika Frey stolz einen unserer Funde. Der wahrscheinlich schönste Pilz der Exkursion dürfte eine knackig frische bei Zitterpappeln entdeckte Rotkappe (Leccinum albostipitatum) mit orangerotem Hut und hellen Stielflöckchen gewesen sein. Die eigentliche Überraschung waren Mönchsköpfe (Clitocybe geotropa), die im Roteichenbestand einen etwas lückigen Hexenring bildeten. Für mich erst der zweite Fund dieses auffallend großen und kompakten Pilzes in der Rhein-Main-Ebene. Weil am Standort nichts von seinem charakteristischen Bittermandelgeruch (Blausäure) zu erkennen war, konnte der Name zunächst nicht bestätigt werden. In der gemütlichen Wärme des Gasthofs Thomashütte entwickelte er sich dann in aller Deutlichkeit. Hierzu muss angemerkt werden, dass manche mit der Identifizierung dieser Duftnote Schwierigkeiten haben und sie lediglich als "pilzig" beschreiben.  (Dieter Gewalt)

     F u n d l i s t e :

  1. Amanita citrina - Gelber Knollenblätterpilz* (mehr im Fotoalbum >>>)
  2. Amanita muscaria - Fliegenpilz*
  3. Amanita porphyria - Porphyrbrauner Wulstling
  4. Auriscalpum vulgare - Ohrlöffel-Stacheling
  5. Biscogniauxia nummularia - Rotbuchen-Rindenkugelpilz
  6. Boletus edulis - Gemeiner Steinpilz* (siehe auch Fotoalbum >>>)
  7. Bulgaria inquinans - Schmutzbecherling (meist in großer Zahl an liegenden, noch berindeten Eichenstämmen zu finden; unser Fund war an einem Rotbuchenstamm)
  8. Calvatia excipuliformis - Beutelstäubling* (sieht aus wie ein überdimensionaler, oft auffallend lang gestielter Flaschenstäubling: der Name Beutelstäubling ist seit urdenklichen Zeiten unter Pilzfreunden und in der Literatur gebräuchlich, bei Andreas Gminder heißt er jetzt "Gemeiner Sackbovist)
  9. Chalciporus piperatus - Pfeffer-Röhrling* (bei Kiefern)
  10. Clitocybe clavipes - Keulenfuß-Trichterling (bei Kiefern)
  11. Clitocybe geotropa - Mönchskopf* (siehe oben)
  12. Clitocybe nebularis - Nebelkappe*
  13. Clitpilus prunulus - Mehlräsling*
  14. Coprinus comatus - Schopftintling*
  15. Coprinus micaceus - Glimmertintling*
  16. Cortinarius armillatus - Geschmückter Gürtelfuß (Haarschleierling aus der Untergattung Telamonia = Gürtelfüße + Wasserköpfe; mehr im Fotoalbum >>>)
  17. Cortinarius cinnamomeus - Zimt-Hautkopf* (Haarschleuerling aus der Untergattung Dermocybe = Hautköpfe)
  18. Cortinarius mucosus - Heide-Schleimfuß (Haarschleierling aus der Untergattung Myxacium = Schleimfüße)
  19. Cortinarius trivialis - Natternstieliger Schleimfuß* (Haarschleierling aus der Untergattung Myxacium = Schleimfüße; siehe Fundkorb-Beitrag >>>)
  20. Crepidotus cesatii - Kugelsporiges Stummelfüßchen (da es sehr ähnliche Arten gibt, ist eine sichere Bestimmung nur mit Hilfe des Mikroskops möglich; mehr >>>)
  21. Daedaleopsis confragosa - Rötende Tramete* (mehr >>>)
  22. Diatrypella favacea - Birken-Eckenscheibchen
  23. Diatrypella quercina - Eichen-Eckenscheibchen
  24. Galerina marginata - Gifthäubling* (an totem Kiefernholz; tödlich giftig - Doppelgänger des essbaren Stockschwämmchens)
  25. Gymnopilus junonius - Beringter Flämmling* (büschelig am Grund einer lebenden Eiche)
  26. Gymnopilus penetrans - Geflecktblättriger Flämmling* (mehr >>>)
  27. Gymnopus dryophilus - Waldfreundrübling*
  28. Gymnopus peronatus - Brennender Rübling*
  29. Hebeloma crustuliniforme - Tonblasser Fälbling*
  30. Heterobasidion annosum - Wurzelschwamm*
  31. Hygrophoropsis aurantiaca - Falscher Pfifferling*
  32. Hyphodontia sambuci - Holunder-Rindenpilz
  33. Hypholoma fasciculare - Grünblättriger Schwefelkopf*
  34. Inocybe geophylla - Erdblättriger Risspilz*
  35. Inocybe geophylla var. lilacea - Violetter Seiden-Risspilz
  36. Laccaria bicolor - Zweifarbiger Lacktrichterling
  37. Laccaria amethystina - Violetter Lacktrichterling*
  38. Laccaria laccata - Rötlicher Lacktrichterling*
  39. Lactarius blennius - Graugrüner Milchling* (bei Buchen)
  40. Lactarius deliciosus - Edelreizker* (nur bei Kiefern)
  41. Lactarius quietus - Eichen-Milchling
  42. Lactarius rufus - Rotbrauner Milchling* (bei Nadelbäumen)
  43. Lactarius torminosus - Birken-Reizker* (weiße, sehr scharfe Milch)
  44. Lactarius turpis - Olivbrauner Milchling* (bei Birken)
  45. Leccinum albostipitatum - Hellstielige Rotkappe (Rotkappen gehören wie der Birkenpilz zu den Raustiel-Röhrlingen und zeichnen sich durch ein meist gut sichtbares Merkmal aus: Huthaut etwas überstehend und ein wenig über die Poren umgebogen. Die bei Pappeln (Zitterpappeln = Espen) wachsende Hellstielige Rotkappe hat weiße Stielflocken, die erst im Alter etwas dunkeln. Die in den meisten Pilzbüchern beschriebene Espenrotkappe (Leccinum aurantiacum) existiert so nicht mehr. Sie wurde mit der Eichenrotkappe (Leccinum quercinum) unter dem Namen Leccinum aurantiacum zusammengelegt und heißt jetzt Laubwald-Rotkappe. Siehe hierzu Fotoalbum Tour 6: Röhrlinge. Das Fleisch der Rotkappen verfärbt sich schwarz, bleibt auch bei der Zubereitung so; wen das stört, kann die Verfärbung mit Essig rückgängig machen)
  46. Leccinum scabrum - Birkenpilz*
  47. Lepista nuda - Violetter Rötelritterling*
  48. Lycoperdon perlatum - Flaschenstäubling
  49. Lyophyllum decastes - Büschelrasling*
  50. Macrolepiota procera - Großer Riesenschirmling*
  51. Marasmius androsaceus - Rosshaarschwindling
  52. Mycena epipterygia - Dehnbarer Helmling
  53. Mycena flavoalba - Zitronengelber Helmling
  54. Mycena galopus - Weißmilchender Helmling
  55. Mycena rosea - Rosa Rettich-Helmling*
  56. Mycena viscosa - Dunkelnder Helmling
  57. Mycena zephirus - Rostiger Helmling
  58. Paxillus involutus - Kahler Krempling*
  59. Pholiota lenta - Tonblasser Schüppling*
  60. Piptoporus betulinus - Birkenporling* (mehr >>>)
  61. Plicatura crispa - Buchen-Adernzähling
  62. Pluteus cervinus - Rehbrauner Dachpilz* (unter diesem Namen kennt ihn jeder - bei A. Gminder heißt er jetzt "Hirschbrauner Dachpilz"!)
  63. Psathyrella piluliformis - Wässriger Mürbling (auch "Weißstieliges Stockschwämmchen" genannt, mit dem Stockschwämmchen Pholiota mutabilis aber nicht näher verwandt; essbar)
  64. Pseudohydnum gelatinosum - Zitterzahn, Eispilz*
  65. Rhodocollybia butyracea var. asema - Horngrauer Rübling*
  66. Rhodocollybia maculata - Gefleckter Rübling*
  67. Russula amara - Buckeltäubling
  68. Russula ochroleuca - Ockertäubling*
  69. Russula sardonia - Zitronenblättriger Täubling*
  70. Stropharia caerulea - Blauer Träuschling
  71. Stropharia aeruginosa - Grünspanträuschling*
  72. Suillus bovinus -Kuhröhrling*
  73. Suillus luteus - Butter-Röhrling* (nur bei Kiefern, mit Ring am Stiel; es gibt auch einen Ringlosen Butterpilz, ebenfalls bei Kiefern wachsend, bei essbar)
  74. Suillus variegatus - Sandröhrling* (mittelmäßiger Speisepilz, gewinnt an Aroma, wenn man ihn trocknet)
  75. Trametes gibbosa - Buckeltramete* (siehe auch Fotoalbum und den Artikel "Gibt es bittere Täublinge?"
  76. Trametes versicolor - Schmetterlingstramete* (>>>)
  77. Tricholoma equestre - Grünling* (giftig, kann Rhabdomyolyse verursachen und hat schon zu Todesfällen geführt; mehr >>>)
  78. Tricholoma sulphureum - Schwefelritterling* (sieht dem Grünling ähnlich, hat aber etwas entfernter stehende Lamellen und riecht unangenehm nach Leuchtgas; giftig, verursacht Magen- Darmbeschwerden)
  79. Tricholoma terreum - Erdritterling* (bei Kiefern; es gibt mehrere graue Ritterlinge, darunter auch giftige; sollte daher nur von Pilzkennern gesammelt werden, die ihn sicher bestimmen können)
  80. Tubaria conspersa - Flockiger Trompetenschnitzling
  81. Typhula phacorrhiza - Linsen-Fadenkeulchen (auf vermodernden Espenblättern; mehr über diesen meist übersehenen Pilz >>>)
  82. Xerocomus badius - Maronenröhrling* (mehr >>>)
  83. Xerocomus chrysenteron - Rotfußröhrling*
  84. Xerocomus pruinatus - Herbst-Rotfüßchen (in der Regel mit rein gelbem Stiel; mehr >>>)
  85. Xylaria hypoxylon - Geweihförmige Holzkeule (siehe auch Fotoalbum >>>)

Die mit * markierten Arten sind in unserem Arbeitsbuch (Andreas Gminder "Handbuch für Pilzsammler")abgebildet und beschrieben.