Urocystis colchici (Schltdl.) Rabenh.

(Brandpilz an Herbstzeitlose) - 30.06.2010 MTB 6017.1.1 Mönchbruch, Wegrand Mönchbruchallee am Aussichtsturm - leg. det. Exs. und Fotos: Hermine Lotz-Winter


 

Foto links: Herbstzeitlosenblatt mit Brandsporenlagern - Foto rechts: Sporenballen mit sterilen, luftgefüllten Randzellen, die die Verbreitung durch Wind erleichtern


Die große Herbstzeitlosenwiese an der Nordseite der B486 an der Mönchbruchmühle ist vielen Naturfreunden im Rhein-Main-Gebiet bekannt. Während im Herbst zahllose Blüten das Ende der schönen Jahreszeit anzeigen, wachsen die kräftigen, großen Blätter der Pflanze erst im Frühling und umgeben den für eine so zart wirkende Pflanze erstaunlich massiven Fruchtknoten. Dass die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) eine unserer giftigsten Pflanzen ist, sei am Rande erwähnt.

Einer der Phytoparasiten der Herbstzeitlose ist der seltene Brandpilz Urocystis colchici. Aufgrund eines Hinweises von Dr. Lothar Krieglsteiner, der diesen seltenen Pilz ebenfalls im Frühling 2010 sowohl auf der Schwäbischen Alb als auch in der Rhön gefunden hatte, wurde gezielt danach gesucht. Lediglich ein infiziertes Blatt konnte im Randbereich des sehr großen Herbstzeitlosenbestandes gefunden werden.

Brandpilze gehören einer eigenen Unterabteilung der Basidiomyceten an (Ustilaginomycotina). Sie besitzen septierte Basidien. Im Gegensatz zu den meisten ebenfalls phytoparasitischen Rostpilzen führen sie keinen Wirtswechsel durch und bilden nicht so unterschiedliche Sporenformen. Eigentliche Fruchtkörper werden nicht gebildet. Neben fädigen Hyphen im Pflanzensubstrat werden hefeartige Stadien gebildet. Diese werden vor allem in Kultur beobachtet. Die reifen "Brandsporen" entwickeln sich in Sporenlagern zunächst unter der Epidermis, die aufreißt und die Brandsporen in die Umgebung entlässt. Die Pflanze sieht durch die dunklen Sporenmassen aus wie verbrannt.

Urocystis colchici gilt in ganz Deutschland als selten. In der Roten Liste der phytoparasitischen Pilze Deutschlands von 1996 hat dieser Brand den Gefährdungsstatus "3". (Juni 2010, Hermine Lotz-Winter)

 

Ein weiterer Brandpilz, der häufige und auffällige Maisbeulenbrand Ustilago maydis, ist im Fotoalbum (Tour 7: Auch das sind Pilze) abgebildet und beschrieben.