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Rhodocybe gemina (Fr.) Kuyper & Noord.

Würziger Tellerling

Syn.: Rhodocybe truncata, neuer Name: Clitopilus geminus - V=3 (RM=1) - 07.09.2008 MTB 5918.4.1 Pilzkundliche Führung der vhs und Stadt Dietzenbach im UG Steinberger Wald, Waldrand; im gleichen Gebiet an gleicher und anderer Stelle auch schon zuvor - Exs. u. Dia D. Gewalt


 

Weniger erfahrene Pilzfreunde sind in der Regel ziemlich ratlos, wenn sie diesem Pilz zum ersten Mal begegnen. Vom Habitus her käme vielleicht ein Ritterling in Betracht, doch dazu passt der Lamellenansatz nicht. Ein Rötelritterling? Auch in dieser Gattung wird man vergeblich suchen. Die Lamellenfarbe könnte an einen Rötling denken lassen und ein Sporenabwurfpräparat zeigt eine dazu passende Farbe: schön fleischrosa. Damit sind wir der Problemlösung ein gutes Stück näher gekommen. In der Familie der Entolomataceae gibt es neben den nach der Artenzahl dominierenden Rötlingen noch ein paar weitere Gattungen und nun sorgt das Mikroskop für rasche Klarheit. Die Sporen sind eher elliptisch geformt, also nicht auffallend mehreckig wie bei den Rötlingen, und warzig. Danach kommt nach Farbe und Habitus der Fruchtköper eigentlich nur noch Rhodocybe gemina in Betracht. Ein angenehm würziger Geruch sollte die Bestimmung dann endgültig bestätigen.

In der Literatur wird der Würzige Tellerling als selten angegeben. Für das RM-Gebiet ist im Verbreitungsatlas gerade mal ein Fund ausgewiesen. Dann kam das Jahr 2004, das man zumindest in unserer Region als "Jahr des Würzigen Tellerlings" bezeichnen könnte. Der seltene Pilz zeigte sich ungewohnt häufig und an zahlreichen Stellen und wurde mir auch mehrfach bei der Pilzberatung vorgelegt. Auch in den Folgejahren konnten Fundmeldungen, zumeist von bereits bekannten Standorten, registriert werden.

Der Würzige Tellerling ist übrigens ein ausgezeichneter Speisepilz, der jedoch nur von Pilzkennern gesammelt werden sollte, die ihn sicher kennen. (Dieter Gewalt)

Chronologie der Fundpunktsteigerung:

  • 13.09.1995 5817.1.3 Eichwald, Sulzbach, zerstreut (H. Sandau)
  • 05.10.1997 5918.4.3 Dietzenbach, Offenbacher Straße in einer Pflanzenrabatte (D. Gewalt)
  • 02.09.2001 5915.1.2 Wiesbaden, Unter den Eichen (H. Sandau)
  • 22.10.2001 5918.4.3 Dietzenbach, Wollwiesenteich; 2 Fk, darunter das fotografierte Exemplar (D.Gewalt)
  • 01.09.2002 5917.1.4 Schwanheim, Unterwald (H. Sandau)
  • 29.08.2004 5917.4.1 Zeppelinheim (Janka Thasler, det. Hermine Lotz-Winter)
  • 29.08.2004 5917.3.3 Markwald, Nähe Startbahn West (H. Lotz-Winter)
  • 30.08.2004 5817.2.1 Stierstadt, Bahndamm (H. Sandau)
  • 03.09.2004 5817.2.1 Oberursel, Alter Friedhof (H. Sandau)
  • 05.09.2004 5917.3.4 Gundwald bei Walldorf (H. Lotz-Winter)
  • 18.09.2004 5817.1.2 Steinbacher Wald, gesellig (H. Sandau)
  • 02.10.2004 5918.4.1 Dietzenbach, UG Steinberger Wald, (vhs-Pilzkurs, det. D. Gewalt)
  • 16.10.2004 5818.1.1 Nordpark Bonames, 6 Fk unter Pappeln (D. Gewalt)
  • 27.10.2004 5919.2.1 Birkenschlag bei Hainburg, Laubstreu (D. Gewalt)
  • 03.11.2004 5919.2.4 Fasanerie Seligenstadt, Wegrand am Bahndamm, ca. 5 z. T. sehr große Fk (D. Gewalt)
  • 22.07.2017 6018.1.2 Ringwäldchen, Götzenhain, Einzelexemplar (D. Gewalt)

 Rhodocybe gemina 02.jpg

Pilze scheinen es zu lieben, Pilzfreunde und -sammler zu foppen, wo sie nur können. Am 22.Juli 2017 bringt Brigitte Koch drei Exemplare aus dem Spessart mit, die durch ihre ungewöhnlich dicken Stiele auffallen. Zwei davon sind auch noch miteinander verwachsen, die Hutkanten überragen die Stiele nur um einige Millimeter. Von der gesamten Masse des Zwllingspärchens scheint der Löwenanteil auf die Stiele zu entfallen. Wie es der Zufall will, finden wir bei unserer Exkursion im Ringwäldchen einen deutlich größeren weil älteren Pilz mit einer ähnlich ungewöhnlichen Hut-Stiel-Relation. Er hat einen Hutdurchmesser von 8,3 cm, sein Stiel misst in der Mitte 3,6 cm, die Lamellen laufen am Stiel bogog herab. Der Sporenabwurf zu Hause bestätigt dann, was ein Betrachter aufgrund unseres in einem Pilzforum geposteten Fotos vermutet hat. Die fleischrosa Sporenpulverfarbe verweist in die Familie der Rötlingsverwandten (Entolomataceae) und damit ist der Fall geklärt. Den Würzigen Tellerling kenne ich seit langem, aber ich habe ihn bisher nur mit schlanken Stielen wie auf dem Foto oben erlebt. In der Literatur werden Stieldicken von 1 - 2,1 cm angegeben (Krieglsteiner, Großpilze Baden-Württembergs Band 4, 2003)

  • 23.07.2017 6018.1.1 Koberstadt Langen, ca. 12 überwiegend noch junge Fk., alle mit dem gleichen, bisher in diesem Jahr beobachteten ungewöhnlichen Merkmal: auffallend dicke Stiele. Ist hier eine Mutation im Gange? (D. Gewalt)