Retiarius superficiaris D.L.Olivier 1978

"Pollenfänger" 

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Der staubartige Belag auf dem oben abgebildeten Stechpalmenblatt (Ilex aquifolium) stellt das mit bloßem Auge sichtbare Bild des Pilzes dar, der eine Vielzahl von Pollenkörnern "eingefangen" hat. Der eigentliche Pilz besteht lediglich aus einem Myzel, das nur mikroskopisch zu erkennen wäre. Um Pollen einzufangen entwickelt es einen Klebstoff, an dem die Pollen haften bleiben und vom Pilz verdaut werden. 

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Der Gattungsname Retiarius (lat.: Netzkämpfer) bezieht sich auf einen Gladiatorentyp im alten Rom, der nur leicht bewaffnet in öffentlichen Schaukämpfen antrat. Seine wichtigste Waffe neben Dreizack und Kurzschwert war ein Wurfnetz, mit dem er seinen Gegner kampfunfähig zu machen versuchte. Eine vergleichbare Strategie verfolgen auch die Pilze der Gattung Retiarius, die mit ihrem Netz aus klebrigen Myzelien ihre "Nahrung" einfangen. Bleibt nur die Frage offen, wie diese Pilze für die Erhaltung ihrer Art sorgen, da sie keine Fruchtkörper ausbilden. Sie tun es ungeschlechtlich mittels Konidiensporen.

Unser "Pollenfänger" ist ein erstaunliches Beispiel für die enorme Vielfalt an Formen, Lebensweisen und Strategien im für den normalen Naturfreund kaum überschaubaren verwirrenden Reich der Pilze. Wir haben ihn bisher auf Blättern von Kirschlorbeer, Mahonie, Stechpalme und Bambus gefunden.  (Dieter Gewalt, April 2019)