Phleogena faginea (Fr.) Link

Buchen-Hütchenträger

V=4 (RM=3) - 10.12.2009 bis 31.01.2010 MTB 6017.1.3 Mörfelden, Südufer Apfelbach - leg. det. Exs. und Fotos Hermine Lotz-Winter


Im tiefen Winter, bei dünner Schneedecke und sonnigem, eiskaltem Wetter fand ich am 10.12.2009 auf dem nackten Holz eines abgestorbenen noch stehenden etwa 10 m hohen Pappelstammes unzählige, etwa 1 - 3 mm große, kugelige Fruchtkörper, die winzigen, gestielten Bovisten oder Schleimpilzen ähnelten. Die Oberfläche war bräunlich und schorfig, beim Zerdrücken der Köpfchen wurde eine bräunliche Sporenmasse freigesetzt, die würzig nach Liebstöckel roch. Phleogena faginea fruktifiziert im Winter bzw. Frühling und gilt in Deutschland als selten. Nach Schätzung der Verfasserin gibt es etwa 90 Funde für ganz Deutschland, die sich auf etwa 25 bis 30 Messtischblätter verteilen. Die Fruktifikation in der normalerweise sonst pilzarmen Zeit und die winzigen Fruchtkörper lassen vermuten, dass der Pilz möglicherweise häufiger ist. Im Rhein-Main-Gebiet wurde der Pilz etwa zeitgleich von der Verfasserin und Klaas Hofmann (berichtet im Internetforum www.pilzepilze.de) im Taunus gefunden. Roland Kirschner (pers. Mitteilung) berichtet von einem Fund in Ginnheim (Frankfurt am Main). Phleogena faginea hat sowohl in der Roten Liste der Großpilze Deutschlands als auch in der Roten Liste für Hessen den Status 2, das bedeutet "stark gefährdet".

Nachsuche im Apfelbach-Gebiet von Dezember 2009 bis Januar 2010 durch die Verfasserin ergab noch drei weitere Bäume mit Phleogena-faginea-Bewuchs: je einmal Salix sp., Carpinus betulus und Fagus sylvatica. Trotz des Namens (Phleogena = aus der Rinde entstehend, faginea = zur Buche gehörig) scheint die Art nicht besonders wirtsspezifisch zu sein. Aufallend ist das Vorkommen in "alten" Wäldern mit hohem Totholzbestand bzw. Urwaldrelikten. Der Standort des vorliegenden Fundes zeichnet sich ebenfalls durch einen hohen Totholzbestand aus, er liegt am Rand des NSG Mönchbruch, einem Jahrhunderte alten Waldgebiet mit alten Baumbeständen und großen Totholz-Arealen.

Die Gattung Phleogena steht heute in der Familie der Phleogenaceae, Ornung Atractiellales, in der Unterabteilung Pucciniomycota (Rostpilzverwandtschaft), während sie früher in die Verwandtschaft der Auriculariales (Judasohrverwandtschaft) gestellt wurde. Beide Verwandtschaftkreise besitzen septierte Basidien. (Juni 2010, Hermine Lotz-Winter)

 

 

 

 

 

 

Septierte Basidien und kugelige Sporen des Buchen-Hütchenträgers Phleogena faginea (Fr.) Link

Vergrößerung 1000-fach, Präparat in Leitungswasser

 

+ 10.05.2012 MTB 5918.1.2 In der Nähe des Maunzenweihers wurden bei einem Maispaziergang überständige Fruchtkörpervon Phleogena faginea entdeckt. Sie brachen aus Rindenspalten eines liegenden Buchenstammes hervor. Besonders deutlich war in diesem überreifen Zustand der würzige Liebstöckelgeruch der Pilzsporen, der noch lange an den Händen haftete. (Hermine Lotz-Winter)

 

Literatur: Tallasch, H. & Jahn, H. (1970/1971): Phleogena faginea (Fr.) Link im Naturschutzgebiet "Hasbruch" bei Bremen. Westf. Pilzbriefe 8, 31 - 35

u. a.