Statistik
Startseite > Fundkorb > Lentinus cyathiformis (Schseff.) Bres.

Lentinus cyathiformis (Schseff.) Bres.

Becherförmiger Sägeblättling

V=3 (RM=3) - 27.04.2008 MTB 6114.4.4 FundGroup-Wanderung im NSG Kühkopf, ein junger Fk an entrindetem Laubholzast, vermutl. Eiche - Fotos: D. Gewalt


 

Es ist durchaus nachvollziehbar, wenn man beim ersten Anblick dieses Pilzs an einen Leistling denkt, vor allem wenn es sich um ein noch junges Exemplar handelt wie bei unserer Frühjahrswanderung 2011 im NSG Kühkopf. Die etwa 1 mm erhabenen, dicklichen Lamellen laufen bogenförmig weit am Stiel herab und auch der übrige Habitus erinnert ein wenig an einen kompakt geratenen Pfifferling. Nicht ins Bild passt das Wachstum an Holz und der zur Basis hin mehr oder weniger berindete Stiel. Hat man auch ausgewachsene Fk zur Verfügung, wird man bei ersten Zuodnungsversuchen aufgrund der schartigen Lamellenschneiden Gattungen wie Lentinus in Betracht ziehen und findet hier bei Moser (Kleine Kryptogamenflora) schon bei der ersten Schlüsselfrage das passende Angebot. Bei Breitenbach & Kränzlin (Pilze der Schweiz) wird man die Art allerdings vergeblich suchen.

 

Offensichtlich bevorzugt der Becherförmige Sägeblättling Auwälder, als Substrate werden u. a. Pappel, Erle und Weide angegeben. Im NSG Kühkopf dürfte er seit Jahrzehnten bekannt sein und ist noch immer, auch wenn das ursprünglich besiedelte Holz längst verrottet ist, zugegen. Mit nur 26 Fundpunkten im Verbreitungsatlas der Großpilze in Deutschland (davon 3 im Rhein-Main-Gebiet) gehört die weitgehend unbekannte, thermophile Art zu den Raritäten und scheint in ihren Biotopen sehr standorttreu zu sein. Die Abbildung links zeigt eine Kollektion aus dem Jahr 1999, das Foto rechts den Einzelfruchtkörper vom 27. April 2008. (April 2008, Dieter Gewalt)

+ Die Rote Liste der Großpilze Deutschlands aus dem Jahr 1992 führt L. cyathiformis unter einem seiner Synonyme (Lentinus schaefferi) in der Kategorie "R", also als extrem seltenen Pilz. Auch in vielen Roten Listen der einzelnen Bundesländer wird der Pilz als "extrem selten", aber auch als gefährdet unter den Namen L. cyathiformis, L. degener bzw. L. schaefferi geführt. In der Roten Liste Hessen wird L. cyathiformis mit "2", das heißt "stark gefährdet" eingestuft. Die Neubearbeitung der Roten Liste der Großpilze Deutschlands wird den Pilz unter dem Namen L. cyathiformis in der Kategorie "3" führen (= gefährdet).Für die wärmeliebende Art der großen Stromtäler und deren Auwälder mit reichlich Altholz wurde eine Gefährdung durch Rückgang des entsprechenden Lebensraums festgestellt. (April 2008, Hermine Lotz-Winter)

 

+ Auch am 26.04.2009 wurde der Becherförmige Sägeblättling bei einer FundGroup-Exkursion am gleichen Eichenstamm gefunden, deutlich weiter entwickelt wie im Vorjahr zur etwa gleichen Zeit. Das Foto unten zeigt die hell rehbraun gefärbte Hutoberseite. Bei unserer Wanderung im April 2010 suchten wir die Art vergeblich, 2011 war sie aber wieder an ihrem nun schon stark verrotteten Eichenast zugegen. (Dieter Gewalt)