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Delicatula integrella (Pers.) Fayod

Weißer Adernabeling

V=5 (RM=2) - 15.07.2007 FundGroup-Wanderung, MTB 5918.4.1 UG Dornsee bei Dietzenbach, an vergrabenem Holz - Dia D. Gewalt


 

Jeder hat so seine Lieblingspilze. Zum einen für die Küche, aber auch zum Anschauen. Bei mir sind es immer wieder diverse Winzlinge, die mich begeistern. Neben den Heftelnabelingen gehört auch der Weiße Adernabeling dazu. Mit seiner grazilen Gestalt, der alabasterweißen Farbe und den sehr entfernt stehenden, anastomosierenden Lamellen, die zu flach erhabenen Äderchen reduziert sind, erfreut er das Auge von Naturfreunden, die sich einen Sinn für unscheinbare Schönheiten bewahrt haben. Er sieht zerbrechlich aus und ist es auch. Nur mit Behutsamkeit lässt er sich seinem Wuchsort entnehmen, sofern man das Glück hat, ihn zu finden.

Der Weiße Adernabeling wird in der Literatur als seltene Art beschrieben. Diese Einschätzung hätte ich bis vor kurzem widerspruchslos geteilt, doch inzwischen scheinen mir die Angaben zu seiner Abundanz zumindest regional revisionsbedürftig zu sein. Allein im Jahr 2006 hat sich die Anzahl der Fundpunkte im Rhein-Main-Gebiet geradezu explosionsartig vermehrt. In den Monaten August bis Oktober habe ich Delicatula integrella bei zahlreichen Begehungen gefunden und bisweilen regelrechte Massenvorkommen beobachtet. Am beeindruckendsten war ein Fund im Steinberger Wald (MTB 5918.4.1) am 11.08.2006. Die Höhlung eines stark vermorschten Kiefernstumpfes war komplett mit Hunderten dicht gedrängt wachsender Fk ausgekleidet. Zwei Tage später hatten die kleinen Pilzchen einen weiteren Kiefernstumpf besiedelt und den Waldboden im Umkreis von bis zu zehn Metern erobert.

Der Weiße Adernabeling gehört zur Familie der Tricholomataceae (Ritterlingsartige) und steht den Helmlingen nahe, zu denen er auch schon gestellt worden ist. Von weißen Vertretern der Gattungen Mycena und Hemimycena unterscheidet er sich u. a. durch ein bei jungen Pilzen vorhandenes Velum. Seine durchscheinend gerieften Hüte erreichen Durchmesser bis etwa 1 cm, die Stiele werden 1 bis 2,5 cm lang. Zu seinen mikroskopischen Auffälligkeiten gehört das Fehlen von Zystiden. (Dieter Gewalt)

Zusammenfassung weiterer Fundmeldungen:

  • MTB 5816.2.3 27.08.2006 nordöstlich vom Rettershof (H. Sandau)
  • MTB 5817.1.4 21.08.2006 Steinberg, Katholischer Kindergarten (H. Sandau)
  • MTB 5817.3.1 12.09.1995 Sulzbach, Bahnstraße (H. Sandau)
  • MTB 5917.4.1 12.11.2004 Zeppelinheim (H. Sandau)
  • MTB 5918.4.3 06.09.2000 Lichteichen bei Dietzenbach (D. Gewalt)
  • MTB 5918.4.4 05.08.2000 Sandhorst bei Dietzenbach (D. Gewalt)
  • MTB 5919.1.2 08.09.2001 Fasanerie, vergrabenes Holz (D. Gewalt)
  • MTB 5919.3.4 19.09.2005 Gänsbrüh, Dudenhofen (D. Gewalt)
  • MTB 5919.4.4 02.06.2006 Bahnhof Zellhausen, an morschen Pflaumenästen (H. Lotz-Winter, D. Gewalt)
  • MTB 6018.1.4 27.04.2004 Gleisner Kopf bei Offenthal (D. Gewalt)
  • MTB 6019.1.3 23.07.1994 UG Abtei (D. Gewalt)
  • MTB 6119.1.2 23.07.1994 Mittelwald bei Groß-Umstadt, morsche Holzreste (D. Gewalt)

Aufsammlungen aus den MTB 5917.4.4, 5918.1.4, 5918.3.4, 5918.4.2 und 6018.1.2 werden noch mit genaueren Funddaten nachgetragen