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Daedalea quercina (L.) Pers.

Eichenwirrling

Im RM-Gebiet flächendeckend verbreitet, wo es Eichen gibt - 21.08.2000 MTB 6018.2.1 Dietzenbach-Hexenberg Nähe Schwimmbad, an Erle (!) - Exs. G. Sturm, Dia D. Gewalt


 

Was zum Teufel, mögen Pilzfreunde fragen, hat eine Kollektion dieser banalen Art im Fundkorb zu suchen? Antwort: seine Substratwahl! Laut Literatur und wie jeder weiß, ist der Eichenwirrling ein geradezu obligatorischer Besiedler von Quercus-Arten. Wenn er tatsächlich mal fremd geht, dann noch am ehesten mit Edelkastanie oder Buche. Ich habe die Art wohl schon 1000mal beobachtet und immer nur an Eiche - aber diesmal fand ich sie an Erle, wo sie an der Schnittfläche des gefällten Baumstamms ein auffälliges Muster bildete. Die miteinander verwachsenen Fk waren z. T. flach konsolenförmig, treppenartig verbunden und stellenweise auch resupinat.

Die ungewöhnliche Substratwahl rief bald auch einen erfahrenen Porlingsspezialisten auf den Plan. Günter Sturm fiel vor allem die gleichmäßig blaßgelblich-grünstichige Farbe auf. Den Geruch beschrieb er als würzig-terpentinartig - ebenfalls untypisch für unsere Art. Das Hymenophor unterschied sich außer in der Farbe und im Geruch durch nichts von typischen an Eiche wachsenden Exemplaren. Sollte diese in Europa monotypische Gattung etwa doch nicht ganz so monotypisch sein? Vielleicht eine Varietät? - Nichts dergleichen. Die mikroskopische Nachprüfung durch Günter Sturm ergab zweifelsfrei: der sont so treue Eichenwirrling muss sich hier in der Partnerwahl vertan haben. (Dieter Gewalt)

+ Die Gattung Daedalea ist übrigens nicht nach einem mehr oder weniger bedeutenden Mykologen benannt, sondern sinnvollerweise nach Daedalus, dem Erbauer des minoischen Labyrinths aus der griechischen Mythologie. Pilze mit labyrinthischem Hymenophor wie der Eichenwirrling werden als daedaloid bezeichnet.