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Artomyces pyxidatus (Pers.) Jülich

Becherkoralle

Syn.: Clavicorona pyxidata - V = 1 (in Deutschland 11) - 22.08.2010 MTB 5919.3.1 Waldfreizeitgelände Jügesheim, an morschem, bemoostem Laubholzstamm - leg., det., Exs. und Foto: D. Gewalt)


 

Schon beim Einparken fielen uns schmutzig weiße Flecken im grünen Moospolster am Fuß einer Rotbuche auf. Bei näherem Hinsehen entpuppten sie sich als Wollige Milchlinge, die knubbelig ans wolkenverhangene Tageslicht drängelten. Auf dem Weg zu ihnen stolperten wir über vielhütige Pantherina-Populationen in allen Entwicklungsstadien. Das fängt ja gut an, dachten wir an diesem 22. August.

Es ging gut weiter, wurde immer besser. Nächster Blickfang war ein Narzissengelber Wulstling, der eine Moosschicht angehoben hatte, um sich wie unter einem schützenden Dach darunter zu verstecken. Perfekte Standortwahl in regnerischen Zeiten! Noch während ich mit Kamera und Stativ hantierte, hatte meine Begleiterin die ersten Flockies und Steinpilze gesichtet. Erst jetzt fielen mir die zart bläulichen Rauchschleier auf, die über die weitläufige Freizeitalage waberten und eine appetitanregende Duftnote transportierten. Da bruzzelte würziges Grillgut auf einem Rost.

Im Gegensatz zum nahen Ansfeldwald, in dem Dutzende von Sammlern den Bestand plündern, durften sich Pilze hier trotz menschlicher Präsenz unbehelligt entwickeln. Kluge Zurückhaltung! Zwischen essbaren wuchsen weniger bekömmliche Sorten, auch Grüne Knollenblätterpilze, die so frisch und appetitlich aussahen, als könnten sie kein Wäserchen trüben.

Hübsch anzuschauen waren Winzlinge wie der Orangefarbene Heftelnabeling. Weniger versteckt ein Riesenporling, der noch im Begriff war, sich zu stattlicher Größe zu entwickeln. Schlauchpilze waren mit Peziza varia und Minibecherchen vertreten und wo das Freizeitgelände allmählich in den angrenzenden Wald übergeht, fanden sich im Buchenlaub Trupps von knackigen Pfifferlingen. Nicht weit vom Grill entfernt wuchsen Mousseron-Schwindlinge, mit denen man die bruzzelnden Steaks auf indigene Weise hätte würzen können.

Höhepunkt des Tages war ein Fund, bei dem ich vor Freude fast ein Rad geschlagen hätte. Obwohl ich diesen Pilz noch nie gesehen und seinen Namen nicht parat hatte, wusste ich ihn sofort zuzuordnen. Zu Hause brauchte ich nur in Hermann Jahns "Pilze die an Holz wachsen" zu blättern, um ihn benennen zu können. Becherkoralle war sein Name, damals noch als Clavicorona pyxidata geführt und vom Autor in Schweden gefunden. Hier auf dem Freizeitgelände hatte er einen der morschen Baumstämme, die als Weg- und Parkplatzbegrenzungen auf dem Boden liegen, mit nicht weniger als 14 eindrucksvollen Fruchtkörpern besiedelt.

Verständlich, dass man sich bei einem so exponierten Standort Sorgen um das Überdauern der Rarität macht. Nach einem Anruf beim zuständigen Umweltamt wurde mir auch sofort zugesichert, alles Erforderliche zum Schutz der seltenen Art zu veranlassen. Dass diese Maßnahme gerade noch zur rechten Zeit erfolgte, erfuhr ich ein paar Tage später. Die morschen Stämme sollten tatsächlich entfernt und durch frisch geschlagene ersetzt werden. (Sept. 2010, Dieter Gewalt)

+ 12.06.2011 noch junge Fk am gleichen Standort